Das waren die wichtigsten Fintech-News im Mai
André Bajorat und Jochen Siegert haben im Mai wieder viel zu besprechen gehabt. Von PayPal-Umbau über Wero-Zahlen bis zum Zinsbieterwettbewerb – das waren die wichtigsten Fintech-News im Mai.
PayPal setzt auf Konzernumbau nach durchwachsen aufgenommenen Quartalszahlen
PayPal will seine Konzernstruktur verschlanken und Kosten senken, nachdem die aktuellen Quartalszahlen trotz übertroffener Erwartungen an Gewinn und Umsatz an der Börse enttäuscht aufgenommen wurden. Der neue CEO Enrique Lores plant, verstärkt auf künstliche Intelligenz zu setzen, Arbeitsplätze abzubauen und Bereiche wie das Geschäft rund um Venmo neu zu ordnen und so Effizienzgewinne zu erzielen.
Sparkassen treiben mobiles Bezahlen mit 15 Millionen digitalisierten Karten voran
Bei den Sparkassen wächst gleichzeitig die Bedeutung des mobilen Bezahlens über andere Wege: Über 15 Millionen Karten wurden in Smartphone-Wallets hinterlegt, während rund 95 Prozent der Kartenzahlungen kontaktlos erfolgen und bereits 27 Prozent davon über mobile Endgeräte laufen. Die Sparkassen-App zählt etwa 20 Millionen aktive Nutzer, die sie regelmäßig für Bankgeschäfte einsetzen.
So viele Sparkassen-Kund:innen nutzen Wero wirklich
Laut internen Papieren der Sparkassen, die den Kolleg:innen von Finanz-Szene vorliegen, nutzen lediglich 7,6 Prozent der Sparkassen-Kund:innen Wero wirklich. Von dem dort ebenfalls ausgemachten Zielwert von 36 Prozent ist das meilenweit entfernt. Auf welche Grundgesamtheit sich dieser Wert bezieht, ist nicht ganz klar, aber wenn man die 5,24 Millionen registrierten Nutzer:innen zugrunde legt, kommt man auf knapp 400.000 Kund:innen, die Wero aktiv nutzen. Die Sparkassen-Finanzgruppe bestreitet die Korrektheit der Zahlen gegenüber Finanz-Szene. Nur so viel: Man läge bereits über dem Plan – nur eben im Rollout.
Und dann gab es noch eine kommunikative Panne bei der European Payments Initiative (EPI): Für ein paar Stunden war im Netz die Webseite https://europeanpaymentsnetwork.com/ aufgetaucht, berichtet der Platow Brief. Die Webseite sollte anscheinend neue Ziele in der Zusammenarbeit zwischen der EPI und der European Payments Alliance (EuroPA) ankündigen – nur wurde sie offenbar zu früh öffentlich abrufbar. Was genau hier angekündigt werden sollte, bleibt unklar. Geplant ist jedenfalls, 2027 kommerzielle Transaktionen zu ermöglichen.
Technische Hiccups: Kartenzahlungen liegen zeitweise lahm
Bei Kartenzahlungen kam es in diesem Monat zu Ausfällen: Terminals des Anbieters Nexi waren am 21. Mai 2026 von einer technischen Störung betroffen, durch die Kartenzahlungen mit Mastercard, Visa, Maestro, VPAY und Diners an im stationären Geschäft aber auch im E-Commerce vorübergehend nicht möglich waren. Der Dienstleister konnte die Störung wieder beheben. Girocard-Transaktionen sowie Zahlungen mit American Express liefen nach Angaben aus dem Umfeld der Händler weiter.
Auch in Denmark kam es zeitweise zu weitreichenden Ausfällen im Zahlungsnetz. Bei Nets, einem Unternehmen, das Zahlungsprozesse steuert, sorgte eine Störung dafür, dass sowohl stationäre Kassensysteme als auch Onlinehändler Kartenzahlungen über Visa, Mastercard und das nationale Debitkartensystem Dankort ablehnten. Nach einem Tag waren die Probleme behoben.
