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Die stille Revolution der Unternehmensfinanzen

Bisher hinkt die Welt der Unternehmensfinanzierungen dem Privatkundengeschäft deutlich hinterher. Doch zunehmende Plattformintegration verändert das – womit sich auch das Geschäft der Finanzdienstleister verschiebt. 

Die stille Revolution der Unternehmensfinanzen
Miriam Wohlfarth (Banxware) und Tobias Janiesch (Pennylane) über die stille Revolution der Unternehmensfinanzen

Wer verstehen will, wie weit die Digitalisierung im Finanzsektor tatsächlich fortgeschritten ist, sollte nicht nur auf Banken schauen. Er sollte auf die Finanzabteilungen kleiner und mittlerer Unternehmen blicken.

Dort zeigt sich ein bemerkenswerter Widerspruch. Während Privatkunden heute innerhalb weniger Minuten ein Konto eröffnen, internationale Zahlungen ausführen oder Kredite beantragen können, arbeiten viele Unternehmen noch immer mit einer Finanzinfrastruktur, die aus zahlreichen voneinander getrennten Systemen besteht.

Das Geschäftskonto befindet sich bei einer Bank, die Rechnungsstellung übernimmt eine Software, die Buchhaltung eine dritte Anwendung und die finanzielle Auswertung geschieht häufig noch in Excel. Dazwischen verlaufen Schnittstellen, Exporte, Importe und manuelle Abstimmungsprozesse.

Die eigentliche Herausforderung vieler Unternehmen ist deshalb längst nicht mehr die Digitalisierung einzelner Prozesse. Sie besteht vielmehr darin, dass die Digitalisierung an den Grenzen einzelner Systeme endet. Genau an dieser Stelle zeigt sich ein grundlegender Wandel im Finanzsektor. Der entscheidende Wettbewerb findet zunehmend nicht mehr auf Ebene einzelner Bankprodukte statt, sondern auf Ebene der Infrastruktur, die Daten, Prozesse und Entscheidungen miteinander verbindet. Wer diese Infrastruktur kontrolliert, bestimmt künftig auch, wie Finanzdienstleistungen genutzt werden.

Das mag zunächst wie ein technisches Problem erscheinen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine wirtschaftliche Fragestellung von erheblicher Tragweite. In einer Zeit, in der Unternehmen auf Marktveränderungen immer schneller reagieren müssen, entscheidet die Qualität verfügbarer Finanzdaten zunehmend über die Qualität unternehmerischer Entscheidungen.

Viele Unternehmen steuern noch immer mit einem zeitlichen Versatz von mehreren Wochen. Buchhaltungsdaten bilden die Vergangenheit ab, während operative Entscheidungen in der Gegenwart getroffen werden müssen. Wer Liquidität, Margen oder offene Forderungen erst rückblickend analysieren kann, bewegt sich zwangsläufig mit eingeschränkter Sicht durch ein zunehmend komplexes wirtschaftliches Umfeld.

Das betrifft auch den Zugang zu Finanzierungen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen benötigen Kapital häufig nicht abstrakt, sondern sehr konkret: für Wareneinkauf, saisonale Schwankungen, Wachstum, Investitionen oder kurzfristige Liquidität. Wenn Finanzdaten verstreut und verzögert verfügbar sind, wird auch die Finanzierung langsamer, ungenauer und stärker vom Rückblick geprägt, als es für die Realität vieler Unternehmen sinnvoll ist.

Vom digitalen Flickenteppich zur Finanzplattform

An diesem Punkt zeichnet sich nun eine Entwicklung ab, die in ihrer Bedeutung häufig unterschätzt wird. Während die vergangenen Jahre von der Digitalisierung bestehender Prozesse geprägt waren, beginnt derzeit durch die Integration dieser Prozesse in gemeinsame Plattformen eine neue Phase.

