SAP Fioneer: Wie aus dem „Favela-Banking“ eine moderne Plattform wird
Vom Fintech-Pionier zum Transformationsbegleiter: Marko Wenthin erklärt, wie SAP Fioneer die Brücke zwischen bewährter Stabilität und moderner Cloud-Agilität schlägt.
Der Fintech-Markt ist in Bewegung, doch während sich viele Startups auf das Frontend konzentrieren, brodelt es im Maschinenraum der Banken. Marko Wenthin, ein Urgestein der Branche und Mitgründer der Solarisbank, hat eine neue Mission: Er ist nun bei SAP Fioneer an Bord, um etablierten Finanzinstituten den Weg aus veralteten IT-Strukturen zu weisen.
Auch wenn Wenthin insbesondere im Banken-Umfeld unterwegs ist, ist SAP Fioneer deutlich breiter aufgestellt: Das Unternehmen unterstützt Finanzinstitute mit einer durchgängigen End-to-End-Plattform für Banking, Lending, Insurance und Finance. Zentraler Gedanke dabei ist eine modulare, aber konsistente Architektur mit einem einheitlichen Datenmodell, die technologische Modernisierung, regulatorische Sicherheit und den Einsatz von KI gleichermaßen ermöglicht.
Was ist SAP Fioneer eigentlich?
Entstanden im Jahr 2021 als Joint Venture zwischen der SAP und einem Private-Equity-Partner, bündelt SAP Fioneer die Branchenexpertise in Banking, Lending, Insurance und Finance. Das Ziel: Die speziellen Anforderungen der Finanzwelt – die eine branchenunabhängige Standard-Software oft überfordern – in einer dedizierten Einheit zu lösen.
Heute vertrauen weltweit bereits über 1.200 Finanzinstitute auf diese Technologie, um hochregulierte Finanzprozesse zu modernisieren, Systemlandschaften zu vereinfachen und zukunftsfähige Geschäftsmodelle umzusetzen.
Das Ende der „Favela-Architektur“
Marko Wenthin nutzt im Podcast ein treffendes Bild: Viele gewachsene Banken-IT-Strukturen gleichen eher einer Favela als einer geplanten Stadtlandschaft. Über Jahrzehnte wurden Systeme übereinander geschichtet, weil sich niemand an den harten Kern (oft noch in COBOL programmiert) herantraute.
„Die Architektur sieht oft aus wie eine Favela. Warum? Weil sich über viele Jahre niemand getraut hat, an den Kern heranzugehen.“ — Marko Wenthin
Doch diese Ära geht zu Ende. Der Druck durch Neobanken wie Revolut oder N26 und neue regulatorische Anforderungen (DORA) zwingen Banken zum Handeln. SAP Fioneer setzt hier auf Modularisierung statt „Big Bang“. Anstatt das gesamte System über Nacht abzuschalten, können Banken einzelne Salami-Taktiken anwenden und Module sukzessive in die Cloud oder auf moderne On-Premise-Strukturen umziehen.
KI und die Macht der Daten
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Künstliche Intelligenz. Wenthin stellt klar: KI ist kein Zaubermittel, das auf schlechten Daten funktioniert. Der Erfolg von KI-Anwendungen im Banking hängt direkt von der Datenqualität im Kern ab. Nur wer Echtzeit-Verarbeitung und saubere Strukturen im Core hat, kann Funktionen wie Behavioral Banking oder automatisierte Regulatorik-Reportings sinnvoll nutzen.
Die Zukunft: Digitaler Euro und EU-Souveränität
Neben der Cloud-Transformation rücken Themen wie die europäische Datensouveränität in den Fokus. In einer Welt, die von US-amerikanischen Hyperscalern dominiert wird, bietet SAP Fioneer technologische Agnostik. Ob On-Premise im eigenen Keller oder in der Cloud – die Bank behält die Kontrolle.
Besonders spannend wird es beim digitalen Euro. Hier entstehen völlig neue Infrastrukturen, die tief in die horizontalen Prozesse einer Bank eingreifen. SAP Fioneer positioniert sich hier als Partner, der diese „dicke Bestie“ der Implementierung gemeinsam mit den Instituten bändigt.
Fazit: Der Wechsel von Marko Wenthin zu SAP Fioneer markiert einen Trend: Es geht nicht mehr nur um den Verkauf von Software-Lizenzen, sondern um die langfristige Begleitung der Transformation. In einem Markt, der zu zwei Dritteln von geschlossenen Systemen (Sparkassen/Volksbanken) dominiert wird, bietet sich für den Rest des Marktes nun eine Chance auf echte technologische Augenhöhe mit den Fintechs.