Girocard verknüpft Bezahlen mit Bonuspunkten in einem Schritt
Die Girocard integriert Kundenbindungsprogramme direkt in den Bezahlvorgang und ermöglicht es, mit nur einem Kartenkontakt sowohl zu zahlen als auch automatisch Bonuspunkte zu sammeln oder einzulösen. Erste Umsetzungen gibt es mit Payback und der Sparkassen-Finanzgruppe, weitere Programme aus dem Handel können über eine offene Plattform angebunden werden.
Krypto-Test der Zentralbanken erfolgreich
Der Test eines auf einer Blockchain basierenden Systems für grenzüberschreitende Zahlungsabwicklung lief erfolgreich ab. An dem Projekt mit dem Namen Agora sind sieben Zentralbanken (unter anderem die EZB) und mehr als 40 Unternehmen beteiligt. Zwar wurde kein echtes Geld bewegt, zeige aber, dass sich tokenisierte Bankeinlagen und währungsübergreifend bewegen ließen, ohne Geldwäscheprüfungen zu reißen und ohne einen neuen rechtlichen Rahmen zu schaffen.
Datenschützer fordern Anonymität beim digitalen Euro
Deutsche und französische Datenschutzbehörden lehnen programmierbare Funktionen beim digitalen Euro ab und fordern Anonymität wie beim Bargeld. Die CNIL und der BfDI verlangen, Identitäten im Online-Modus zu verfremden. Verfallsdaten oder Verwendungsbeschränkungen müssten ebenso ausgeschlossen bleiben.
Digitale Brieftasche: Bundesregierung macht Weg für EUDI-Wallet frei
Mit dem neuen Digitale-Identitäten-Gesetz schafft die Bundesregierung die Grundlage für die EUDI-Wallet, über die Bürger ihren Personalausweis zunächst als digitalen Zwilling und später weitere Dokumente nutzen können. Die App soll freiwillig und kostenlos sein, europaweit für Behördengänge, Kontoeröffnungen oder Vertragsabschlüsse nutzbar werden und Funktionen wie digitale Signaturen sowie pseudonyme Logins ermöglichen.
Der Zinsbieterwettbewerb der Digitalbanken
Die US-Bank J.P. Morgan steigt mit der Smartphone-Bank Chase in den deutschen Privatkundenmarkt ein und bietet zum Start vier Prozent Zins auf täglich verfügbares Tagesgeld, allerdings nur für vier Monate, danach gelten zwei Prozent. Das sorgte für Reaktionen: Die Norisbank zog mit einem Angebot von ebenfalls vier Prozent jedoch für sechs Monate nach. Neben Chase bringen sich weitere Auslandsbanken in Stellung: Die spanische BBVA bietet bereits drei Prozent für Neukunden, die schwedische Nordnet bereitet ebenfalls ihren Markteintritt vor.
Trade Republic wächst auf 300.000 neue Kunden pro Monat
Der Berliner Neobroker Trade Republic verzeichnet monatlich 300.000 neue Kunden und setzt auf eine als „radikal" beschriebene Marketingkampagne, um das Wachstum vor allem im Ausland zu beschleunigen. Gründer Christian Hecker rückt aber von einem bisherigen zentralen Versprechen des Unternehmens ab, allen Kund:innen die besten Konditionen anzubieten: Neukund:innen im europäischen Ausland bekommen nun drei Prozent Zinsen. Lockangebote scheinen das Gebot der Stunde zu sein.
Revolut plant Privat-Banking-Geschäft
Bereits im Sommer könnte Revolut ein Private-Banking-Angebot an den Start bringen, das sich an vermögende Privatkunden in Großbritannien mit mehr als 500.000 Pfund an Einlagen richtet. Die Lizenz, komplexe finanzielle Produkte zu veräußern, hat die Bank gerade erhalten. Außerdem hat die Neobank gerade den ehemaligen Chef der JP Morgan Digitalbank in Großbritannien abwerben können, der außerdem den Aufbau der Marke in Berlin verantwortet hatte.