Die Entwicklung erinnert an das, was wir bereits im Consumer-Bereich erlebt haben. Nutzer akzeptieren heute kaum noch digitale Produkte, die aus isolierten Funktionen bestehen. Erwartet wird ein nahtloses Zusammenspiel verschiedener Leistungen innerhalb einer konsistenten Nutzererfahrung. Im Unternehmensumfeld galt lange Zeit eine andere Logik, da für jede Aufgabe ein eigenes System existierte. 

Diese Trennung verliert zunehmend ihre Berechtigung. Denn Finanzdaten entfalten ihren eigentlichen Wert erst dann, wenn sie in Beziehung zueinander gesetzt werden können. Eine Kontobewegung ist für sich genommen wenig aussagekräftig. Erst im Zusammenspiel mit Rechnungen, offenen Forderungen, Zahlungszielen oder Liquiditätsprognosen entsteht ein belastbares Bild der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens.

Diese Transparenz verändert nicht nur die Qualität unternehmerischer Entscheidungen. Sie schafft auch die Grundlage für neue Finanzdienstleistungen. Je besser die tatsächliche wirtschaftliche Situation eines Unternehmens verstanden werden kann, desto präziser lassen sich Finanzierung, Liquiditätssteuerung und Risikobewertung an den realen Bedarf anpassen. Im Mittelpunkt steht damit zunehmend die Infrastruktur, auf der finanzielle Informationen zusammenlaufen. Dort entscheidet sich, welche Erkenntnisse verfügbar sind, wie schnell Entscheidungen getroffen und welche Finanzdienstleistungen überhaupt sinnvoll angeboten werden können.

Damit verändert sich auch die Rolle von Finanzsoftware grundlegend. Sie entwickelt sich von einem Werkzeug zur Dokumentation vergangener Geschäftsvorfälle zu einer Infrastruktur für laufende Unternehmenssteuerung. Finanzsysteme werden zum Ort, an dem Informationen nicht nur gesammelt, sondern interpretiert und in Entscheidungen übersetzt werden.

Für Pennylane bedeutet das, Buchhaltung, Rechnungsstellung, Geschäftskonto, Reporting und die Zusammenarbeit mit Steuerberatungen in einem gemeinsamen Arbeitsbereich zu verbinden. Für Unternehmen entsteht dadurch eine konsistente Sicht auf ihre Finanzen. Für Finanzdienstleister entsteht ein besserer Kontext, um Produkte näher am tatsächlichen Bedarf bereitzustellen.

Die Zukunft wird nicht im Banking, sondern in der Infrastruktur entschieden

Diese Entwicklung hat auch unmittelbare Auswirkungen auf Banken und Finanzdienstleister. Viele Diskussionen rund um Open Banking und Embedded Finance konzentrieren sich auf technische Schnittstellen oder regulatorische Rahmenbedingungen. Die spannendere Frage lautet jedoch, wo Finanzdienstleistungen künftig überhaupt wahrgenommen werden.

Mit der Integration von Finanzprozessen in gemeinsame Plattformen verliert die klassische Trennung zwischen Banking und Finanzmanagement an Bedeutung. Finanzierung, Zahlungsverkehr oder Liquiditätssteuerung werden nicht mehr als eigenständige Prozesse erlebt, sondern als Bestandteil operativer Arbeitsabläufe. Die Schnittstelle zum Kunden verschiebt sich damit vom einzelnen Finanzprodukt hin zur Plattform, auf der finanzielle Entscheidungen getroffen werden.

Das betrifft nicht nur Zahlungsverkehr oder Kontoführung. Auch Finanzierung wird zunehmend Teil dieser integrierten Prozesse. Unternehmen beschäftigen sich selten isoliert mit einem Kreditprodukt. Sie wollen verstehen, wie sich Wachstum, Investitionen oder saisonale Schwankungen auf ihre Liquidität auswirken und welche Finanzierungsmöglichkeiten sich daraus ergeben.

