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Deutsche Fintechs und Insurtechs: So lief das erste Halbjahr 2026

Im ersten Halbjahr 2026 sicherten sich deutsche Fintechs und Insurtechs rund 320 Millionen Euro. Die wichtigsten Fundings, Exits und Insolvenzen im Überblick.

Deutsche Fintechs und Insurtechs: So lief das erste Halbjahr 2026

Von Milla Priboschek

Im ersten Halbjahr 2026 haben deutsche Fintechs und Insurtechs laut der Erhebung von Payment & Banking rund 320 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Zählt man zusätzlich Kreditzusagen mit, so steigt die Summe auf rund 1,4 Milliarden Euro. Insgesamt verteilen sich die Mittel auf zwölf Unternehmen, darunter elf Fintechs und ein Insurtech. Damit gab es deutlich weniger Finanzierungsrunden als im Vorjahr: Von Januar bis Juni 2025 konnte Payment & Banking noch 21 Finanzierungsrunden verzeichnen. 

Auffällig im ersten Halbjahr 2026 ist die starke Konzentration: Die drei größten Finanzierungsrunden vereinen mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens auf sich, und rund 60 Prozent der Mittel flossen in spätere Phasen (Series B bis D) der Unternehmensfinanzierung. Die meisten Finanzierungsrunden fanden im Januar statt. Im Mittel erhielten die Start-ups rund 19,6 Millionen Euro. 

Das größte Funding erhielt das Berliner Fintech Upvest mit rund 90 Millionen US-Dollar Eigenkapital (etwa 79 Millionen Euro) sowie weiteren 35 Millionen US-Dollar als Kredit (rund 31 Millionen Euro). Das Geld dient laut eigenen Angaben der Finanzierung des weiteren Ausbaus der B2B-Plattform von Upvest, insbesondere neuer steuerlich geförderter Altersvorsorgeprodukte und KI-gestützter Investmentlösungen. 

Mit umgerechnet 51,5 Millionen Euro sichert sich Taktile die zweitgrößte Finanzierungsrunde. Das Berliner Unternehmen bietet eine Plattform an, mit der Banken und Versicherer selbst KI-Agenten für das Onboarding, die Kreditvergabe und die Schadenbearbeitung aufsetzen können. Das Geld dient zum einen dem Wachstum des Unternehmens auf dem US-Markt. Außerdem will Taktile seine Plattform ausbauen.

Auf Platz drei landet das Fintech Midas mit 50 Millionen Dollar (etwa 43 Millionen Euro) Finanzierung. Das Berliner Unternehmen ermöglicht es, Fonds, ETFs und Aktien auf die Blockchain zu bringen. Mit dem Kapital will Midas sein Produktportfolio um weitere institutionelle Anlageklassen ergänzen und bestehende Partnerschaften im Bereich Decentralized Finance ausbauen. Das Energiewende-Start-up Cloover, das auch Kredite für Solaranlagen, Wärmepumpen und Wallboxen vergibt, erhielt insgesamt 1,22 Milliarden Euro. Der Großteil davon entfiel jedoch auf Kredite. Nur rund 19 Millionen Euro flossen als Eigenkapital in das Unternehmen.

Exits

Von Januar bis Juni 2026 konnte Payment & Banking insgesamt drei Exits verzeichnen. Es handelt sich ausschließlich um Übernahmen. Banyan Software akquirierte Gini, einen Anbieter KI-basierter Lösungen für den Zahlungsverkehr. Gini bleibt dabei eigenständig, erhält durch Banyan Software aber langfristig Unterstützung und Kapital, um seine Geschäfte international auszubauen. 

Außerdem übernahm das tschechische Kredit-Fintech Flowpay den Berliner Konkurrenten Tapline und fasste damit auf dem deutschen und britischen Markt Fuß. Tapline ist auf Kredite für KI-, Software- und Technologie-Unternehmen spezialisiert und soll zunächst als eigenes Produkt erhalten bleiben. Langfristig soll das Unternehmen aber komplett in Flowpay aufgehen. 

Im April übernahm das Heidelberger Insurtech Getsafe das auf digitale Versicherungen für Privatkund:innen spezialisierte Hamburger Insurtech helden.de. Zum Angebot gehören Haftpflicht-, Hausrat- und Fahrradversicherungen. Der Bestand von 100.000 Policen wird vollständig in die Getsafe-Plattform integriert. 

Insolvenzen

Im ersten Halbjahr 2026 mussten zwei Start-ups aus dem Fintech- und Insurtech-Umfeld Insolvenz anmelden. Die Neoshare-Tochter PTXRE stellte Mitte März einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung. Weil PTXRE nach Ansicht von Neoshare kein nachhaltig tragfähiges Geschäftsmodell etablierte und keinen Gewinn einbrachte, kündigte die Muttergesellschaft ihr die Darlehensverträge. Dadurch wurde der Anbieter von KI-gestützter Beratung und Bewertung im Immobilienbereich zahlungsunfähig. Die Muttergesellschaft Neoshare, die eine Plattform für Projekt- und Immobilienfinanzierungen anbietet, ist selbst nicht von der Insolvenz betroffen. Ende März folgte ein Insolvenzantrag des Insurtechs Hector Digital, einem Spezialisten für Kfz-Flottenversicherungen. Nun will die zur Huk-Coburg gehörende Neodigital Autoversicherung alle Anteile übernehmen. Das Insurtech war zuvor als Dienstleister für die Neodigital Autoversicherung tätig und übernahm für sie Vermittlung, Inkasso sowie Bestands- und Schadenbearbeitung. Hector Digital soll jedoch nicht als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben. 

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Autor

Milla Priboscheck
Milla Priboscheck

Milla ist Praktikantin beim Kölner Redaktionsbüro Wortwert. Sie hat an der Maastricht University einen interdisziplinären Bachelor in Kulturwissenschaften absolviert.