Mondu erhält 100 Millionen Euro von JPMorgan – als Kredit
Der Anbieter für B2B-Zahlungen will expandieren und holt sich dafür Fremdkapital. Bei der Partnerschaft geht es aber nicht nur ums Geld.
Der Anbieter für B2B-Zahlungen will expandieren und holt sich dafür Fremdkapital. Bei der Partnerschaft geht es aber nicht nur ums Geld.
Der B2B-Zahlungsdienstleister Mondu erhält eine Finanzierung in Höhe von 100 Millionen Eurovon JPMorgan Payments. Mit dem Geld möchte Mondu expandieren und sein BNPL-Geschäft für Unternehmenskunden ausbauen. Mondu bietet Unternehmen am Checkout an,bis zu 90 Tage später zu bezahlen. Anders als Paypal oder Klarna bedient Mondu nur Geschäftskunden.
„Unser Geschäft ist stark gewachsen und damit auch unser Finanzierungsbedarf”, sagt Co-Chef und Mitgründer Philipp Povel. Demnach habe sich das finanzierte Volumen innerhalb von zwei Jahren verzehnfacht. Genaue Zahlen nannte Mondu nicht – nur so viel: Die Zahl der Unternehmen, die Mondu an Checkout nutzen, liegt laut Unternehmen in den Hunderttausenden. Neben Mondu tummeln sich auf dem Markt auch andere Anbieter wie Topi oder Billie, in den der BNPL-Riese Klarna investiert ist und in die die Vereinigte Volksbank ebenfalls Geld gesteckt hatte. Billie spricht von mehr als 750.000 Zahlungskunden und über 5.500 Händlern. Mondu gibt keine Zahlen über Kunden heraus.
Der Deal passt aber zum Fintech. Denn Mondu fiel bereits in der Vergangenheit dadurch auf, dass das Start-up im Vergleich zu anderen europäischen Fintechs vergleichsweise gut darin war, Finanzierungen an Land zu ziehen. Während des Investitionstiefs 2023 erhielt Mondu 13 Millionen in Eigenkapital von Bestandsinvestoren wie dem Valar Ventures Fonds von Paypal-Gründer Milliardär Peter Thiel und dem Fintech Collective, was damals für Aufsehen sorgte. Ein Jahr später folgte eine Fremdkapitalspritze über 30 Millionen Euro von der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank (VVRB), mit der Mondu bestehende Forderungen gegenüber Unternehmen abgesichert hat (wir berichteten). Die Kreditlinien scheinen für Banken ein lukratives Investment zu sein.
Zugang zum größten E-Commerce Zahlungsdienstleister Europas
Am Checkout entschieden sich bis zu 60 Prozent der Unternehmen für eine BNPL-Lösung, behauptet Povel. Zudem biete die BNPL-Lösung Unternehmen eine Zahlungsmethode, die viele Menschen in Unternehmen als Privatverbraucher bereits gewohnt seien. Mondu wirbt deswegen mit der Aussicht auf steigende Umsätzen durch die Zahlungslösung.
Die Zahlungslösung werde von KMUs dabei nicht als Alternative für herkömmliche Kredite verwendet, glaubt Povel. Das Wachstum sei deshalb nicht etwa durch die Kreditklemme zu erklären: „Ich glaube nicht, dass unser Angebot die langfristigen Fremdkapitallinien der Unternehmen ersetzt”, sagt Povel. Befürchtungen von schwächelnden Zahlungsmoral, die zuletzt gegenüber Klarna aufkamen, sieht Povel in Mondus Segment nicht: „Bei uns werden die Ausfälle geringer”, behauptet er. Das liege auch daran, dass man anhand der monatlichen Zahlungsdaten der Unternehmen, deren kurzfristige Zahlungsmoral gut einschätzen und schnell darauf reagieren könne.
Um nun mehr potentielle Kunden zu erreichen, bietet JPMorgan nicht nur eine größere Kreditfazilität: Der Zahlungsabwickler soll seinen Kunden Mondu als Zahlungslösung empfehlen. Darin liegt Potential: Mit über 6,1 Milliarden abgewickelten Zahlungen 2024 ist JPMorgan laut Nielsen-Report der größte Acquirer was web-basierte Transaktionen in Europa angeht. Eine technische Integration von Mondu in die Prozesse des Zahlungsabwicklers ist jedoch nicht Teil des Deals.
Sinkende Ausfälle trotz schwächelnder Konjunktur
Mit einer E-Money-Lizenz darf Mondu seine Zahlungsdienstleistung in allen Märkten des europäischen Wirtschaftsraums anbieten – einschließlich Großbritanniens. Bei aller Expansion folgte das Unternehmen gleichzeitig dem Trend in der Fintech-Szene bei den Kosten genauer hinzuschauen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 120 Mitarbeitende. Möglich sei das beim wachsenden Geschäft auch deshalb, weil man zunehmend KI in den Prozessen wie dem Onboarding einsetze, sagt Povel. Bei Kreditwürdigkeitsprüfungen setzt Mondu KI schon lange ein.