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Die KI kann längst bezahlen. Aber wollen wir sie lassen?

KI-Agenten können längst suchen, auswählen und inzwischen sogar selbstständig bezahlen. Doch während die Technik immer autonomer wird, bleibt eine entscheidende Frage: Wie viel Kontrolle über unser Geld wollen wir tatsächlich an eine KI abgeben?

Mann übergibt zögernd seine Kreditkarte an eine digitale KI-Hand – Symbolbild für Agentic Payments und die Frage nach Vertrauen und Kontrolle (KI-generiert)
Symbolbild (KI-generiert): Wie viel Kontrolle über unser Geld wollen wir tatsächlich an einen KI-Agenten abgeben? Die zentrale Frage hinter Agentic Payments.

Ich lasse KI inzwischen ziemlich viel machen. Texte zusammenfassen, Dinge recherchieren, Reisen planen, Produkte vergleichen. Alles ziemlich normal geworden.

Aber würde ich morgens sagen: „Hier sind 500 Euro. Such mir ein schönes Wochenende raus, buche Hotel und Zug und sag mir danach einfach, wo es hingeht“? Da werde ich vorsichtiger.

Und genau das finde ich an Agentic Payments gerade so spannend. Denn während wir noch darüber diskutieren, ob wir einer KI tatsächlich unser Portemonnaie anvertrauen würden, ist die Payment-Branche technisch längst ein gutes Stück weiter.

Während wir diskutieren, bezahlt die KI schon

Im Mai hat Mastercard nach eigenen Angaben Deutschlands erste live durchgeführte und authentifizierte agentische Transaktion umgesetzt. Mit dabei waren Deutsche Bank, DZ Bank und N26. Ein KI-Agent suchte ein Event, machte Vorschläge und übernahm anschließend Buchung und Bezahlung.

Kurz darauf ging es weiter. Am 2. Juni meldeten Mastercard, ING und Worldline eine End-to-End-Agentic-Payment-Transaktion in einer Produktionsumgebung. Im Juli folgte Visa: Gemeinsam mit mehr als 30 europäischen Finanzinstituten wurden Live-Transaktionen mit KI-Agenten durchgeführt.

Agentic Payment ist damit 2026 ein gutes Stück vorangekommen. Aber eine Kleinigkeit war bislang wichtig: Wirklich autonom war das Bezahlen dabei noch nicht.

Bei Visa autorisierten die Verbraucherinnen und Verbraucher jeden einzelnen Bezahlvorgang. Auch bei der Transaktion von ING, Worldline und Mastercard wurde der Kauf erst abgeschlossen, nachdem der Kunde ausdrücklich zugestimmt hatte. Die KI durfte also ziemlich viel. Nur beim Geld musste der Mensch noch einmal ran.

Und dann kamen diese Woche Revolut und Visa. In Frankreich hat Visas Testagent „My Agent“ mit einer echten französischen Revolut-Karte einen Kauf beim Softwarehändler Cleverbridge durchgeführt. Die Transaktion wurde vom KI-Agenten initiiert und über Visa Payment Passkey authentifiziert – ohne PIN, Einmalpasswort oder einen manuellen Eingriff des Nutzers beim eigentlichen Bezahlvorgang. Ganz ohne Menschen geht es trotzdem nicht: Der Kunde hatte den Agenten vorher autorisiert und Ausgabenregeln festgelegt, Revolut behielt als Issuer die Autorisierungskontrolle.

Das ist ein ziemlich wichtiger Schritt. Denn damit verschiebt sich genau die Grenze, über die wir gerade diskutieren: Der Mensch gibt vorher das Mandat – und der Agent kann innerhalb dieses Rahmens tatsächlich selbst bezahlen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Kaufen können Revolut-Kunden so bislang nicht. Die Funktion ist nicht in der Revolut-App verfügbar, sondern Teil eines kontrollierten Piloten. Die eigentliche Marktreife muss Agentic Payment also erst noch beweisen.

Und jetzt wird es interessant.

Autor

Dana Wondra
Dana Wondra

Dana studierte BWL in Greifswald und war fast 20 Jahre Marketingleiterin bei TOP Sportmarketing Berlin, u. a. für den Olympiastützpunkt. Seit 2022 ist sie Beraterin bei GOLT Coaching, seit August 2023 Senior Manager Marketing bei Payment & Banking.