PayPal, Finanzguru, Banxware: Das waren die wichtigsten Fintechs-News im Januar
Jochen Siegert und André Bajorat starten mit einem wahren News-Feuerwerk ins neue Jahr. Es geht um neue Kooperationen, Erfolgszahlen und die Krise von PayPal.
Jochen Siegert und André Bajorat starten mit einem wahren News-Feuerwerk ins neue Jahr. Es geht um neue Kooperationen, Erfolgszahlen und die Krise von PayPal.
Während weite Teile Deutschlands durch Eis und Schnee zwangsweise in den Winterschlaf versetzt wurden, bleiben Jochen Siegert und Andre Bajorat hellwach, um uns die neuesten Geschehnisse der Fintech-Welt zu erklären. Trotz Winterchaos war hier einiges los. Das waren die wichtigsten Fintech-News in diesem Monat:
Globaler FinTech-Markt legt 2025 um 21 Prozent auf 53 Milliarden Dollar zu – Großbritannien verteidigt zweiten Platz weltweit
Die weltweiten Investitionen in FinTechs steigen 2025 auf 53 Milliarden Dollar und verteilen sich auf 5.918 Deals, was auf eine Erholung nach mehreren Rückgangsjahren hinweist. Großbritannien sichert sich mit 3,6 Milliarden Dollar erneut Rang zwei hinter den USA und bleibt führender Standort in Europa, während Indien, die VAE und Singapur die globale Spitzengruppe komplettieren. Deutschland landet mit 1 Milliarde an Investitionen in fast 150 Deals in diesem Ranking auf Rang drei hinter Frankreich (1,1 Mrd.). In einem anderen Ranking des Venture Capital Unternehmens Blackfin in diesem Monat, war ist umgekehrt. Demnach flossen aus Deutschland 800 Millionen in die Branche – 100 Millionen mehr als in Frankreich.
Solaris schreibt 2024 erneut hohen Verlust – Restrukturierung und Bafin-Auflagen drücken Ergebnis
Im Dezember machte Solaris das letzte Mal Schlagzeilen, als herauskam, dass CEO Höltkemeyer die Bank Anfang des Jahres vorzeitig verlässt – auch Risikochef Ansgar Finken tritt ab. Auch im neuen Jahr brechen die Neuigkeiten nicht ab: Wie sich herausstellt, hat 2024 einen Jahresverlust von 103 Millionen Euro verbucht, nachdem bereits 2023 ein dreistelliger Millionenfehlbetrag angefallen war. Belastend wirkten vor allem weitere Abschreibungen auf die britische Tochter Contis, höhere Verwaltungsaufwendungen sowie Kosten für die Migration des ADAC-Kreditkartenportfolios und die Abarbeitung von Bafin-Auflagen. Zwar stiegen die Erträge auf 150 Millionen Euro, blieben jedoch hinter den eigenen Prognosen zurück, während parallel eine vorgezogene Finanzierungsrunde mit deutlicher Abwertung die Eigenkapitalbasis stabilisieren sollte.
Pennylane sammelt 175 Millionen Euro ein
Das Pariser Fintech Pennylane bietet eine Plattform für Buchhaltung und Finanzmanagement für KMU. Auch in den deutschen Markt will das Unternehmen sein aufgenommenes Kapital investieren. Aus dem Umfeld des Unternehmens sei zu vernehmen, dass sich die Bewertung dabei etwa verdoppelt habe, berichtet das Handelsblatt.
Trump kündigt Deckelung für Kreditkartenzinsen an
Für die Zahlungsgiganten und Banken wie JPMorgan ist es eine Hiobsbotschaft: US-Präsident Donald Trump schlug im Januar vor, die Zinsen auf Kreditkartenkäufe in den USA auf zehn Prozent zu begrenzen. Gerade liegen die Zinsen für Kreditkartenschulden, die mit in den nächsten Monat genommen werden, häufig weit darüber – Verbraucherabzocke, wie der Präsident findet. Sein Eingreifen würde damit eines der lukrativsten Geschäfte der Finanzindustrie gefährden. Ob es sich auch hierbei um einen Fall von “Taco” handelt – also “Trump always chickens out” (zu Deutsch: Trump kneift immer) – bleibt abzuwarten.
