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Was wirklich hinter Bling Schule steckt

Das Start-up hat schon 2025 eine Firma für digitales Bezahlen in Schulen gegründet. Dass Bling, einst von Nils Feigenwinter gegründet, jetzt noch einmal die PR-Trommel rührt, hat einen interessanten Grund. 

Nils Feigenwinter, Leon Stephan und Fabian Authenac – die Geschäftsführung von Bling Schule
Nils Feigenwinter, Leon Stephan und Fabian Authenac bilden die Geschäftsführung von Bling Schule – dem Berliner Fintech, das digitale Bezahlprozesse an Schulen bringen will.

Zerknitterte Fünfer für den Wandertag, verlegte Bar-Umschläge fürs Mittagessen, Lehrer:innen, die abends noch Kassenbücher wälzen: Wer schon mal eine Klassenkasse geführt hat, weiß, dass Bargeld und Schulalltag eigentlich eine schlechte Kombination sind. Und genau dort sieht das Berliner Fintech Bling einen Markt für sich – und hat eigenen Angaben zufolge ein eigenständiges Unternehmen gegründet, um diesen zu bespielen. Als Geschäftsführer agieren laut Bundesanzeiger Nils Feigenwinter und Leon Carl Stephan. Herzstück der neuen Firma soll die „digitale Klassenkasse“ sein, die Beiträge einsammeln und Zahlungen zuordnen kann. Damit zielt die App bewusst auf überforderte Lehrer:innen, die keine Lust auf zusätzliche Bürokratie haben. So oder so ähnlich schreibt das Fintech es in einer extra aufgesetzten Pressemitteilung, in der auch Investorin Verena Pausder zitiert wird und die als Mailbetreff den Titel trägt: “Bling gründet Unternehmen für digitale Finanzprozesse an Schulen.” 

Doch was Bling in seiner Pressemitteilung vergisst zu erwähnen, ist der Fakt, dass es die Firma ja schon seit 2025 gibt. Warum also kommt das Fintech gerade jetzt mit einer groß angelegten Presseaktion um die Ecke und spricht von einer „neu gegründeten” Firma? 

Geld mit Kindern zu verdienen, ist bei Bling jedenfalls nicht neu. Bekannt wurde das Start-up als Taschengeldkonto fürs Kinderzimmer: Prepaid-Karte, App, ein bisschen Finanzbildung, fertig. Mittlerweile gehören aber auch ein Sparprodukt, ein Mobilfunktarif mit der Telekom und die Lern-App Finstep zum Portfolio. Über 250.000 aktive Familienmitglieder zählt Bling, dazu eine Million App-Downloads. Auch finanziell steht das rund 40-köpfige Team solide da: Auf eine Seed-Runde über 3,5 Millionen Euro 2022 – mit an Bord unter anderem Peak, La Famiglia, Verena Pausder und Lea-Sophie Cramer – folgte 2024 eine Series-A-Finanzierung über zwölf Millionen US-Dollar, angeführt vom EdTech-Spezialisten Owl Ventures und dem Commerzbank-VC-Arm Neosfer. Die Bewertung soll dadurch auf rund 50 Millionen Euro geklettert sein.

Mit Bling Schulservices verlässt das Unternehmen erstmals das reine Consumer-Geschäft und wagt sich an öffentliche Träger heran – ein Terrain mit langen Vertriebszyklen, aber auch mit einer Kundenbindung, von der Familien-Apps meist nur träumen können. Ob aus der Ansage „Schulen bargeldlos machen“ tatsächlich ein zweites starkes Standbein wird, entscheidet sich in den nächsten Monaten. Bling hat aber bereits gut vorgelegt. So läuft der von Bling Schule gestartete Service Bling Mensa eigenen Angaben zufolge in über 100 Schulen und Kitas und in allen Bundesländern. Binnen sieben Monaten ist das eine ordentliche Hausnummer für ein B2B-Produkt im behäbigen öffentlichen Sektor. Sogar Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket lassen sich einbinden, ohne dass beim Essen sichtbar wird, wer gefördert wird. 

Die Gesamtschule IGS Busecker Tal spricht laut Bling von vier bis acht eingesparten Arbeitsstunden pro Woche. Ob sich das flächendeckend so sauber reproduzieren lässt, wird sich zeigen müssen. Es ist aber eine Benchmark, die andere Schulen aufhorchen lassen wird. Ebenfalls im Angebot sind digitale Schulkioske und die Abrechnung wiederkehrender Beiträge. Bling will zudem bislang getrennte Bezahlprozesse an Schulen in einer gemeinsamen Infrastruktur bündeln. Ein Bling-Investor, der Ex-Fußballnationalspieler André Schürrle, wirbt schon mit Konterfei auf der Webseite: „Als Vater will ich keinen Orga-Stress, sondern Lösungen, die in meinen Alltag passen. Bling hat das beim Taschengeld gelöst und macht es jetzt auch in der Schule.”

Gegründet haben Feigenwinter und sein Team das Unternehmen, anders als es in der aktuellen Pressemitteilung klingt, schon im November 2025. Als einziger Gesellschafter ist wiederum die Bling Services GmbH eingetragen. Warum aber verschickt die Firma genau jetzt eine Pressemitteilung, in der sie von einer „neuen” Firma und davon sprechen, jetzt alles in dieser zu bündeln? Offiziell heißt es auf Nachfrage, man habe die GmbH damals aus rechtlichen Gründen für den Start von Bling Mensa auf dem Papier gebraucht, nun sei das Produktportfolio ein viel größeres. Außerdem neu sei der Außenauftritt unter der Marke Bling Schule und die Webseite. Dass die Firma nun aber noch einmal einen neuen PR-Anlauf startet, dürfte auch mit dem bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zusammenhänge, der seit August 2026 gilt. Der führt zwangsweise dazu, dass sich viele Schulen damit auseinandersetzen werden, wie sie die Abrechnung organisieren wollen. Bling will dort offenbar noch einmal für sich werben.

Autor

Nils Heck
Nils Heck

Nils Heck ist Gründer des Journalistenbüros dreimaldrei, Buchautor und seit März 2024 Redaktionsleiter bei Payment and Banking. In seiner Kolumne „Nils nörgelt“ kommentiert er kritisch die Branche. Nebenbei jongliert er professionell.