Was hinter Revoluts französischer Banklizenz steckt
Das britische Super-Fintech teilt sein Europageschäft in zwei Teile. Der Schritt ist ein wichtiger Teil des globalen Wachstumsplans.
Doppelt hält besser, scheinen sie sich bei Revolut gedacht zu haben. Das britische Fintech verkündete gestern, dass es eine vollwertige Banklizenz in Frankreich erhalten habe, wo man zukünftig als Revolut Bank SA agiert – zusätzlich zu der Revolut Bank UAB in Litauen, mit der das Unternehmen sein Europageschäft bisher vollständig abwickelte.
Was auf den ersten Blick nach einer reinen Umstrukturierungsmaßnahme ohne große Folgen erscheint, macht tatsächlich deutlichr, wie sich Revolut in den kommenden Jahren aufstellen möchte – und wie das Fintech das ambitionierte Ziel von 100 Millionen Kund*innen im kommenden Jahr erreichen möchte. Wir blicken auf die wichtigsten Fragen.
Warum braucht Revolut zwei Banklizenzen in Europa?
Das Unternehmen selbst begründet das mit dem Wachstum der vergangenen Jahre. Mit mittlerweile 50 Millionen Kund*innen in Europa sei man einfach so groß, dass es Sinn ergebe, dass Geschäft dezentraler zu organisieren, erklärt Revolut gegenüber Payment & Banking.
Konkret soll die französische Bank zukünftig das Westeuropa-Geschäft organisieren, neben Frankreich fällt hierunter auch Deutschland. Die litauische Revolut Bank soll unterdessen für Zentral- und Osteuropa zuständig bleiben. Gerade in Frankreich kann Revolut dank der Lizenz nun zukünftig mehr Auswahl an Krediten, Hypotheken und Sparprodukten anbieten. Nicht unwichtig, denn laut Revolut ist Frankreich der am stärksten wachsende Markt in Europa für die Firma.
Warum gerade Frankreich?
Das Wachstum des dortigen Marktes spielt sicher eine Rolle für den Erwerb der neuen Banklizenz, aber für den Standort spricht mehr. Revolut hat sich bereits vor einem Jahr dazu entschieden, sein Westeuropa-Hauptquartier nach Frankreich zu legen und dort eine Milliarde Euro zu investieren. Im April mietete das Fintech mehr als 2.400 Quadratmeter in Paris. Mit Béatrice Cossa-Dumurgier leitet eine Französin das Westeuropageschäft, Board-Chairman bei der französischen Einheit ist der frühere Société-Generale-CEO Frédéric Oudéa, ebenfalls Franzose.
Frankreich bemüht sich bereits seit einigen Jahre, ein Fintech-Hub für Europa zu werden. Die dortige Bankenaufsicht, die ACPR, wirbt offen mit ihrem dialogorientierten Ansatz. Davon können junge Unternehmen in Deutschland nur träumen, sie kritisieren gerne mal die deutsche Aufsicht. In ihrer Fintech-Charter verpflichtet sich die ACPR auf schnelle Antwortzeiten bei allen regulatorischen Anfragen. Nach Beginn eines Zulassungsverfahrens lag diese zuletzt bei zehn Tagen. Das klingt eigentlich nicht revolutionär, im bürokratiefreudigen Europa reicht aber, um eine Spitzenposition einzunehmen.
Dass der Standort die Entscheidung Revoluts als großen Erfolg sieht, zeigt sich auch darin, dass Präsident Emmanuel Macron sich auf Linkedin zur Lizenzerteilung äußerte. „Die französische Banklizenz von Revolut und die Wahl von Paris als europäischen Hauptsitz senden ein starkes Signal: Frankreich ist ein Land der Innovation, Finanzen und Investitionen“, erklang es aus dem Élysée-Palast.
Was bedeutet das für Deutschland?
Für Kund*innen hierzulande vermutlich nicht besonders viel. Das Deutschland-Geschäft wird zeitnah von der litauischen auf die französische Revolut Bank übertragen. Wann das genau geschieht, wollte Revolut noch nicht konkret sagen, Details würden zum gegebenen Zeitpunkt bekanntgegeben, sagte ein Sprecher gegenüber Payment & Banking. Natürlich ändern sich einige rechtliche Aspekte, so wird zukünftig etwa die französische Einlagensicherung für die deutschen Revolut-Kund*innen zuständig sein. Außerdem: Durch die Regionalisierung des Geschäftes sollen passendere Produkte für die Kunden in Westeueropa, also auch in Deutschland, angeboten werden. Was das in der Praxis heißt? Das werden vermutlich die kommenden Monate zeigen.
Wird Revolut weitere Banklizenzen beantragen?
In Europa wird das laut Unternehmensangaben nicht passieren. International dürfte aber in den kommenden Monaten noch einiges passieren. Erst im März hatte Revolut auch eine Banklizenz in den USA beantragt. Seit März hat das Unternehmen auch eine Vollbanklizenz im Heimatmarkt Großbritannien. Das Muster ist eindeutig: Revolut verabschiedet sich von Lizenz- und Passporting-Strukturen, um ein eigenes globales Netz regulierter Banken aufzubauen. Damit tritt die Neobank auch immer stärker in Konkurrenz zu „klassischen“ Banken. Zusätzlich zu den Geschäftsfeldern, mit denen die Firma wuchs – etwa Karten und Trading – dürften zukünftig auch Themen wie Finanzierungen relevanter werden. In Litauen etwa experimentierte Revolut zuletzt bereits mit Immobilienkrediten.