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PFOF-Verbot: Ziel erreicht – alles wie vorher

Seit dem 1. Juli dürfen Neobroker kein Geld für die Weiterleitung von Handelsaufträge verlangen. Doch die haben inzwischen die Not zur Tugend gemacht.

PFOF-Verbot: Ziel erreicht – alles wie vorher

Es ist der Tag, der seit Jahren wie ein Damoklesschwert über den Neobrokern hing. Mit dem Verbot des Payment for Order Flow (PFOF), das nach einer Pbergangsfrist für deutsche Anbieter am 1. Juli in Kraft trat, dürfen sie von Handelsplätzen nicht mehr bezahlt werden, wenn sie Aufträge von ihren Kunden an sie weiterleiten. Die Vergütung galt lange als die wichtigste Einnahmequelle und ermöglichte niedrige Ordergebühren, mit denen die Neobroker Kund:innen zu sich lockten. 

Doch anders als viele Banken, die für das Verbot lobbyiert damals hofften, ist das Armageddon unter den Brokern nicht eingetreten. Stattdessen nutzen die Neobroker das Verbot und haben in der Zwischenzeit ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Teilweise könnte ihnen dieses sogar in die Karten spielen. Dafür lohnt es sich einmal anzuschauen, was die Anbieter genau damit machen. 

Respekt, wers selber macht

Da wäre zunächst der große Platzhirsch am deutschen Markt. Trade Republic hat in den vergangenen Monaten eine eigene Handelsplattform aufgebaut. Schon vor ein paar Monaten war auf den Kaufverträgen immer häufiger die Trade Republic Bank als Kontrahent angegeben. Damit tritt der Neobroker nun selbst als Market Maker auf und übernimmt damit die Rolle des Düsseldorfer Unternehmens Lang & Schwarz. 

Auch Scalable Capital reagierte und baute in Zusammenarbeit mit der Börse Hannover ebenfalls eine eigene Handelsplattform, die European Investor Exchange (EIX), auf. Für Neobroker könnte der Verlust durch PFOF nun über die Handelsspannen aufgefangen werden. Daneben können sich Kund:innen von Trade Republic wie bei Profi-Brokern nun alternativ auch für einen von 30 anderen Handelsplätzen wie Xetra entscheiden – das kostet aber eine Gebühr von zwei Euro (statt einem). 

Einer der Gründe für das PFOF-Verbot waren mögliche Interessenskonflikte der Broker. Die könnte nicht den für den Kund:in günstigsten Handelsplatz mit den besten Spreads auswählen (Best Execution), sondern den, mit den besten Konditionen für die Broker selbst. Das Broker, die selbst den Markt machen, nun selbst die Spreads beeinflussen und ein möglicher Interessenkonflikt damit einfach die Seiten wechseln, hatten die Regulatoren anscheinend nicht bedacht. Ob Kund:innen nun gute oder schlechte Konditionen erhalten, wird weiterhin schwer zu prüfen sein. Manche fordern deshalb Transparenzpflichten für Brokereigene Market Maker. 

Einnahmequellen diversifiziert

Einen ganz anderen Weg geht Smartbroker: Das Unternehmen hat schlicht so an den eigenen Kosten gedreht, dass die wegfallenden Einnahmen laut eigener Aussage kompensiert werden. Daneben haben die Broker ihre Umsatzmodelle diversifiziert und damit ihr Geschäft insgesamt auf breitere Beine gestellt. Neben neuen Anlageklassen wie Private Equity oder Kryptowährungen führten viele bereits vor ein paar Jahren Abomodelle oder die Ausgabe eigener Zahlungskarten ein. Beides sorgt für gleichmäßigere Umsätze. 

Trade Republic und Scalable Capital streben außerdem Vollbank-Geschäfte an. Wenn Banken also dachten, dass sie mit dem PFOF-Verbot der jungen Konkurrenz möglicherweise eins auswischen konnten, ist das mächtig nach hinten losgegangen und hat sie im Gegenteil eher zu Höchstleistungen angestachelt.  

Das Ziel der meisten Broker war dabei, die Handelsgebühren nicht zu erhöhen und ihren Kund:innen keine schlechteren Handelsspannen zuzumuten. Seit einigen Tagen ist das Verbot nun in Kraft. Wer sich unter den Kund:innen der Broker umhört, bekommt den Eindruck, dass alles wie vorher ist. Für die Neobroker heißt das: Ziel erreicht. 

Autor

Lukas Homrich
Lukas Homrich

Lukas Homrich ist freier Journalist und Mitarbeiter des dreimaldrei Journalistenbüros. Er schreibt über Wirtschafts- und Finanzthemen. Besonders Spaß macht es ihm, über Geschäftsmodelle zu philosophieren.