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Was Bling mit seinem P2P-Vorstoß bezweckt

Das Berliner Fintech will mit P2P-Zahlungen für Jugendliche eine Marktlücke schließen. Damit will man die eigenen Kunden noch enger binden – und mittelfristig Kooperationspartner erschließen.

Was Bling mit seinem P2P-Vorstoß bezweckt

Das selbsterklärte „Familien-Fintech“ Bling bastelt weiter daran, zu einer All-in-One-Plattform für alle Finanzfragen zu werden, die sich Kinder und Jugendliche so stellen. Taschengeld, Kartenzahlung, Handytarife, Finanzbildung: Das Unternehmen von Gründer Nils Feigenwinter hat die Produktpalette zuletzt stark erweitert. Gerade erst kamen P2P-Zahlungen hinzu, ein Angebot, das Feigenwinter selbst im Gespräch mit Payment & Banking als „strategisch relevant“ beschreibt.

Und tatsächlich ist es etwas absurd, dass es ein solches Angebot bis dato nicht gab. Kinder und Jugendliche zahlen sich gerade untereinander zumeist nur Kleckerbeträge, hier mal für ein Eis, da mal für den gemeinsamen Kinobesuch. Jedes Mal eine IBAN einzugeben, das ist aufwendig. Aber bequeme P2P-Zahlungsdienste wie PayPal oder Wero stehen Minderjährigen meist nicht offen. Bling will genau diese Lücke nun füllen  „Wir schaffen hier einen sicheren Rahmen, der beides vereint: Die Selbstständigkeit von Jugendlichen durch intuitive, moderne Zahlungslösungen zu fördern und gleichzeitig den nötigen Schutz durch die Eltern zu gewährleisten”, sagt Feigenwinter.

Rechtssicherheit statt riskanter PayPal-Trick

In Deutschland gibt es keine spezielle Regulierung für P2P-Überweisungen unter Minderjährigen, maßgeblich sind vielmehr allgemeine Regeln des Zivilrechts. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sind Jugendliche nur beschränkt geschäftsfähig; Transaktionen benötigen daher meist die Zustimmung der Eltern. Eine Ausnahme bildet der sogenannte Taschengeldparagraph, der kleinere Zahlungen erlaubt. Das klingt eigentlich wie gemacht für P2P-Zahlungen. In der Praxis setzen Banken und Anbieter aber oft zusätzliche Altersgrenzen (meist 18 Jahre) und Kontrollen durch, wodurch rechtliche Möglichkeiten oft eingeschränkt werden.

Hier will das Berliner Start-up mit einer rechtssicheren Variante die Lücke schließen. Denn in der Dienstwelt der Firma haben die Eltern grundsätzlich den Durchgriff auf die Finanzaktivitäten ihrer Kinder, zukünftig auch auf die P2P-Zahlungen. Ein solches Angebot gab es bisher schlicht und einfach nicht, stattdessen nutzten Jugendliche Lücken bei etablierten Anbietern aus, wie auch David Riechmann, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der Verbraucherzentrale NRW, betont. „Wir haben immer wieder Fälle von Minderjährigen, die sich bei PayPal ein Konto mit falschem Geburtsdatum zulegen“, sagt er. Dabei nutzen sie eine Lücke aus: Der US-Anbieter ging in diesen Fällen davon aus, dass die laut eigener AGB notwendige Volljährigkeit bereits durch die Eröffnung des verknüpften Girokontos gewährleistet ist. Allerdings bieten viele deutsche Banken Kinder- und Jugendkonten an.

Wird Bling zum Whitelabel-Anbieter?

Abseits dessen hält Riechmann die Einführung von P2P-Zahlungen für Jugendliche gar nicht für die große Revolution. „Grundsätzlich ist das nicht so anders als eine Überweisung“, sagt er. Die können viele Kinder bereits heute tätigen. Ob das Kind dafür bereit ist? Dass festzustellen,  sei letztendlich Aufgabe der Eltern. „Ein Siebenjähriger in der ersten Klasse braucht das eher nicht, aber ein 15-Jähriger, der mit seinen Freunden mal zum Fast-Food-Restaurant geht, vielleicht schon.“

Für Bling-Chef Feigenwinter ist das P2P-Angebot in jedem Fall ein weiterer Baustein, um Kinder langfristig an sich zu binden. Erste Zahlen würden  auch zeigen, dass das Angebot angenommen werde. „Eine hohe zweistellige Prozentzahl unserer Kunden haben es schon einmal genutzt“, sagt er. Und Feigenwinter denkt schon weiter: Da andere P2P-Anbieter das Segment der Minderjährigen bisher nicht abdecken, könnte man mit ihnen kooperieren. „Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, mit Wero zusammenzuarbeiten“, sagt er.

Autor

Lars-Thorben Niggehoff
Lars-Thorben Niggehoff

Lars-Thorben Niggehoff ist freier Journalist und Gründer des Büros dreimaldrei. Er schreibt über Finanzthemen, Mittelstand und Immobilien – u. a. für Payment & Banking, Brand Eins, Capital, Welt und Wirtschaftswoche.