Je stärker diese Informationen in einer gemeinsamen Finanzinfrastruktur zusammenlaufen, desto stärker verschmelzen Finanzmanagement und Finanzierung. Genau hier setzt eine Embedded Lending Lösung an: Finanzierung kann dann näher an der tatsächlichen Geschäftsentwicklung stattfinden, schneller eingebettet werden und auf aktuelleren Daten basieren als in klassischen Prozessen.

Für Unternehmen macht das einen spürbaren Unterschied. Kapital wird nicht mehr nur über lange Antragsstrecken, historische Jahresabschlüsse und manuelle Prüfungen gedacht, sondern stärker aus dem laufenden Geschäft heraus. Das heißt nicht, dass Risikoprüfung unwichtiger wird. Im Gegenteil: Sie kann präziser werden, wenn bessere und aktuellere Informationen verfügbar sind.

KI beschleunigt diese Entwicklung zusätzlich. Ihr größtes Potenzial liegt nicht darin, einzelne Arbeitsschritte zu automatisieren. Entscheidender ist die Fähigkeit, Zusammenhänge in großen Datenmengen zu erkennen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Voraussetzung dafür ist jedoch eine konsistente Datenbasis.

KI kann nur so gut sein wie die Informationen, auf die sie zugreift. Das gilt gleichermaßen für Finanzierungsentscheidungen. Die Verfügbarkeit aktueller und strukturierter Unternehmensdaten eröffnet die Möglichkeit, Finanzierungen stärker auf die tatsächliche Geschäftsentwicklung auszurichten und Entscheidungen deutlich schneller zu treffen als es mit traditionellen Verfahren möglich ist.

Die Zukunft intelligenter Finanzsysteme beginnt deshalb nicht mit Algorithmen, sondern mit integrierten Datenstrukturen.

Für Europa eröffnet sich daraus eine besondere Chance. Viele bestehende Lösungen stammen aus einer Zeit, in der Finanzprozesse isoliert betrachtet wurden. Gleichzeitig sorgen neue regulatorische Anforderungen wie im Bereich der elektronischen Rechnungsstellung oder digitaler Meldeverfahren dafür, dass Unternehmen ihre Systeme ohnehin neu bewerten müssen. Selten gab es einen günstigeren Zeitpunkt, um Finanzinfrastruktur grundlegend neu zu denken.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, wie einzelne Finanzprozesse digitalisiert werden können. Diese Diskussion ist weitgehend entschieden. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus vielen digitalen Einzellösungen ein zusammenhängendes System entstehen zu lassen.

Denn die nächste Innovationsstufe im Finanzsektor wird nicht durch ein weiteres Tool erreicht. Sie entsteht dort, wo Banking, Buchhaltung, Reporting, Finanzierung und Unternehmenssteuerung zu einer gemeinsamen Infrastruktur verschmelzen.

Über PennylanePennylane ist eine moderne KI-gestützte All-in-one-Plattform für Buchhaltung und Finanzmanagement. Das 2020 in Paris gegründete Unternehmen bringt KMU und ihre Steuerberatungen in einem gemeinsamen Arbeitsbereich zusammen. Fachkompetenz, Automatisierung, Echtzeitdaten und offene APIs unterstützen Kunden bei Buchhaltung, Rechnungsstellung, Geschäftskonto und Reporting. Pennylane beschäftigt über 900 Mitarbeiter:innen, davon mehr als 400 in den Bereichen Tech und Produkt, und betreut über 1 Million KMU sowie 7.000 Steuerberatungen in ganz Europa.

Über BanxwareBanxware ist einer der führenden Embedded-Lending-Anbieter Europas. Das 2020 in Berlin gegründete Unternehmen ermöglicht es Plattformen, Softwareanbietern und Zahlungsdienstleistern, ihren Geschäftskunden Finanzierung direkt dort anzubieten, wo unternehmerische Entscheidungen getroffen werden. Durch die Nutzung aktueller Unternehmens- und Transaktionsdaten wird Finanzierung schneller, relevanter und näher am tatsächlichen Bedarf von KMU.

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