Das waren die wichtigsten Fintech-News im August
Frisch aus der Sommerpause und mit neuen Ideen bestückt, besprechen André Bajorat und Jochen Siegert die Fintech- und Payment-News im August. Es geht mal wieder um Paypal, Fortschritte bei Wero und eine neue Sanktionswelle der Bafin.
Beschwerden über Trade Republic bleiben
Nach der Kundenservice-Offensive des Neobrokers, bei dem 1000 neue Mitarbeiter:innen eingestellt wurden, haben sich einige Dinge gebessert. Doch wie die WiWo herausgefunden hat, beschweren sich weiterhin viele Nutzer:innen bei der Bafinüber den Kundenservice von Trade Republic.
Scalable Capital öffnet Voranmeldung für Altersvorsorgedepot
Zwar ist das Angebot von Altersvorsorgedepots erst ab dem 1. Januar 2027 möglich, doch prescht nun Scalable Capital vor: Der Neobroker bietet bereits jetzt eine Voranmeldung an und verlost bis Ende des Jahres einen jährlichen Zuschuss von 540 Euro, was der Höhe der maximalen staatlichen Zuschüsse entspricht. Auch die Konditionen sind klar. So plant Scalable Capital keine Gebühren zu verlangen. Damit könnte der Preiskampf um das Altersvorsorgedepots auch für die Konkurrenz eröffnet sein.
Scalable Capital öffnet Plattform für KI-Assistenten via Agentic Investing
Der Neobroker bietet als erste europäische Bank eine Schnittstelle für Anwendungen wie ChatGPT, Claude oder Grok an. Kunden können über Agentic Investing Wertpapiergeschäfte, Sparpläne und Watchlists mittels natürlicher Sprache steuern. Die technische Anbindung erfolgt über eine CLI-Applikation oder den Model Context Protocol Standard. Transaktionen erfordern weiterhin eine explizite Bestätigung sowie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung durch den Nutzer.
ING Deutschland automatisiert Dokumenteneingang mit KI-Plattform
Die ING Deutschland automatisiert die Verarbeitung ihrer jährlich sechs bis sieben Millionen Dokumente mithilfe der KI-Plattform OmnIA von Insiders Technologies. Das System erreicht bei der Dokumentenbildung und Klassifikation eine Quote von rund 80 Prozent. Die Software erkennt Dokumentgrenzen und ordnet Unterlagen automatisch 400 Klassen zu. Fachbereiche können neue Modelle eigenständig trainieren. Zukünftig soll auch die Datenextraktion stärker automatisiert werden.
Rekordzahlen beim bargeldlosen Bezahlen mit der Girocard - wirklich?
Die Girocard erreichte im ersten Halbjahr 2026 mit 4,21 Milliarden Transaktionen einen neuen Höchstwert. Besonders das kontaktlose Bezahlen treibt die Entwicklung voran, da mittlerweile 92 Prozent aller Vorgänge auf diese Weise abgewickelt werden. Trotz der steigenden Nutzung sinkt der Durchschnittsbetrag pro Zahlung auf 36,12 Euro. Der Einzelhandel bietet mittlerweile fast 1,4 Millionen Terminals für Kunden an. Ab 2027 sollen In-App-Zahlungen sowie Hotelreservierungen folgen.
Finanzguru sondiert Exit
Das Fintech Finanzguru bereitet einen möglichen Verkauf vor und hat die Investmentbank Houlihan Lokey mandatiert. Neben einem Komplettausstieg steht die Veräußerung von Anteilen der Investoren Deutsche Bank und PayPal im Raum.
Stripe und Advent brechen Verhandlungen zur PayPal-Übernahme ab
Der Zahlungsabwickler Stripe und der Investor Advent haben ihre Pläne zur Übernahme von PayPal verworfen, berichtet Bloomberg. Zuvor lehnte das PayPal-Management ein Gebot über 50 Milliarden US-Dollar als zu niedrig ab. Im Zuge der Nachricht gab der Aktienkurs des Unternehmens nach Handelsschluss deutlich nach. PayPal kämpft seit längerer Zeit mit Marktanteilsverlusten gegenüber Apple Pay und Google Pay. Enrique Lores leitet den Konzern seit Februar.