Goldman Sachs steigt aus – JPMorgan übernimmt Apple-Card-Geschäft
Die Apple Card wechselt den Bankpartner: Nach hohen Verlusten zieht sich Goldman Sachs aus dem Co-Branding-Programm zurück, JPMorgan Chase übernimmt ein Kreditkartenportfolio von rund 20 Milliarden US‑Dollar und will das Angebot stärker in sein bestehendes Karten- und Sparkontengeschäft integrieren. Strategisch rückt damit erneut die Frage in den Fokus, ob Apple den bislang auf die USA beschränkten Kartenservice langfristig nach Europa ausweitet oder das Produkt primär als Baustein seines Service-Geschäfts im Heimatmarkt positioniert.
Volksbanken Raiffeisenbanken starten final digitale Girocard ohne Apple-Pay-Zwang
Die Volksbanken Raiffeisenbanken integrieren ihre Girocard direkt in die VR Banking App und ermöglichen damit kontaktloses Bezahlen per Smartphone, ohne auf Apple Pay oder zusätzliche Pay-Apps angewiesen zu sein. Kundinnen und Kunden können die digitale Karte in wenigen Schritten im Kartenmenü der App aktivieren und Zahlungen an der Kasse per NFC ausführen. Strategisch will man damit die Unabhängigkeit von US-Techkonzernen stärken und die Sichtbarkeit der nationalen Debitkarte fördern.
DKB-Analyse: Bargeldversorgung verlagert sich von Geldautomaten in den Einzelhandel
Eine Analyse der Deutschen Kreditbank zeigt, dass in deutschen Großstädten Supermärkte, Discounter, Drogerien und Baumärkte klassische Geldautomaten als wichtigste Bargeldquelle zunehmend ablösen. Im Durchschnitt stehen 3,4 Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice nur 3,0 Bankfilialen und ATMs je 10.000 Einwohner gegenüber, wobei Städte wie Chemnitz und Aachen besonders gut versorgt sind. Insgesamt bleibt die Bargeldverfügbarkeit mit 6,4 Abhebemöglichkeiten pro 10.000 Einwohner stabil, verlagert sich aber deutlich an Orte des täglichen Bedarfs.
So viel Geld ist in die Private-Equity-Produkte von Trade Republic geflossen
Den Recherchen von Finanz-Szene und WirtschaftsWoche (Paywall) zufolge sind seit der Auflage der Private-Equity Produkte des Neobrokers etwa 160 Millionen in die Fonds von Apollo und EQT geflossen. Die Nachfrage der semi-liquiden Produkte läuft demnach, wie zu erwarten war. Belastbare Zahlen zur Rendite gibt es noch nicht.
Bitpanda startet direkten Handel mit Aktien und ETFs
Die Kryptoplattform Bitpanda ermöglicht Kundinnen und Kunden ab 29. Januar den direkten Handel mit rund 8000 Aktien und 2500 ETFs und erweitert damit ihr bisher derivatives Angebot. Pro Transaktion fällt eine Gebühr von einem Euro an, während das Fintech zugleich seine Position als Multi-Asset-Plattform mit bereits mehr als sieben Millionen Privatkunden und einem starken B2B-Geschäft ausbaut. Marktbeobachter sehen in dem Schritt eine strategische Antwort auf etablierte Anbieter wie Trade Republic und Scalable Capital sowie eine Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang in Frankfurt im ersten Halbjahr. Außerdem arbeitet der Neobroker nun eng mit der Deutschen Börse zusammen, wie er nun ankündigte. Genauer geht es um das Unternehmen 360T, das eine Tochter der Deutschen Börse ist und über das Bitpanda künftig den Handel mit digitalen Assets abwickeln will.
