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Das waren die wichtigsten Fintech-News im Juli

André Bajorat und Jochen Siegert ordnen die spannendsten Fintech- und Payment-News des Monats ein – von der möglichen PayPal-Übernahme über das Ende von PFOF bis zum Sparkassen-Wertpapier-Doppelschlag.

Das waren die wichtigsten Fintech-News im Juli

Der Juli hatte es in sich: Während sich in den USA ein Übernahmekarussell um PayPal dreht, bringt die Bafin mit ihrem PFOF-Verbot die deutschen Neobroker gehörig ins Schwitzen – zur gleichen Zeit, in der die Sparkassen mit S-Neo und dem geplanten Krypto-Angebot gleich zwei große Baustellen abschließen. Dazu kommen die Frühstartrente, frische Zahlen zur Instant-Payments-Nutzung und ein Blick auf die eher durchwachsene US-Expansion von Klarna und Wise. André und Jochen ordnen im aktuellen Monatsrückblick ein, was wirklich zählt.

PayPal als Übernahmeziel? Stripe und Advent legen offenbar nach

Insidern zufolge sollen Stripe und der Finanzinvestor Advent International Anfang des Monats ein gemeinsames Angebot von 60,50 Dollar je Aktie für PayPal vorgelegt haben – ein Aufschlag von rund 28 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Für André und Jochen wäre das eine der größten Zäsuren der jüngeren Payment-Geschichte: Ein einst dominanter Platzhirsch, der zum Übernahmeobjekt des eigenen, deutlich jüngeren Herausforderers wird. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist offen – allein die Gerüchte zeigen aber, wie sehr sich die Kräfteverhältnisse im globalen Payment-Markt verschoben haben.

PFOF-Verbot trifft Neobroker hart – Sparkassen und Genossenschaftsbanken kaum

Mit ihren „Do's and Don'ts" zu Payment for Order Flow hat die Bafin für Klarheit gesorgt – und einige Anbieter in Bedrängnis gebracht. Trade Republic wird faktisch zum Market Maker, Scalable Capital betreibt mit der European Investor Exchange ohnehin einen eigenen Handelsplatz. Klassische Direktbanken wie Comdirect, DKB oder ING trifft das Verbot zwar auch, aber deutlich weniger schmerzhaft, weil sie höhere Ordergebühren verlangen und über andere Einnahmequellen verfügen. André und Jochen sehen darin ein Muster, das sich durch den ganzen Monat zieht: Wer sein Geschäftsmodell auf ein einziges Produkt verengt hat, spürt regulatorische Eingriffe ungleich härter.

Frühstartrente: Zehn Euro im Monat, viel Streit ums Kleingedruckte

Der Referentenentwurf zur Frühstartrente liegt vor – und zeigt, wer in den vergangenen Monaten gut lobbyiert hat. Ab dem sechsten Lebensjahr sollen Kinder, die 2020 oder später geboren wurden, monatlich zehn Euro vom Staat aufs Depot bekommen, Eltern können zusätzlich bis zu 6.840 Euro im Jahr einzahlen. Kritik kommt von mehreren Seiten: Smartbroker-Vorstand Thomas Soltau bemängelt, dass ausgerechnet ältere Jahrgänge leer ausgehen, der Fondsverband BVI ärgert sich über die geplante Bundesbank-Kollektivlösung, und der Sozialverband SoVD hätte lieber die gesetzliche Rente gestärkt gesehen. André und Jochen halten fest: Am grundsätzlichen Kurs zur Kapitaldeckung wird sich trotz aller Kritik kaum mehr etwas ändern.

Sparkassen machen ernst: S-Neo startet, Krypto folgt im Herbst

Gleich zwei große Baustellen der Sparkassen kommen im Juli zum Abschluss beziehungsweise auf die Zielgerade. Mit S-Neo haben die Institute ihr neues Wertpapierangebot ausgerollt – günstig, direkt in der Sparkassen-App und mit über 21.000 handelbaren Wertpapieren ein echtes Gegenstück zu Trade Republic und Scalable Capital. Parallel zeichnet sich ab, dass das lange diskutierte Krypto-Angebot der Sparkassen ab Mitte Oktober live gehen soll, nach einer „Family & Friends"-Testphase im September. Anders als die Genossenschaftsbanken mit ihrem Produkt „Mein Krypto" setzen die Sparkassen auf eine zentrale Lösung über die Deka, die bereits über die nötigen Lizenzen verfügt – das spart jeder einzelnen Sparkasse ein eigenes Bafin-Verfahren. Für André und Jochen ist das der eigentliche Coup: Die Sparkassen haben verstanden, dass Größe und gemeinsame Infrastruktur der einzige Weg sind, um gegen die Neobroker überhaupt noch aufzuholen.