Stripe mit bisher größtem Zukauf
Der Zahlungsdienstleister plant den Kauf des KI-Startups Open Router für angeblich acht Milliarden US-Dollar. Open Router bündelt den Zugang zu verschiedenen KI-Modellen für Unternehmen und regelt die Abrechnung mit den Modellen zentral. Diese Zahlungsströme möchte Stripe in Zukunft über die eigenen Systeme laufen lassen.
Tiktok arbeitet offenbar an Peer-to-Peer-Zahlungen
Über die Videoplattform sollen sich Nutzer wohl bald gegenseitig Geld per Direktnachricht senden können. Beobachter hatten Hinweise auf eine solche Funktion in den Codes der App gefunden. Die Entwicklung steckt aber noch in den Kinderschuhen.
Wero: N26 & dm
Kunden aus Deutschland und Frankreich steht die Zahlungsfunktion nun zur Verfügung, wie N26 mitteilte. Die Neobank öffnet kostenlose Peer-to-Peer-Zahlungen damit auch für Kund:innen anderer Banken. Und die Drogeriekette dm akzeptiert ab sofort die europäische A2A-Zahlungsmethode Wero in ihrem Onlineshop. Die technische Integration erfolgte durch den Dienstleister Nexi Germany. Kunden können Einkäufe damit direkt per Echtzeitüberweisung vom Bankkonto bezahlen. Neben dm nutzen bereits Marken wie BAUR und Quelle diese Infrastruktur der European Payments Initiative.
Bundesbank fordert Verzahnung von Wero und digitalem Euro
Die Bundesbank spricht sich für eine enge Verknüpfung der europäischen Bezahllösung Wero mit dem geplanten digitalen Euro aus. Vorstandsmitglied Lutz Lienenkämper schlug vor, die digitale Währung in die Wero-Wallet zu integrieren. Dies soll die Reichweite europäischer Zahlungsangebote steigern und eine Abhängigkeit von US-Anbietern reduzieren. Während der digitale Euro als Ergänzung zum Bargeld bis 2029 eingeführt werden soll, muss Wero sein Marktpotenzial in Europa noch vollständig ausschöpfen.
Unternehmen zeigen wenig Begeisterung für Digitalen Euro
Eine Untersuchung des ZEW hat ergeben, dass viele Unternehmen keine positiven Effekte von einer Einführung des Digitalen Euros erwarten. Die meisten (fast 80 Prozent) der 800 befragten Firmen versprechen weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf ihr Unternehmen. Dabei stehen Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeiter:innen dem Projekt offener gegenüber als kleinere Betriebe.
Bafin verhängt Sanktionen
Die Bafin hat zunächst gegen das Zahlungs- und E-Geld-Institut Wise Europe eine Geldbuße über 16.000 Euro festgesetzt. Grundlage der Maßnahme sind spezifische Verstöße wegen unterlassenen Meldungen für den Bafin-Kontenvergleich sowie Verstöße gegen Informationspflichten. Aus denselben Gründen hat die Bafin auch die niederländische Neobank Bunq zeitgleich mit einer Strafe über 28.000 Euro belegt.
Raisin Bank: möglicherweise bald Bafin-Sonderbeauftragter
Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung überlegt die Bafin einen Sonderbeauftragten für das Institut auszusenden. Grund dafür seien mögliche Mängel bei der Geldwäscheprävention. Das Institut selbst bleibt dabei entspannt.
Revolut kündigt Einführung eines eigenen Euro-Stablecoins an
Erst im August erhielt die Neobank eine Bankenlizenz der französischen Aufsichtsbehörde. Das britische Fintech-Unternehmen Revolut plant nun die Markteinführung einer eigenen, an den Euro gebundenen Digitalwährung. Wie bei vergleichbaren Projekten soll die Parität zur Fiat-Währung durch entsprechende Reserven gewährleistet werden. Ebenfalls interessant: Revolut hat gerade die Summe, mit der deren Gründer Nik Storonsky einen Kredit gegen seine eigenen Anteile an der Neobank aufnehmen darf, um das fünffache auf 250 Millionen Dollar erhöht