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AI in Finance mit Christian Steiger: KI, Mandate und der Mittelstand

In dieser Folge von AI in Finance ist Christian Steiger, Geschäftsführer von Lexware, zu Gast. Alles dreht sich um eine Frage, die gerade jeden beschäftigt, der KI ernsthaft im Unternehmen einsetzt: Wie viel kann man abgeben? Und wer haftet, wenn etwas schiefläuft?

AI in Finance mit Christian Steiger: KI, Mandate und der Mittelstand

Vier Millionen, die niemand sieht

Über vier Millionen Solo-Selbstständige, Kleinstunternehmen und Kleinunternehmen gibt es in Deutschland. 97 Prozent aller Unternehmen, 12,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. In der öffentlichen Debatte kommen sie kaum vor.

Das eigentliche Problem dabei ist nicht die fehlende Sichtbarkeit, sondern das fehlende Angebot. Niemand in dieser Gruppe will Buchhaltung machen, niemand will Zahlungsabgleich oder Lohnbuchhaltung. Das Ziel jeder sinnvollen Software in diesem Bereich müsste sein, diese Aufgaben so weit wie möglich wegzuautomatisieren, damit Unternehmertum wieder möglich ist.

Noch fundamentaler: Finanzsoftware schaut heute grundsätzlich zurück. Banken schauen auf den Kontostand in Echtzeit. Buchhaltung schaut ein Quartal zurück. Steuer schaut zwei Jahre zurück. Kein Produkt, kein Tool, kein Berater hilft diesen vier Millionen dabei, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Der Markt hat sich so eingerichtet, weil Anbieter es so definiert haben. Niemand hat es hinterfragt.

Mandat statt Prompt

Im Kern geht es um die Unterscheidung zwischen Prompt und Mandat.

Ein Prompt ist eine Einzelaufgabe. Ein Mandat ist ein Verantwortungsbereich mit Leitplanken, Ausnahmen und Zielen. Wer KI nur für Einzelaufgaben einsetzt, bleibt in einer Werkzeug-Logik stecken. Wer KI mit Mandaten ausstattet, bekommt einen Partner, der eigenständig handelt und lernt.

Die praktische Empfehlung: Klein starten, eng gefasst, dann langsam aufweiten. Nicht sofort komplexe Mandate vergeben, sondern beobachten, ob das Ergebnis stimmt. Wie beim Onboarding. Erst enge Vorgaben, dann Vertrauen, dann Spielraum.

Verantwortung lässt sich dabei nicht delegieren. Was delegiert wird, ist Ausführung. Die Verantwortung bleibt beim Unternehmer. KI ist Co-CEO, kein CEO.

Für Finanzsoftware gilt eine besonders scharfe Grenze: Berechnungen macht keine KI. Sobald es um konkrete Zahlen geht, übernehmen deterministische Systeme. Kontext liefern, Muster erkennen, Optionen vorschlagen, ja. Rechnen, nein. Kein LLM sollte Fixkosten berechnen, das macht eine simple Regel zuverlässiger und günstiger.

Starten, nicht evaluieren

Was heißt "jetzt starten" für eine Floristin oder einen Schreiner, die täglich zwölf Stunden arbeiten? Starten bedeutet nicht, jede Woche ein neues Modell zu testen. Es bedeutet, eine konkrete lästige Aufgabe zu identifizieren und abzugeben. Mahnwesen, E-Mail-Routing, Terminvorbereitung. Irgendetwas, das Zeit frisst und keine echte unternehmerische Entscheidung erfordert.

Dann beobachten. Stimmt das Ergebnis? Nächste Aufgabe. Stimmt es nicht? Enger fassen.

Wer auf die perfekte Lösung wartet, wartet zu lange. Nicht weil KI exponentiell wächst, sondern weil Lernen Zeit braucht. Und Lernen braucht Praxis. Man wird nicht gut, weil man gut anfängt, sondern weil man früh anfängt.

Europa: Technologie ist nicht das Problem

Europa hat Forschung, Industrie, Ingenieure und Kapital. Was fehlt, ist Mut und Geschwindigkeit.

In den USA diskutiert man bei neuen KI-Modellen Marktanteile und Produkte. In Europa diskutiert man Risiken. Das ist keine Naturgewalt, es ist eine kulturelle Entscheidung. Und sie hat Konsequenzen.

In einer linearen Welt, wie es die 80er und 90er waren, konnte man Rückstand aufholen. Microsoft hat Browserkrieg und Mobilbetriebssystem verloren und ist trotzdem zurückgekommen. In einer exponentiellen Welt funktioniert das schwerer. Wer eine exponentielle Kurve unterschätzt, ist irgendwann sehr weit weg, nicht nur etwas zurück.

Die Hoffnung richtet sich nicht auf den Staat, sondern auf den Mittelstand. Auf die vier Millionen, die täglich unternehmerische Entscheidungen treffen, Risiken eingehen und Verantwortung übernehmen. Genau das, was Europa gerade auf systemischer Ebene fehlt.

Hört rein und sagt uns, was ihr denkt!

Es geht um:

  • Einsatz von KI in kleinen Unternehmen
  • Daten und Unternehmensführung
  • Zukunft der Finanzsoftware und Automatisierung
  • Leitprinzipien für KI-gestützte Unternehmensführung
  • Herausforderungen und Chancen der KI-Integration KI als Co-CEO und Verantwortlichkeit
  • Starten mit kleinen Schritten und Verantwortung
  • Europa's Position im globalen KI-Wettbewerb
  • Rolle von Mut und Geschwindigkeit in der Innovation
  • Regulatorik und ethische Herausforderungen bei KI

Disclaimer

Was ihr hier hört, sind unsere Gedanken und Meinungen, nicht die unserer Arbeitgeber, Zimmerpflanzen oder Haustiere. Als Enthusiasten versuchen wir, euch Einblicke in die Welt von künstlicher Intelligenz in Finance zu geben, aber wir sind nur AI-Enthusiasten, keine Hellseher. Unsere Einschätzungen könnten genauso gut aus einem Horoskop stammen. Also, macht's euch gemütlich und genießt die Show!

Autor

Maik Klotz
Maik Klotz

Maik ist Strategieberater, Autor, Speaker und Podcaster mit 15+ Jahren in der Finanz- und Paymentbranche. Beim DSGV verantwortet er die Strategie für digitale Wallets. Gründer von Payment & Banking und Host von „AI in Finance".