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Bezahlen in der App: Ein neuer Meilenstein für die girocard

Im Payment & Banking Podcast erklärt Oliver Hommel, Vorsitzender der Geschäftsführung der EURO Kartensysteme, wie die girocard den Sprung in den digitalen Check-out schaffen soll. Und was In-App-Payments für Handel, Banken und das deutsche Payment bedeuten.

Oliver Hommel, Vorsitzender der Geschäftsführung der EURO Kartensysteme, über die girocard und die Zukunft des deutschen Payments
Oliver Hommel, Vorsitzender der Geschäftsführung der EURO Kartensysteme, im Payment & Banking Podcast über die girocard als Rückgrat des deutschen Zahlungsverkehrs.

Rund 100 Millionen Karten, das meistgenutzte Zahlungssystem an der deutschen Ladenkasse und im Netz ist bislang kaum vorhanden. Mit der Pilotierungsvereinbarung für In-App-Zahlungen will das girocard-System diese Lücke schließen, und im Payment & Banking Podcast erklärt Oliver Hommel, Vorsitzender der Geschäftsführung der EURO Kartensysteme, wie das gelingen soll.

Die Karte, die viele Menschen in Deutschland hartnäckig EC-Karte nennen, obwohl sie seit 2007 girocard heißt, hat ein gut sortiertes Zuhause und einen blinden Fleck. An der Ladenkasse ist sie mit rund 100 Millionen ausgegebenen Karten das meistgenutzte Zahlungssystem des Landes, kontaktlos, mit PIN oder aus dem Handy heraus. Sobald der Einkauf in eine App wandert, endet ihr Zuständigkeitsbereich bisher ziemlich abrupt.

Am 24. Juni 2026 hat die EURO Kartensysteme eine Pilotierungsvereinbarung veröffentlicht, die diesen Zustand ändern soll. Kartenausgeber, Online-Netzbetreiber und Handelsunternehmen bekommen damit die Rahmenbedingungen an die Hand, um die girocard als Bezahlmittel in ihren eigenen Apps zu hinterlegen. Aus Sicht der Kundinnen und Kunden verschiebt sich damit ein vertrautes Zahlungsmittel in eine Umgebung, in der es bisher gefehlt hat, von der Bestellung beim Lieferdienst über Click & Collect bis zur Zapfsäule und zur Buchung von Mobilitätsdiensten.

Ein Markt, der ohne die girocard schon losgelaufen ist

Dass der Handel diesen Kanal ernst nimmt, belegt eine Zahl, die das girocard-System selbst in seiner Servicemeldung zitiert. Nach der Untersuchung “Technologie Trends im Handel 2025“ des EHI Retail Institute setzen 36 Prozent der befragten Handelsunternehmen bereits Payment-Funktionen in ihren eigenen Apps ein oder pilotieren sie, weitere 18 Prozent planen die Einführung. Die App als zentraler Kontaktpunkt für Treuepunkte, Angebote und Bestellungen ist im Handel längst etabliert, die Bezahlfunktion darin bislang eine Domäne der internationalen Anbieter.

Technisch verspricht das girocard-System einen Einrichtungsweg ohne manuelle Dateneingabe und ohne separate Registrierung. Wer einen Online-Banking-Zugang samt Banking-App besitzt, authentifiziert sich über das gewohnte TAN-Verfahren seines Kartenherausgebers. Für den Alltag entscheidend ist eine Funktion mit dem sperrigen Namen Whitelisting: Kundinnen und Kunden stufen ein Handelsunternehmen einmalig als vertrauenswürdig ein, danach entfällt die erneute Authentifizierung bei jedem Bezahlvorgang. Für zeitkritische Szenarien wie Scan & Go oder QR-Code-Zahlungen an der Kasse ist das die Voraussetzung dafür, dass die Sache im Laden überhaupt Freude macht.

Was der Handel investiert und was er dafür bekommt

Das Versprechen an die Akzeptanzpartner lautet, dass In-App-Zahlungen innerhalb der bewährten Entgeltstruktur des girocard-Systems abgewickelt werden und die Nutzung in den Apps stationärer Händler nicht zu den im E-Commerce sonst üblichen höheren Entgelten führt. Dazu kommt die Zahlungsgarantie der Deutschen Kreditwirtschaft. Auf der anderen Seite der Rechnung steht ein Integrationsaufwand, der sich sehen lassen kann, von der Anbindung an einen Online-Netzbetreiber über das girocard-Interface nach Styleguide und die Einbindung einer Bibliothek zur Erkennung der passenden Banking-App bis zur Mitwirkung im Dispute Management.

Ob daraus ein zweites Standbein wird, hängt an einer Konstellation, die in der deutschen Zahlungsverkehrsgeschichte schon einige Projekte gebremst hat. Kartenausgeber, Netzbetreiber und Handel müssen gleichzeitig investieren, und jede Partei tut das freiwillig.

Die Fragen, die über die App hinausgehen

Im Podcast bleibt es deshalb nicht bei der Funktion selbst. Wir sprechen über die Position der girocard im gesamten Zahlungsmix, in dem immer mehr Institute Debit-Mastercard oder Visa Debit ausgeben, teils im Co-Badge, teils als Ersatz. Es geht um digitale Souveränität, ein Thema, das Oliver Hommel regelmäßig auf die Bühne bringt, und um den Umstand, dass ein erheblicher Teil der mobilen girocard-Zahlungen über eine amerikanische Wallet läuft.

Und es geht um die Frage, warum dieselben Banken und Sparkassen, die das girocard-System tragen, mit Wero ein zweites Verfahren finanzieren, das seit Ende 2025 im deutschen E-Commerce unterwegs ist und an der Ladenkasse strebt. Vor dem Hintergrund eines gescheiterten paydirekt und der Abschaltung von giropay Ende 2024 stellt sich die Vertrauensfrage an die deutsche Kreditwirtschaft neu, und der digitale Euro steht als nächstes Vorhaben schon vor der Tür.

Oliver Hommel ist seit Ende 2021 Vorsitzender der Geschäftsführung der EURO Kartensysteme, die seit 2023 als offizieller Scheme Manager im girocard-System agiert. Er ordnet ein, was mit der Pilotierungsvereinbarung entschieden ist, was noch aussteht und wie das girocard-System seine Rolle im deutschen Payment der kommenden Jahre sieht.

Die ganze Folge gibt es ab sofort im Payment & Banking Podcast, überall dort, wo es Podcasts gibt.

Autor

Nicole Nitsche
Nicole Nitsche

Nicole Nitsche, studierte Theaterwissenschaftlerin, leitete Presse und Marketing eines Hamburger Musiklabels, bevor sie bei Payment & Banking die Kommunikation und Redaktion aufbaute. Seit August 2021 ist sie Geschäftsführerin.