SpaceX-IPO: Ist Trade Republic nur ein Teil der Marketing-Maschinerie?
Trade Republic und Co. setzen auf den SpaceX-Hype und sprechen damit auch unerfahrene Anleger an. Ob das eine kluge Strategie ist, lässt sich bezweifeln.
Wer Depots bei den einschlägigen deutschen Neobrokern hält, wird dem Thema in den letzten Wochen wohl kaum entkommen sein. Der monumentale Börsengang von Elon Musks Weltraumunternehmen SpaceX wird von ihnen als Gelegenheit verstanden, so richtig die Werbetrommel zu schlagen. In Newslettern, Pop-Up-Fenstern und Videos befeuern sie die sowieso schon großen Erwartungen an den Börsengang. Wenn nicht mit ihnen jetzt in Aktien investieren, wann dann?
Ganz vorne mit dabei ist Trade Republic. In der App findet sich sogar ein Countdown bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Wertpapiere nicht mehr gezeichnet werden können. Anders als die Konkurrenz hat es der Neobroker aus Berlin nämlich geschafft, seinen Kunden anzubieten, die Aktie schon vor dem Börsengang zu zeichnen. Unter den Neos bietet dies sonst nur die britische Bank Revolut an.
Der zweitgrößte Neobroker Scalable Capital bietet nur den Handel nach dem Börsengang an, macht aber auch Werbung damit und nennt es die „2-Billionen-Dollar Rakete”. Das Ziel ist, am Handel mit der Aktie bereits am Tag des Börsengangs ebenfalls vom Hype zu profitieren. Das Interesse an US-Technologie-Titeln sei unverändert hoch, teilt man auf Anfrage von Payment & Banking mit.
Hoher Anteil an Privatinvestoren
Das Kalkül scheint offensichtlich. Denn irgendein US-Technologie-Titel ist SpaceX schließlich nicht. Durch den Medien-Hype könnte sich der ein oder andere Neukund:innen zu diesem Anlass ein Depot eröffnen. Wer loslegen will muss sich so kurz vor dem Börsengang beeilen und da haben Neobroker den Vorteil, dass bei ihnen ein Depot in kurzer Zeit eingerichtet ist. Damit wäre dann alles bereit, mit dem heißesten Titel des Jahres zu handeln. Aber kann der Börsengang den Neobrokern tatsächlich echten Schub verleihen?
Dagegen spricht ein Risiko: Es ist zumindest ein Börsengang, der aus den üblichen IPOs heraussticht. Bis zu 30 Prozent der Aktien werden Privatinvestor*innen bereits vorab unter anderem über Plattformen wie Trade Republic zum Zeichnen angeboten. Paul Maares, Referent für Kapitalmarktrecht bei der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht das kritisch – er spricht von einer potentiellen „Red Flag”. Laut ihm möchte man so sichergehen, die von vielen als überhöht bezeichnete Bewertung, auch tatsächlich zu erreichen.
„Man setzt hier auf die Retail-Anleger und hofft, dass sie auf den Hype aufsteigen”, sagt er. Neobroker seien dafür die perfekte Plattform. Als Anleger könnte man das Angebot kaum übersehen. „Es wird einem schon mit einem aggressiven Vertriebsmodell richtiggehend reingehämmert”, sagt Maares. Das gehe schon deutlich über eine eigentlich neutrale Demokratisierung des Investierens hinaus. „Früher stand man doch eher für die private Altersvorsorge und das passive Investieren in ETF-Sparpläne, heute geht es zunehmend um riskante Investments und hohe Bewertungen.” Neobroker seien damit praktisch auch ein Teil der Marketing-Maschinerie von SpaceX geworden. Die Angst, beim Börsengang des größten Privatunternehmens der Welt nicht dabei zu sein (FOMO), komme damit noch stärker zum Tragen.
Neue Profitquelle nach Wegfall von Payment-for-Order-Flow
Anders als Flatexdegiro, Interactive Brokers und Comdirect ist Trade Republic kein Broker, der sich an ernsthafte Amateur-Trader richtet. Das Angebot trifft damit vor allem auf eine Zielgruppe, die noch nicht viel Erfahrung im Aktienhandel hat oder gerade erst ihre ersten Schritte versucht. Trade Republic liefert in der App wie bei jeder großen Ankündigung Videomaterial, in dem erklärt wird, was überhaupt ein Börsengang ist. Immerhin weist der Broker in seinen Videos auch auf die Risiken hin.
Und die scheinen nicht gerade klein zu sein. Kurse sind nach Börsengängen bekannterweise volatil. Das scheint insbesondere hier der Fall zu sein, weil die Meinungen zu den Bewertungen so stark polarisieren. Zudem geistern Vergleiche mit der Dotcom-Blase umher, bei der viele Klein- und Privatanleger an aufgeplusterten Aktienbewertungen viel Geld verloren. „Es ist zumindest ein realistisches Szenario, dass sich viele Neukunden hier die Finger verbrennen”, sagt Paul Maares. „Ich bezweifle, ob so eine hochriskante Einzelwette das richtige Produkt für diese Kunden ist.”
Sollten Anleger:innen mit dem Börsengang tatsächlich schlechte Erfahrungen machen, könnte der Schuss nach hinten gehen. Nicht nur die Investor:innen setzen also auf einen Erfolg, sondern auch die Broker, allen voran Trade Republic. Doch hinter dem Börsengang scheint mehr als nur eine Möglichkeit zu stecken, Neukunden anzulocken. Es ist auch Teil einer Strategie, das eigene Einnahmenmodell weiterzuentwickeln. Vor dem Wegfall des Payment-for-Order-Flow (PFOF) im Juli, kann man weitere Profitquellen erschließen. Dadurch, dass der Broker Aktien auch zeichnet, verdient er nicht nur am Handel mit den Aktien, sondern streicht Provisionen von den Konsortialbanken ein. Nach Private-Equity-Angeboten könnten Börsengänge von Trade Republic nun also regelmäßiger gezeichnet und ihren Kunden angeboten werden. Trade Republic hält sich vor dem Börsengang bedeckt. Aus rechtlichen Gründen könne man sich nicht dazu äußern.