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„Wir gehen auf die 400.000 registrierten Nutzer zu”

Parqet-CEO Sumit Kumar spricht im exklusiven Interview mit Payment & Banking über das Wachstum des Start-ups, hohe Investitionen und warum KI für sein Geschäft keine Bedrohung ist – sondern ein Feature. 

„Wir gehen auf die 400.000 registrierten Nutzer zu”
parqet Gründer Sumit Kumar an seinem Schreibtsich

Herr Kumar, Parqet ist als Portfolioanalyse-Tool gestartet. Wie läuft das sechs Jahre nach der Gründung?

Parqet wurde 2020 gegründet und es läuft gut. Wir gehen auf die 400.000 registrierten Nutzer zu, wir erweitern unser Produktportfolio und wachsen weiterhin hoch zweistellig im Umsatz. Es gibt noch viel zu tun, aber ich bin zufrieden mit dem Fortschritt.

Geld verdienen Sie über Abos. Wie viele zahlende Nutzer haben Sie?

Die genaue Zahl veröffentlichen wir nicht. Aber von unseren aktiven monatlichen Nutzern sind zwischen zehn und 20 Prozent zahlende Nutzer.

Vor einigen Tagen haben Sie angekündigt, dass es nun aber auch ein zweites Produkt geben soll: das Terminal. Wie muss man sich vorstellen?

Wir hatten eine Vision von einem Tool zur Unternehmensanalyse, das es so - soweit mir bekannt - in Europa noch nicht gibt. Wir haben in 6 Monaten dazu einen MVP gebaut und lassen jetzt die ersten paar Tausend User auf die Plattform, um deren Feedback einzuholen und umzusetzen. Das Tool hat von der Zielgruppe her natürlich eine Schnittmenge mit unserem Portfolio Tracker und dementsprechend auch produktseitig eine tiefe Integration, ist aber genau so nützlich für Investoren, die keinen Tracker nutzen und mit Terminal nur Aktien finden, analysieren und verfolgen möchten.

Was ist die Zielgruppe für das Terminal-Angebot? Bloomberg & Co. gibt es ja bereits.

Aktien-Analyse Tools gibt es wie Sand am Meer. Wir haben Terminal mit unserem gewohnten Fokus auf Speed, Tastatur-Navigation, UX und Datenqualität aufgebaut. Dazu kommt der gewohnte Support von Parqet und die Integration mit unserem Tracker. Wir glauben, dass wir damit ein tolles Paket für unsere Kunden schnüren können und das erste Feedback bestätigt das.

Wie hoch waren die Investitionen für das Terminal?

Wir wollen unsere Ideen immer so schnell es geht validieren, deshalb haben wir erstmal einen MVP gebaut mit zwei Entwicklern. Dazu kommen Daten, Infrastruktur, Overhead. Die Investitionen lagen also bei grob 300.000 Euro pro Jahr. Wir brauchen also 1000 bis 2000 Abonnenten, damit das Produkt in sich profitabel ist. Von da an machen wir weiter mit profitablem Wachstum, investieren weiter, vergrößern das Team, und so weiter,

Mittlerweile haben Sie den Geschäftsbericht unterschrieben, bald wird er auch veröffentlicht. Was steht drin? 

Wie heute beim Terminal haben wir auch bei Parqet die ersten fünf Jahre jeden Euro wieder in den Portfolio-Tracker investiert. Wir haben uns immer so um die schwarze Null bewegt. Das hat sich 2024 und jetzt auch 2025 deutlich verändert. Wir sind profitabel, können ein Gewinnbeteiligungsprogramm für unsere Mitarbeiter einführen und in neue Ideen investieren.

Es gibt mit ChatGPT & Co. wirklich tolle Analysemöglichkeiten. Warum sollten Menschen trotzdem Parqet nutzen? 

Parqet ist mittlerweile eine Plattform. Wir haben Visualisierungsmöglichkeiten, aber vor allem sind wir die Plattform, auf der Anleger Ihre Daten importieren, verwalten und verteilen können. Deshalb haben wir auch bereits Integrationen mit Claude und ChatGPT gebaut. Anleger können dem KI-Tool ihrer Wahl Zugriff auf ihre Parqet-Portfolios geben und so in ChatGPT oder Claude über Ihre Finanzen sprechen – mit echtem Kontext, kompletter Transaktionshistorie und den Analysen von Parqet. So können Nutzer tiefgreifendere oder persönliche Fragen beantworten, die das Parqet-UI heute gegebenenfalls noch nicht abdeckt. Wir verstehen KI als ein weiteres Interface mit dem Nutzer mit Ihren Daten interagieren und wir sind die Plattform, die das – und vieles Weitere – ermöglicht. 

Was sind die ersten Erfahrungen mit den Schnittstellen? 

Wir haben seit Veröffentlichung mehrere Tausend Nutzer auf beiden Integrationen. Die Testphase ist abgeschlossen. Die Integration wird allerdings noch erweitert. Wenn unser Marketing für die Integrationen losgeht, dürften sich die Nutzer noch einmal vervielfachen. Und das sind lediglich unsere KI-Integrationen. Mit Parqet Connect haben wir eine Plattform geschaffen, in der jeder Entwickler und jedes Unternehmen Integrationen zu Parqet bauen kann. Wir haben bereits dutzende öffentliche und hunderte private Integrationen von externen Entwicklern auf der Plattform. Vom Prinzip ähneln die Tools solchen, die auf den eigenen Google Kalender oder E-Mail zugreifen, um damit weiterzuarbeiten.

Was haben Sie monetär von solchen Features?

Es ist schwer zu sagen, was ein einzelnes Feature an Umsatzbeitrag leistet. Unsere Plus- und Investor-Abos des Portfolio Trackers haben Dutzende Features und Möglichkeiten für unsere Nutzer. Bis zu zwei Integrationen sind sogar im kostenlosen Plan enthalten. Wer mehr installieren möchte, benötigt das Plus-Abo. Wir versuchen immer den richtigen Mix zu finden zwischen Mehrwert, den wir sogar kostenlos bieten können, und Abo-Features die unsere Unternehmung finanzieren. 

Wie ist es in diesem speziellen Fall? 

Was die KI-Integrationen betrifft, reden wir ja von Integrationen in die KI-Tools beim Nutzer. Das heißt, die Token-Rechnung liegt auch beim Endkunden mit ChatGPT/Claude. Eine in unsere Apps integrierte „Parqet AI“ könnten wir natürlich nicht vollständig kostenlos anbieten, da hier sämtliche Kosten der Tokens aller unserer Nutzer auf unserer Seite liegen. Was wir im KI-Bereich aktuell bauen, sowohl für unsere Kunden, als auch intern, ist einfach extrem spannend. Die Integrationen sind nur der Anfang und ich freue mich darauf, bald mehr zu zeigen.

Vielen Dank für das Gespräch

Autor

Nils Heck
Nils Heck

Nils Heck ist Gründer des Journalistenbüros dreimaldrei, Buchautor und seit März 2024 Redaktionsleiter bei Payment and Banking. In seiner Kolumne „Nils nörgelt“ kommentiert er kritisch die Branche. Nebenbei jongliert er professionell.