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Warum Mastercard einen Agentic-Commerce-Accelerator startet

22 Unternehmen sollen mit Unterstützung von Mastercard ihre Produkte weiterentwickeln können. Es ist Teil einer größeren Strategie, mit der sich das Geschäftsmodell des Kartenanbieters grundlegend verändern könnte.

KI-generiertes Symbolbild: KI-Agent wählt über Mastercard-Netzwerk Produkte aus – Symbolbild für den Mastercard Agentic Commerce Accelerator (KI-generiert)
Symbolbild (KI-generiert): Mastercard startet einen Agentic Commerce Accelerator mit 22 Unternehmen – und bereitet sich auf eine Welt vor, in der KI-Agenten einkaufen und bezahlen.

Es gab mal eine Zeit, da hatte jedes größere Unternehmen einen Start-up-Accelerator. Es galt als schick, aufstrebende Unternehmen mit Geld und Infrastruktur zu unterstützen, im Gegenzug gab es dann potenziell disruptive Ideen, die man nutzen konnte.

Viel geworden ist aus diesen Programmen allerdings meist nicht und spätestens seit dem Platzen der großen Start-up-Bubble vor ein paar Jahren haben die meisten Firmen ihre Accelerator-Programme heimlich, still und leise beerdigt. Doch nun will Mastercard die Idee anscheinend neu beleben.

Der Kreditkartenriese hat gerade den Agentic Commerce & Services Accelerator gestartet. 22 Unternehmen, die alle im Bereich Agentic Commerce arbeiten, sind im ersten Jahrgang dabei. Was hinter der Initiative steckt.

Worum geht es bei dem Accelerator?

Mastercard fokussiert sich für den Accelerator auf drei Bereiche

  1. Agent platforms and agentic enablement, also Infrastruktur, auf der KI-Agenten laufen bzw. über die sie mit anderen Systemen kommunizieren.
  2. Agent-native tools and services: Werkzeuge, die speziell für eine Welt entwickelt werden, in der KI-Agenten Einkäufe und andere Geschäftsprozesse ausführen.
  3. Emerging agentic payment flows: Technologien, die dafür sorgen, dass ein Agent überhaupt sicher und kontrolliert bezahlen kann.

Interessant: Das US-Unternehmen will hierbei anscheinend nicht den klassischen Accelerator-Weg gehen, bei dem sehr junge Start-ups mit Geld und Mentoring unterstützt werden. Stattdessen such Mastercard explizit Start-ups mit einem bereits funktionierenden Produkt, Referenzkunden und Umsatz. Die offensichtliche Idee: Mastercard will schauen, welche dieser Produkte sich als Bausteine in das eigene Produktportfolio integrieren lassen. „Die Zusammenarbeit kann in Pilotprojekten, technischen Integrationen, kommerziellen Partnerschaften oder neuen Anwendungsszenarien mit Mastercard-Kunden und -Partnern münden“, sagt ein Mastercard-Sprecher gegenüber Payment & Banking.

Welche Unternehmen sind dabei?

22 Unternehmen sind eine ausgesprochen große Accelerator-Klasse. Dabei sind unter anderem:

Skyfire: Stellt KI-Agenten verifizierte Identitäten und Zahlungsnachweise zur Verfügung. Ein Agent soll damit im offenen Internet eindeutig identifizierbar sein und bezahlen können.

Firmly: Hilft Händlern, ihre Produkte über KI-Agenten anzubieten und den Übergang von der Produktsuche zum Check-out zu ermöglichen.

Nevermined: Entwickelt eine Art Verbindungsschicht zwischen KI-Agenten und Geld. Händler sollen damit agentische Käufe verifizieren, akzeptieren und über bestehende Zahlungsrails abrechnen können.

ReFiBuy: Arbeitet an der anderen Seite des Problems. Produkte und Katalogdaten von Händlern sollen so aufbereitet werden, dass KI-Agenten sie finden und verstehen können.

Tunic Pay: Konzentriert sich auf Betrugsprävention bei agentischen Zahlungen.

Simetrik: Kümmert sich um die Abstimmung und Nachvollziehbarkeit von Transaktionen – also beispielsweise darum, welcher Agent welche Transaktion ausgelöst hat und ob die Zahlung korrekt verbucht wurde.

PayOS: Will Zahlungsdaten über die beteiligten Akteure hinweg analysierbar machen; Karte, Konto, Händler, Person und Agent.

Crossmint: Bringt unter anderem Stablecoin-Wallets und Zahlungsinfrastruktur ins Programm.

Daneben gibt es Unternehmen für Versicherungen, Unternehmensprozesse, Shopping-Agenten, AI-Infrastruktur und vertikale Anwendungen. Offensichtlich versucht Mastercard mit dem Accelerator den gesamten Technologie-Stack im Agentic Commerce abzubilden.

Wie passt das Ganze in Mastercards Agentic-Commerce-Strategie?

Mastercard scheint sich auf eine Zeit des Agentic Commerce vorzubereiten, in der sich die eigene Rolle verändert. Wenn zukünftig Kauf und Zahlung über ChatGP, Claude oder Gemini abgewickelt werden, würde Mastercard möglicherweise komplett im Hintergrund verschwinden. Deswegen wollen die Amerikaner anscheinend die Infrastruktur dahinter anbieten. Neben dem Accelerator hat Mastercard noch weitere Initiativen, die auf dieses Ziel einzahlen. So entwickelt das Unternehmen parallel auch noch „Mastercard Agent Pay“, das die eigentliche Zahlung durch den Agenten abwickelt, , „Mastercard Agent Connect“ für die Verbindung von Händlern, Agenten und Zahlungsdienstleistern und die „Agent Suite for Merchants“, die sich explizit an Händler richtet. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Mastercard im Accelerator nach Technologien und Produkten sucht, die es bei einem dieser Projekte einbauen kann.

 

Autor

Lars-Thorben Niggehoff
Lars-Thorben Niggehoff

Lars-Thorben Niggehoff ist freier Journalist und Gründer des Büros dreimaldrei. Er schreibt über Finanzthemen, Mittelstand und Immobilien – u. a. für Payment & Banking, Brand Eins, Capital, Welt und Wirtschaftswoche.