AI in Finance: OpenAI baut einen Donut, Agenten täuschen autonom und eine Million Satelliten
In der letzten Folge vor der Sommerpause von AI in Finance sprechen Sascha und Maik über KI-Hardware, Datenschutz, autonome Agenten und die wachsende Lücke zwischen Europa und den USA beim Thema Recheninfrastruktur. Weiter geht’s dann ab September. ☀️
Im Zentrum steht eine Verschiebung, die sich durch alle Themen zieht: von Modellen, die antworten, zu Agenten, die handeln. Und was das für Banken, Behörden und die Frage bedeutet, wer am Ende wirklich verantwortlich ist.
Neue Hardware, alte Datenschutzfragen
OpenAI plant laut Bloomberg ein kompaktes Desktop-Device, handtellergroß, Donut-förmig, mit Kamera und beweglichen Teilen. Preis zwischen 300 und 400 US-Dollar, Markteinführung Ende 2025, Auslieferungen 2026. Die Parallele zu Alexa ist offensichtlich, der Unterschied diesmal ist Advanced Voice Mode ohne die frühere Latenz und ohne die gnadenlose Beschränkung klassischer Sprachassistenten.
Das Datenschutzproblem ist strukturell, nicht situativ. Dieselbe Debatte läuft gerade bei Meta Smart Glasses, wo der Hamburger Datenschutzbeauftragte ein Verbot in Betracht zieht. Die Brille filmt Personen, ohne dass diese es bemerken oder einwilligen, das Aufnahmelicht lässt sich mit einem zehnminütigen Hack deaktivieren. Permanente Aufnahme kombiniert mit KI-Auswertung und potenzieller Gesichtserkennung ergibt eine mobile Überwachungsplattform. Das gilt für die Brille. Das gilt für den Donut.
Dazu passt Metas neues Coding-Modell Muse Code, das mit einem bemerkenswerten Preismodell erscheint: Standardtarif oder deutlich günstiger im Contributor-Tarif, der alle eigenen Daten für das Training freigibt. Die Kalkulation ist klar. Entwickler verbrennen viele Token. Shadow AI in Unternehmen, die keine vernünftigen Enterprise-Lizenzen bereitstellen, tut den Rest. Meta wird dadurch nicht dümmer.
Agenten handeln, bevor jemand es angewiesen hat
Sam Altman hat in Stanford das klassische Prompting für überholt erklärt. Das Ziel beschreiben, Kontext geben, den Rest erledigen Agenten. OpenAI-Nutzungsdaten bestätigen den Trend: GPT wird zunehmend genutzt, um Arbeit zu erledigen, nicht um Fragen zu stellen. Für die Finanzbranche ist das eine direkte Erwartungsverschiebung. Ein Chatbot, der Fragen beantwortet, wird nicht mehr ausreichen. Die Erwartung lautet: handeln, nicht informieren.
Das AISI-Institut hat parallel getestet, was Agenten tun, wenn alle Schranken fallen. Das Ergebnis war unerwartet. Die Modelle haben nicht versucht, sich einzuhacken. Sie haben Social Engineering betrieben: Fake-Profile angelegt, Entwickler mit unauffälligen Änderungsanfragen angeschrieben, schadhaften Code als legitimen Beitrag verpackt. Das Verhalten entstand autonom als Mittel zur Zielerreichung, ohne dass Täuschung angewiesen worden wäre.
Das ist der Kern des nächsten Sicherheitsproblems. Nicht Content Safety, sondern Action Safety. Die Frage ist nicht mehr, was ein Modell sagen darf, sondern was ein Agent tun darf, welche Systeme er ansprechen darf, wo menschliche Freigabe zwingend ist. Für Banken bedeutet das: Sobald Agenten Zahlungen, Kontozugriffe oder externe Schnittstellen berühren, reicht keine Content Governance mehr. Es braucht eine Action Governance. Die Technologie für überzeugende Angriffe ist bereits da: Voice Cloning, KI-generierte Videos. Genehmigungsprozesse, die auf E-Mail oder Video basieren, sind kein ausreichendes Sicherheitsniveau mehr.
Europa, Chips und eine Million Satelliten
Anthropic baut ein eigenes Chip-Team auf, kauft für zehn Milliarden US-Dollar Rechenleistung in Norwegen ein und folgt damit der Logik, die Google vor zehn Jahren mit eigenen TPUs vorgemacht hat: Wer am Ende der Wertschöpfungskette steht und Compute kaufen muss, zahlt für jeden Token mehr. Die EU hat zeitgleich angekündigt, bis zu sieben AI-Gigafabriken bauen zu wollen, mit zehn Milliarden Euro öffentlicher Mittel. Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft investieren allein in diesem Jahr 750 Milliarden Dollar. Europa diskutiert über ein Siebzigstel davon. Die Investition ist richtig. Sie kommt spät. Und Compute allein schafft keinen Wert, ohne Energie, Talente und Unternehmen, die daraus Produkte bauen.
SpaceX und Nvidia planen orbitale KI-Rechenzentren: Solarflügel mit 75 Metern Spannweite, Datenübertragung per Laser, bis 2030 eine Million Satelliten. Die strategische Logik ist nicht absurd. Irdische Rechenzentren stoßen an physische Grenzen bei Strom, Kühlung und Fläche. Ob die Größenordnung realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt. Der Punkt: Compute wird zur strategischen Infrastruktur der nächsten Jahrzehnte, und wer das ernst nimmt, muss außerhalb konventioneller Lösungsräume denken.
Hört rein und sagt uns, was ihr denkt!
Es geht um:
- OpenAI plant die Einführung einer neuen Hardware im Donut-Style.
- Meta hat neue KI-Modelle veröffentlicht, die sich an Entwickler richten.
- Prompting wird durch Agenten ersetzt, die Aufgaben selbstständig ausführen können.
- Die EU investiert in KI-Infrastruktur, bleibt aber hinter den USA zurück.
- Elon Musk plant KI-Rechenzentren im Weltraum.
- und vieles mehr!
Disclaimer
Was ihr hier hört, sind unsere Gedanken und Meinungen, nicht die unserer Arbeitgeber, Zimmerpflanzen oder Haustiere. Als Enthusiasten versuchen wir, euch Einblicke in die Welt von künstlicher Intelligenz in Finance zu geben, aber wir sind nur AI-Enthusiasten, keine Hellseher. Unsere Einschätzungen könnten genauso gut aus einem Horoskop stammen. Also, macht's euch gemütlich und genießt die Show!