„Stablecoins haben großes Potenzial”
Seit Anfang Dezember hat Stripe mit Thomas Cser einen neuen Verantwortlichen für die DACH-Region. Was aber hat er mit der Zahlungsplattform in Deutschland vor? Ein Interview.
Wenn Stallgeruch etwas Wichtiges wäre bei Stripe, dann wäre Thomas Cser als neuer „Head of DACH“, wie sie seinen Job offiziell nennen, wohl die falsche Wahl. Cser bringt zwar viel Erfahrung mit, allerdings kommt die vor allem von Stationen bei Softwareentwicklern wie zuletzt Qualiwise, Pricefx und Applied Intuition. Doch Stripe wolle wohl ohnehin mehr sein als ein Zahlungsdienstleister, sagt Cser. Das US-amerikanische-irische Unternehmen sieht sich als Technologieanbieter. So lassen sich über Stripe unter anderem Zahlungen online und vor Ort abwickeln und Abonnements verwalten, es gibt einen Radar zur Betrugsprävention und es gibt eine Lösung, mit der Unternehmen weltweit die richtigen Steuerbeträge erheben könnte. So gesehen könnte es mit dem Technologieexperten Cser und Stripe ganz gut passen.
Herr Cser, Sie sind seit Anfang November 2025 bei Stripe. Wie fühlt sich der Wechsel aus der Technologiewelt ins Payment-Universum an?
Thomas Cser: Ich war mit dem Team Anfang des Jahres in San Francisco, um das Jahr einzuläuten. Bereits da fühlte sich alles super intensiv und inspirierend an. Stripe ist ja nicht nur ein Payment-, sondern gerade auch ein Technologie-Unternehmen. Ich selbst bin seit 25 Jahren in Tech zu Hause und verfolge Stripe daher schon lange. Viele meiner Kollegen aus der Technologiebranche sind bereits dorthin gewechselt und haben von ihren Erfahrungen berichtet.
Warum setzt Stripe eigentlich nicht stärker auf Talente, die aus der Fintech- oder Payment-Welt kommen?
Das spiegelt ein bisschen das wider, was Stripe künftig machen möchte. Die Vision geht weit über Payment und Fintech hinaus. Stripe hat ja zum Beispiel zahlreiche Software-as-a-Service-Produkte, zum Beispiel Connect für Marktplätze und Plattformen oder Billing für Unternehmen mit Abomodellen. Wir wollen nicht die Payment-Struktur der Zukunft bauen, sondern die Finanzinfrastruktur der Zukunft.
Das sind große Worte.
Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen können. Die Firma ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Wir haben viele neue Funktionen etabliert. Selbst jetzt noch beschleunigen wir unser Wachstum und das trotz unserer schon erreichten Größe.
Woran machen Sie das fest?
2024 hat Stripe ein Zahlungsvolumen von 1,4 Billionen US-Dollar verarbeitet, ein Wachstum von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen für 2025 veröffentlichen wir erst Ende Februar, da will ich nicht vorweggreifen. Aber schon mal so viel: Wir sind sehr zufrieden.
Sie sind als DACH-Chef sowas wie der oberste Vertriebler für Stripe in der Region. Womit wollen Sie Firmen überzeugen?
Zum einen sind wir der innovativste Paymentanbieter; 60 Prozent unseres Umsatzes fließen in Forschung und Entwicklung. Wir treiben Zukunftsthemen wie Agentic Commerce und Stablecoins voran und beraten unsere Kunden dazu. Und zum anderen haben wir auch schon jetzt so ziemlich das breiteste Angebot im Payment-Bereich. Unternehmen mit globalen Ambitionen entscheiden sich häufig für Stripe aufgrund der internationalen Reichweite und der nahtlosen Verbindung weltweiter Zahlungssysteme. Mehr als die Hälfte der deutschen Stripe-Kunden verkauft international, wobei die USA der wichtigste Exportmarkt sind.
Ein vielfältiges Angebot haben auch andere Plattformen, Adyen zum Beispiel, auch Sumup in Deutschland bietet mehr an als nur die bekannten Zahlungsterminals. Haben Sie noch andere Argumente?
Viele Unternehmen stellen fest, dass sie durch unsere Ausfallsicherheit und unseren Technologiefokus schneller wachsen können. Nicht ohne Grund wählen die allermeisten AI-Start-ups Stripe. In Deutschland zum Beispiel Peec AI, N8N und Black Forest Labs.
Wie sieht es bei großen Kunden in Deutschland aus?
Bereits die Hälfte der Dax-Firmen zählt zu unseren Kunden, darunter E.on und BMW. Jetzt wollen wir auch die andere Hälfte des DAX für uns gewinnen. Dafür schaffen wir gerade die Grundlagen: In Berlin ziehen wir bald in ein neues Büro rum, in dem wir Platz für weit mehr als 100 Mitarbeiter haben werden.
Sie konzentrieren sich nun also auf die dicken Fische?
Nicht nur. Stripe zählt in Deutschland 200.000 Kunden. Da ist der Mittelstand dabei, genau so wie kleine Einzelhändler. Gerade den Mittelstand, der Schwierigkeiten hat, an Kredite zu kommen, wollen wir unterstützen. Mit Stripe Capital geben wir ihm sogar zusätzliche Liquidität. Das wirkt sich messbar positiv aus. Mittelständler, die das Angebot nutzen, verzeichnen einen Umsatzwachstum von durchschnittlich 27 Prozent.
Mit Kreditfinanzierungen für Mittelständler dringen Sie aber in einen Markt ein, auf dem sich schon viele andere Anbieter tummeln. Warum tun Sie sich das an?
Für uns ist das ein wichtiger Bestandteil, weil wir uns als Komplettanbieter sehen. Wir blicken aber vor allem auf kleinere Unternehmen. Unsere Finanzierungen sind in der Regel unter 100.000 Euro.
Letztes Jahr kündigte Stripe in Berlin eine große Stablecoin-Offensive an. So sollen Firmen nun ihr Guthaben in Stablecoins halten können, um es unter anderem einfacher verschicken zu können. Aber macht das überhaupt jemand hierzulande?
Die Verschiebung Richtung Stablecoins wird über viele Jahre geschehen und steht noch ganz am Anfang, gerade in Deutschland. In anderen Worten: In Deutschland gehen Stablecoins noch nicht durch die Decke. In den USA sieht das anders aus. Da nutzt unter anderem SpaceX diese Möglichkeit.
Das klingt angesichts der großen Show des vergangenen Jahres etwas ernüchternd. Was macht Sie denn so sicher, dass in Stablecoins ein so großes Potenzial steckt?
Weil sie sich für alles nutzen lassen, was Unternehmen mit Geld machen wollen. Sei es zum Speichern oder Bezahlen oder allgemein für das Finanzmanagement: All das lässt sich mit Stabelcoins deutlich schneller und besser bewerkstelligen. Im Vergleich zum gesamten Zahlungsvolumen, das über Stripe läuft, machen Stablecoins zwar noch einen Bruchteil aus, aber das wird zunehmen. Besonders für Firmen, die in Ländern mit hoher Inflation tätig sind, wie zum Beispiel Nigeria, Türkei oder Argentinien, ist das jetzt schon interessant.
Vielen Dank für das Gespräch.