Scalable Capital wird zur AG – ein Börsengang zeichnet sich ab

Auch bei Scalable Capital tut sich strukturell etwas: Der Neobroker wandelt sich in eine Aktiengesellschaft um, was viele als Vorstufe zu einem möglichen Börsengang lesen. Zusammen mit dem PFOF-Verbot und dem Wettbewerbsdruck durch S-Neo verdichtet sich für André und Jochen das Bild eines Marktes, der nach Jahren des reinen Wachstums jetzt in eine Konsolidierungs- und Professionalisierungsphase eintritt.

EZB-Zahlungsstatistik: Instant Payments jucken die Branche kaum

Die frischen Zahlen der EZB zum Zahlungsverkehr in Europa liefern reichlich Diskussionsstoff – vor allem, weil sich zeigt, wie zurückhaltend Instant Payments trotz aller regulatorischen Förderung tatsächlich genutzt werden. André und Jochen sehen darin ein Warnsignal für alle, die geglaubt hatten, mit der EU-Verordnung sei das Thema automatisch durch: Ohne echten Kundennutzen und griffige Anwendungsfälle bleibt auch die beste Infrastruktur ein Nischenprodukt.

Deutscher Fintech-Sektor mit kräftigem Rebound

Nach mageren Jahren zeigt der deutsche Fintech-Sektor wieder deutlich mehr Dynamik: Im ersten Halbjahr 2026 flossen rund 1,2 Milliarden Euro an Kapital in die Branche – ein Plus von 196 Prozent gegenüber dem Vorhalbjahr. Besonders B2B-Software und klimafokussierte Start-ups wie das Green-Fintech Cloover trieben die Entwicklung. Damit liegt Deutschland europaweit auf Platz zwei hinter Großbritannien. Für André und Jochen ein wichtiges Signal, dass der Fintech-Winter der vergangenen Jahre zumindest hierzulande vorbei sein könnte.

Klarna kämpft in den USA, Wise scheitert – und Apple mietet statt kauft

Während Klarna weiter Richtung US-Banklizenz drängt, hat Wise mit seinem Antrag auf eine nationale Trust-Bank-Lizenz einen Rückschlag erlitten. Parallel diskutieren André und Jochen Apples neues Mietmodell für iPhones in Zusammenarbeit mit Klarna – und ziehen Parallelen zu früheren, einst hochgejubelten Modellen wie Grover oder Topi, die inzwischen deutlich kleinere Brötchen backen. Ihr Fazit: Beim Leasing- und Mietgeschäft entscheidet am Ende vor allem eine große Bilanz und günstige Refinanzierung – ein Feld, auf dem reine Start-ups gegen etablierte Konzerne schwer bestehen können.

eToro setzt auf KI-Agenten, Kraken bringt Krypto-Debitkarte, Tide wächst weiter

Zum Abschluss noch drei kürzere Meldungen: eToro baut Finanzagenten direkt in seine Trading-App ein, um Anlegerinnen und Anlegern mehr Orientierung zu geben. Kraken bringt eine Krypto-Debitkarte für den europäischen Wirtschaftsraum und Großbritannien an den Start. Und Tide meldet unter der Führung von Anna Fromme-Schoen ein Plus von 50 Prozent beim Kreditvolumen in Deutschland seit März – mit noch größerem Potenzial, wie die Deutschlandchefin im Gespräch mit PLATOW andeutet. Für André und Jochen zeigt sich in allen drei Fällen derselbe Trend: KI, alternative Finanzierung und neue Zahlungsprodukte wachsen im Fintech-Markt gerade besonders schnell zusammen.

Autor

Jochen Siegert
Jochen Siegert

Jochen Siegert ist Co-Founder von Payment & Banking und Senior Advisor. Als Experte für digitale Transformation im Finanzwesen blickt er auf über 25 Jahre Erfahrung zurück – mit CxO-Rollen bei globalen Paymentanbietern, Fintechs und Banken.

André M. Bajorat
André M. Bajorat

André M. Bajorat ist seit fast 30 Jahren in der deutschen Digitalwirtschaft aktiv. Ex-CEO von figo, heute Managing Director bei einem deutschen Assetmanager. Herausgeber von paymentandbanking.com, Podcaster, Investor, Speaker und Buchautor.