Wie Wero und Co. mit Interoperabilität eine Lücke im europäischen Kartensystem füllen könnten
EPI und EuroPA schließen sich zu einem europäischen Zahlungsnetzwerk zusammen. Die Kooperation könnte die größte Schwäche der europäischen Kartensysteme lösen – wenn Wero nicht scheitert.
EPI und EuroPA schließen sich zu einem europäischen Zahlungsnetzwerk zusammen. Die Kooperation könnte die größte Schwäche der europäischen Kartensysteme lösen – wenn Wero nicht scheitert.
Noch vor einem Jahr teilte die European Payment Initiative (EPI), die hinter dem Bezahlnetzwerk Wero steckt, gegen die vermeintlichen Konkurrenten von der European Payment Alliance (EuroPA) aus. Es wirkte fast so, als sei man in Brüssel fest entschlossen, den anderen Zahlungsnetzwerken den Platz streitig zu machen, statt mit ihnen zusammenzuarbeiten. „Interoperabilität macht für mich keinen Sinn, weil sie keine Synergien schafft”, sagte EPI-Chefin Martina Weimert damals im Interview mit Payment & Banking.
An solche Aussagen wird man sich in Brüssel heute nicht gerne erinnern. Schließlich haben sich die Beteiligten inzwischen darauf verständigt, statt gegeneinander miteinander zu arbeiten. Ein paar Wochen nach dem Interview lud EPI in einem Brief andere europäische Zahlungslösungsanbieter dazu ein, sich zusammenzuschließen. Ein Liebesbrief, der etwas plump über die bisher eher ablehnende Haltung hinwegtäuschte. Ob externer Druck von den teilhabenden Banken oder eine interne Strategierevision vor dem Hintergrund des eskalierenden Handelskrieges mit den USA und den politischen Ansagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zu dem Sinneswandel führte, lässt sich im Nachhinein nicht nachvollziehen – vielleicht war es beides.
Die Chance auf eine europäische Girocard?
Die Allianz geht nun in die nächste Phase: Am Montag verkündeten dann fünf Zahlungsdienste die Unterzeichnung einer Absichtserklärung, um bis 2027 grenzüberschreitende Zahlungslösungen zu ermöglichen. Der Prozess, dem eine Machbarkeitsstudie vorausgegangen war, hatte kurz nach dem Friedensangebot von EPI begonnen. Mit der Kooperation möchte der Verbund die europäische Zahlungssouveränität vorantreiben.
Und das ist für viele Beobachter*innen bitter nötig: Denn in Europa fehlt es seit Jahren an einem grenzüberschreitenden Zahlungsnetzwerk. Lediglich in einzelnen Ländern sind Angebote wie das Girocard-System, Cartes Bancaires in Frankreich oder Bancomat in Italien geblieben. Sie funktionieren aber nur in den jeweiligen Staaten. Bei Zahlungen im europäischen Ausland müssen die Netzwerke auf Co-Badges der amerikanischen Kartengiganten Visa und Mastercard ausweichen. Allein zwischen 2009 und 2016 verschwanden ein Drittel aller nationalen Systeme in Europa. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) wickelten nicht-europäische Anbieter 2022 etwa 61 Prozent der Kartenzahlungen in Europa ab. Gleichzeitig drängen auch Zahlungsdienste wie PayPal mit Kartenlösungen auf den Markt. Kurz: Zahlungssouveränität sieht anders aus.
Hier könnte die Zusammenarbeit der europäischen Zahlungslösungen in Zukunft die Rolle des fehlenden europäischen Kartensystems übernehmen. Mit den Diensten der European Payment Alliance – Bizum in Spanien, Sibs in Portugal, Bancomat in Italien und Vipps/Mobile Pay in den nordischen Ländern – sowie EPI, das mit Wero in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten unterwegs ist, würde man 72 Prozent der europäischen Bevölkerung in 13 Ländern abdecken. Die Lösungen vereinten bereits insgesamt 130 Millionen Nutzer*innen in ganz Europa. Weitere Eintritte sind laut der Allianz möglich – beispielsweise aus der Schweiz. Das könnte man als explizite Einladung an den dortigen Anbieter Twint verstehen.
Wenig Zeit, viel Druck und ein kleiner Track-Record
Die Kooperative muss nun innerhalb eines Jahres die technische Umsetzung angehen. Dafür möchte man im ersten Halbjahr 2026 einen sogenannten „Interoperability Hub” aufbauen, der von einer eigenen Entität gesteuert werden soll. Gleichzeitig wird ein Proof-of-concepts (POCs) der technischen Abwicklung durchgeführt. Noch in diesem Jahr plant der Verbund den Start der P2P-Funktion – im nächsten Jahr dann im online- und stationären Handel.
Ein straffer Zeitplan – vor allem für Wero. Denn der Aufwand wird eine zusätzliche Belastung für die Dienste sein. Und das in einer Phase, in der sich Wero noch beweisen muss. Anders als die anderen Anbieter hat man im eigenen Markt noch keine große Präsenz aufgebaut. Zwar ging das Angebot Ende 2025 im Online-Handel an den Start, doch laut einem Online-Tracker, der durch Pressemitteilungen und Nutzer*innen-Hinweise gespeist wird, haben bisher nicht einmal vier der 22 Händler, die angekündigt hatten, den Zahlungsdienst einzusetzen, das bereits getan.
Aber die EuroPA braucht EPI: Seit März 2025 hat ersteres lediglich sechs Millionen Euro an grenzüberschreitenden Zahlungen abgewickelt. Das zwar laut eigener Aussage ohne die Funktion vermarktet zu haben, aber das Zahlungssystem kann erst dann von einem europäischen Netzwerkeffekt profitieren, wenn vor allem Deutschland und Frankreich angebunden sind. Damit das System zu einer echten Alternative zu Mastercard und Co. wird, müssen Händler es flächendeckend akzeptieren. Die nächsten zwei Jahre werden darüber entscheiden, ob die neue Allianz eine Chance haben wird.