Riverty etabliert eigene Bank in Luxemburg für Embedded-Finance-Offensive
Riverty, das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Fintech, hat in Luxemburg eine Banklizenz erhalten und plant ab Juli 2026 den operativen Start, um Händler europaweit mit eingebetteten Zahlungs-, Kredit- und Liquiditätslösungen zu unterstützen. Mit der neuen Bank sollen Customer Journeys durch nahtlos integrierte Finanzprodukte optimiert, Conversion und Cashflow der Händler gesteigert und ein europäisches Gateway für Embedded Finance geschaffen werden. Die vollständige Risiko- und Compliance-Verantwortung liegt künftig bei Riverty, das bereits über 1.800 Händler und 25 Millionen Endkunden betreut und jährlich mehr als 235 Millionen Transaktionen abwickelt.
Mollie steigert Umsatz kräftig und erreicht erstmals wieder positives EBITDA
Mollie meldet für 2024 ein Umsatzplus von 28 Prozent auf 214 Millionen Euro und einen Anstieg des Bruttogewinns um 30 Prozent auf 115 Millionen Euro, begünstigt durch neue Produkte wie Tap to Pay und die Expansion in weitere europäische Märkte. Gleichzeitig blieben die operativen Kosten stabil, sodass der Payment-Dienstleister erstmals seit 2018 wieder ein positives EBITDA ausweisen kann und seine internationale Wachstumsstrategie fortsetzt.
Berliner Fintech bunch sichert sich 35 Millionen US-Dollar für KI-Fondsplattform
Das Berliner Fintech Bunch hat in einer Series-B-Runde 35 Millionen US-Dollar für seine KI-gestützte Infrastruktur zur Automatisierung von Fondsoperationen eingesammelt, angeführt vom Investor Portage mit Beteiligung von Illuminate Financial, Motive Partners, Cherry Ventures und Fintech Collective. Mit der Plattform adressiert Bunch das Wachstum der Private Markets und die zunehmende regulatorische Komplexität, indem Prozesse von Capital Calls bis Reporting digitalisiert und für europäische Märkte skaliert werden.
Deutsche Fintechs mit mehr als 3 Milliarden Euro an Erträgen im Jahr 2024
Die Kolleg:innen von Finanz-Szene haben die gesamten Erträge der deutschen Fintechs berechnet, die Zahlen veröffentlichen und kommen auf 3.376 Milliarden Euro. Jedoch hat sich die Wachstumsrate verlangsamt. Die tatsächlichen Erträge dürften darüber liegen, jedoch handelt es sich bei den ausgelassenen Fintechs um kleinere Firmen. Am meisten dazugewonnen hatten Trade Republic, Auxmoney und Raisin. Zu den Verlierern gehörten Solaris und Mambu.
N26 erweitert Aufsichtsrat um zwei Finanzexperten
Die Digitalbank N26 will ihren Aufsichtsrat von sechs auf acht Mitglieder ausbauen und der Hauptversammlung Ende Juni Marieke Flament und Andreas Tuczka zur Wahl vorschlagen. Flament bringt Erfahrung aus Fintechs wie der Stablecoin-Initiative Qivalis und der Plattform Circle mit, während Tuczka auf eine Karriere bei Citigroup, ABN Amro und im Private-Equity-Umfeld zurückblickt. Parallel reagiert N26 auf Kritik der Bafin und hat eine interne Untersuchung angestoßen.
Bundesbank-Vorstand Balz geht zu Swift
Ende August wird der langjährige Vorstand der Bundesbank Burkhard Balz gehen. Auf eine zweite Amtszeit verzichtet er damit. Das Vorschlagsrecht für seinen Nachfolger liegt beim Land Baden-Württemberg. Die Nachfolge soll Danyal Bayaz regeln, der dort Finanzminister für die Grünen ist. Einer der heißesten Kandidaten soll der Chefvolkswirt der LBBW, Moritz Kraemer sein.