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Delia König über 0to9: Die "Bank der Gründer"

Delia König hat den Aufbau der Solaris von den ersten 30 Mitarbeitenden bis zum 600-Personen-Unternehmen mitgemacht. Jetzt baut sie mit 0to9 ein Modell, das bewusst anders funktioniert als der klassische Fintech-Company-Builder.

Delia König über 0to9: Die "Bank der Gründer"
Delia König

Nach acht Jahren bei Solaris – vom Produktmanagement über den KYC-Aufbau bis ins C-Level als Verantwortliche für den Produktbereich – hat Delia König sich vergangenes Jahr für ein neues Kapitel entschieden: 0to9, das sie gemeinsam mit Jessica Holzbach Ursinus in Deutschland aufbaut. Der Ankerpunkt: 0to9 stellt Lizenz, das nötige Kapital und Expertise, die den Gründerinnen und Gründern im Portfolio effizientes Venture-Building versprechen soll. 
Im Podcast erklärt sie, warum das schwedische Kreditinstitut auf Nischen statt Einhörner setzt – und was das für Gründer konkret bedeutet.

Kein zweites FinLeap

Die Parallele liegt nahe – Delia kommt aus dem FinLeap-Ökosystem, aus dem auch Solaris selbst hervorgegangen ist, und 0to9 wird gerne als "neuer Fintech-Inkubator in Berlin" gelesen. Delia grenzt das im Gespräch bewusst ab: FinLeap hat vor allem ein Ökosystem aus kooperierenden Ventures gebaut. 0to9 verfolgt eine andere Logik. Statt auf wenige große Wetten zu setzen, will das Unternehmen viele kleine, fokussierte "Speedboote" gründen – schlanke Geschäftsmodelle in eng definierten Kundensegmenten, die schnell profitabel werden sollen. Große Infrastruktur-Plays sind weniger Teil der 0to9-Strategie. 

Lizenz, Kapital und Infrastruktur aus einer Hand

Das eigentliche Konstrukt: 0to9 ist selbst ein lizenziertes schwedisches Kreditinstitut, gegründet vor rund anderthalb Jahren in Stockholm, und tritt gegenüber seinen Portfoliounternehmen gleichzeitig als Lizenzgeber, Kapitalgeber und Infrastrukturpartner auf – inklusive Recruiting, Legal, Compliance und einem in Skandinavien als besonders stark beschriebenen Branding-Team.  0to9 misst das eigene Portfolio nicht an Bewertungssprüngen, sondern an tatsächlicher Profitabilität und will diesen Weg mit den Portfoliounternehmen gemeinsam bestreiten. Zwei schwedische Portfoliounternehmen waren nach Delias Aussage bereits innerhalb der ersten sechs Monate profitabel.

Die Marktthese: Nischen, die Banken liegen lassen

Fokus liegt bislang vor allem auf dem Finanzierungsgeschäft – ein Bereich, in dem die Gründer von 0to9 selbst tief verwurzelt sind. Konkrete Beispiele aus dem schwedischen Portfolio: Finanzierung für Immobilienentwickler, ein Venture für den Gebrauchtwagenmarkt, ein weiteres für Akquisitionsfinanzierung, dazu das Konsumentenkredit-Produkt Plus1, das nach Schweden nun auch in Deutschland gestartet ist. Die These dahinter: Financial Solutions for the Underbanked. Es gibt Kundensegmente, die von klassischen Banken wegen zu langsamer und unflexibler Prozesse schlicht nicht bedient werden – genau dort will 0to9 mit Zielgenauigkeit und Technologie ansetzen. In Deutschland kommt mit Norta (CEO & Gründerin ist Lara Planet) die erste Eigengründung hinzu, die Menschen in finanziell unsicheren Lebenslagen dabei helfen soll, wieder Kontrolle über die eigenen Finanzen zu gewinnen.

1.000 profitable Unternehmen sollen bis 2045 im 0to9-Portfolio entstehen

Die längerfristige Zielmarke, die König offen ausspricht, klingt erstmal nach Marketingüberschrift: 1.000 profitable Unternehmen bis 2045, europaweit. Aktiv ist 0to9 bereits in Schweden, Norwegen, Finnland, Deutschland und Polen, insgesamt bewegt sich das Portfolio derzeit im Bereich von 15 bis 20 Gesellschaften, in Deutschland im niedrigen einstelligen Bereich. Heruntergebrochen auf die verbleibenden knapp zwanzig Jahre und die Zahl der Zielmärkte ist das Ziel laut Delia zwar ambitioniert aber deutlich weniger abstrakt, als die große Zahl zunächst suggeriert.

Bei der Gründerauswahl selbst verzichtet 0to9 bewusst auf starre Senioritäts- oder Lebenslauf-Kriterien. Entscheidend sei weniger die Station davor als vielmehr Durchhaltevermögen und Skillset für das jeweilige Marktsegment – wobei bei kapitalintensiveren Themen wie großen Finanzierungsdeals natürlich einschlägige Erfahrung eine Rolle spielt.

Wie konkret die Journey von der ersten Idee bis zum aktiven Venture aussieht, wie 0to9 mit dem eigenen Wachstumstempo umgeht und wie das Co-Building zwischen Founding Team und 0to9 im Detail aussieht, erfahrt ihr in voller Länge im Podcast.

Autor

Kevin Hackl
Kevin Hackl

Kevin Hackl ist aus der Payment & Banking Bubble nicht mehr wegzudenken. Der Wiener hat sich als Community Builder und Lobbyist beim Digitalverband bitkom einen Namen gemacht – von Open Finance über Retail Investing bis Krypto und Digitalem Euro.