Offener Brief von Ökonomen fordert zügige Einführung des digitalen Euro
In einem offenen Brief warnen 68 Ökonomen, die EU könne ohne einen funktionsfähigen digitalen Euro die Kontrolle über ihr Geld und ihre wirtschaftliche Souveränität verlieren. Der digitale Euro solle als öffentliches, sicheres Zahlungsmittel eine Antwort auf die wachsende Dominanz privater US-Zahlungsdienste und Stablecoins bieten und Europas Unabhängigkeit im digitalen Zahlungsverkehr langfristig absichern.
N26 startet Debitkarte für Unter-18-Jährige
N26 erweitert sein Retail-Banking um „N26 for under 18s“, ein eigenes Debitkartenangebot für 7- bis 17-Jährige in Deutschland und Österreich. Das Konto läuft als separater Space mit eigener IBAN im bestehenden Account der Eltern, während Kinder eine Mastercard auf ihren Namen erhalten und nur über von den Eltern bereitgestellte Gelder verfügen. In der App lassen sich Limits setzen, Transaktionen in Echtzeit verfolgen sowie Karten einfrieren, um digitale Bezahlkompetenz unter sicheren Rahmenbedingungen zu fördern.
Fincite – Ralf Heim zieht sich zurück
Seit über zehn Jahren ist Ralf Heim eine feste Größe in der deutschen Fintech- und Wealtech-Szene. Jetzt kündigte er an, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Künftig wird er vor allem in beratender Rolle für die Harvest Group tätig sein. Mit seinen Mitgründern von Fincite machte er das Unternehmen ohne Kapitalspritzen hoch und krönte diese Arbeit zuletzt mit dem Zusammenschluss mit dem französischen Wealthtech Harvest. Zuletzt wurde Heim von Payment & Banking und Bitkom zum Unternehmer des Jahres gekürt. Wir haben seiner Person erst kürzlich einen längeren Blick gewidmet.
Finanzguru fährt Umsatz massiv nach oben
Die hinter dem Konten-Aggregator „Finanzguru“ stehende Dwins GmbH verkündet via „Manager Magazin“ (Paywall) ein fulminantes Ertragswachstum im just abgelaufenen Geschäftsjahr: Demnach beliefen sich die Gesamterträge des Frankfurter Fintechs auf rund 40 Mio. Euro – was grob einer Verdreifachung binnen zwei Jahren gleichkommt
Nutzung von Open-Banking geht zurück
Wie die Kollegen von Finanz-Szene nun herausgefunden haben, ist die Nutzung von Konto-APIs, also den Informationsschnittstellen zwischen Bankkonten und Dritten, rückläufig. Angesichts der Hoffnungen, die die Branche in die Nutzung von frei verfügbaren Kontoinformationen gesetzt hatte, ist das ein Rückschlag. Auch vor dem Hintergrund der Diskussionen um FIDA, die Open-Banking Verordnung der EU, verwundert das. Trotzdem bleiben Fragen offen, wie diese Entwicklung zustande kommt. Wir freuen uns über Hinweise!
Banxware und HVB bringen KMU-Kredite in Amazon Seller Central
Die HypoVereinsbank arbeitet mit Banxware zusammen, um kleinen und mittleren Unternehmen vollständig digitale Kredite von 1.000 bis 5 Mio. Euro direkt in Marktplatz-Umgebungen wie Amazon Seller Central anzubieten. Händler können Finanzierungen über einen schlanken, integrierten Antragsprozess mit schneller Entscheidung und flexiblen Konditionen abrufen, ohne ihre gewohnte Plattform zu verlassen. Das Modell verbindet Fintech-UX mit Banklizenz und soll Wachstumschancen im stark wachsenden B2B-Plattformsegment erschließen.
CEO geht – PayPal-Kurs bricht um 20 Prozent ein
Nachdem das Zahlungsunternehmen am Mittwoch enttäuschende Quartalszahlen bekannt gab, musste PayPal-CEO Alex Chriss gehen, der seit 2023 in dieser Position war. Infolge der Ereignisse rutschte der Kurs um 20 Prozent ab. Aus Sicht vieler Beobachter ist PayPal ein Sanierungsfall und hat in den vergangenen Jahren Anteile in seinem Kernsegment eingebüßt. Nun soll es der ehemalige CEO von HP Enrique Lores richten.