Enteilt Stripe mit Agentic Commerce der deutschen Konkurrenz?
Der Zahlungsdienstleister will das Angebot auch nach Deutschland bringen und sich damit schnell den Teil des Geschäfts sichern, das noch zu haben ist. Mal wieder komplett außen vor: die deutschen Anbieter.
Es war abzusehen, dass Stripe den offiziellen Stopp seiner „Stripe Tour“ in Berlin nicht nur dazu nutzen würde, der deutschen Wirtschaft Altbekanntes zu präsentieren. Der Stripe-DACH-Chef Thomas Cser nutzte stattdessen die Gelegenheit, Stripes gewachsene Rolle im deutschen Onlinehandel zu präsentieren. “Heute verkauft mehr als jedes zweite deutsche Unternehmen auf Stripe international, mit einem Wachstum der grenzüberschreitenden Einnahmen von fast 50 % allein im letzten Jahr”, sagt er auf der Bühne.
Und der amerikanische Finanzdienstleister hat bereits das nächste Wachstumsfeld im UAge und präsentierte seine Ideen, wie denn nun Agentic Commerce funktionieren soll – und welche Dienstleistungen (deutsche) Stripe-Kunden zukünftig zubuchen können, um im Agentenhandel nicht unterzugehen.
Das Grundgerüst dieser Agentic Commerce Suite (ACS) ist schon länger bekannt, in den USA ist sie bereits verfügbar, Ende des Jahres soll sie aber auch deutschen Kunden zur Verfügung stellen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Art Brücke zwischen Agenten und Händlern. Auf der einen Seite können Händler zukünftig ihren Produktkatalog einmalig hochladen, womit er für die verbundenen KI-Agenten durchsuchbar ist (zu denen zählen bisher die von OpenAI, Meta, Microsoft Copilot, Gemini und ByteDance). Auf der anderen Seite will Stripe auch die Transaktionen für die KI-Agenten selbst erleichtern, die bei den Händlern aus dem Netzwerk einkaufen – inklusive integriertem Bezahlvorgang, so dass die Agenten nicht direkt sensible Daten verwalten müssen.
Ob es bereits erste Pilotkunden für Deutschland gibt und was das Ganze am Ende kosten soll, dazu wollte sich Stripe auf Nachfrage von Payment & Banking nicht äußern. Allerdings hat sich die Firma in Deutschland mittlerweile eine sehr solide Kundenbasis aufgebaut. „Wir arbeiten in Deutschland mit der Hälfte der DAX-40-Unternehmen zusammen, darunter BMW, Eon, Allianz und SAP, sowie mit mehr als 300.000 weiteren Unternehmen“, sagt ein Sprecher: „Dazu zählen unter anderem Viessmann, DeepL, N26 und Black Forest Labs.“
Klar ist also: Diese Firmen sollen nach Wunsch von Stripe agentische Käufe und Verkäufe bald über die ACS abwickeln. Mit dieser scheint Stripe sehr präzise identifiziert zu haben, welche Lücken in der Agentic-Commerce-Welt für das Unternehmen noch bleiben. Denn andere Felder scheinen bereits gut abgedeckt. Die großen KI-Firmen wie OpenAI, Meta und Google bauen die Agenten. Die Karten-Schemes setzen unterdessen die Bezahl-Frameworks, bauen also die „Regeln“, damit ein KI-Agent offiziell wie ein neuer Zahlungsteilnehmer behandelt werden kann.
Bleibt im Wesentlichen noch die Händlerintegration, der Checkout und die Zahlungsorchestrierung. Dieses Stück vom Kuchen wollen sich die Plattform-Zahlungsdienstleister wie Adyen (wir berichteten) oder eben Stripe sichern. Gerade mittelständische Händler, denen ansonsten der Untergang in der agentischen Einkaufswelt droht, dürften solche Angebote begeistert nutzen.
Komplett außen vor bei dem ganzen Thema sind übrigens – mal wieder – die deutschen Unternehmen. Viel hat man bisher nicht von den hiesigen Zahlungsdienstleistern gehört, seien es innovative Unternehmen wie Unzer oder die Dienstleister der klassischen Bankenwelt wie VR Payment und Payone. Auch Wero, die große europäische Payment-Hoffnung, versucht aktuell eher, am analogen POS präsent zu sein. Zu Agentic Commerce hat man von dem europäischen Payment-Konglomerat bisher wenig gehört.