SumUp, Wero und Revoluts Paris-Pläne: Das waren die wichtigsten Fintech-News im April
André Bajorat und Jochen Siegert haben im April wieder viel zu besprechen gehabt. Das waren die wichtigsten Fintech-News im April.
Ein Jahr „Deutschland zahlt digital“: Initiative wird zum Verein
„Deutschland zahlt digital“ feiert seinen ersten Geburtstag und macht den nächsten Schritt: Aus der Initiative wird ein eingetragener Verein. Der Grund ist schlicht politischer Natur – wer in Berlin ernst genommen werden will, braucht eine Entität. Inhaltlich ändert sich wenig: Kleine Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine können weiterhin ein Jahr lang kostenlos ins digitale Bezahlen einsteigen – ohne Terminal-Miete, ohne Installationskosten, ohne Transaktionsgebühren, bis zu einem Umsatz von 50.000 Euro. Alle namhaften Acquirer machen mit, von SumUp bis Payone, und differenzieren sich danach. Das Ziel bleibt dasselbe: Akzeptanzlücken schließen und Verbrauchern echte Wahlfreiheit beim Bezahlen ermöglichen.
Berlin plant Kartenzahlungspflicht gegen Steuertricks
Das Land Berlin treibt eine Bundesratsinitiative voran, die Händler, Gastronomen und Imbisse dazu verpflichten soll, neben Bargeld mindestens eine digitale Zahlungsart anzubieten. Das erklärte Ziel: Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft eindämmen, die sich hinter „Cash-only“-Modellen verstecken. Bargeld soll ausdrücklich erhalten bleiben. Wirtschaftsverbände sehen das kritisch und warnen vor höheren Kosten und Eingriffen in unternehmerische Freiheiten. Die politische Debatte dürfte noch eine Weile laufen.
EHI-Studie: Jede fünfte unbare Zahlung kommt vom Smartphone
Laut der aktuellen EHI-Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026″, vorgestellt beim EHI Payment Kongress in Bonn, erfolgt inzwischen rund jede fünfte unbare Zahlung per Smartphone oder Smartwatch – das entspricht 19,3 Prozent aller unbaren Transaktionen. Gleichzeitig bauen die sogenannten „New Debits“ von Visa und Mastercard ihren Umsatzanteil auf 9,4 Prozent aus. Eine Entwicklung, die für europäische Zahlungsprojekte wie Wero und den Digitalen Euro zunehmend bedrohlich wird.
Wero: Kritik am digitalen Euro, AWS-Debatte und erster Händlerfortschritt
Wero-Chefin Martina Weimert hat gegenüber der Süddeutschen Zeitung erneut den digitalen Euro kritisiert: Die von der EZB vorangetriebene parallele Infrastruktur erhöhe die Kosten für Banken und Händler, ohne echten Mehrwert zu schaffen. Beim EHI Payment Kongress sorgte außerdem eine Aussage von Weimert für Verstimmung im Handel: „Wir haben den Händlern und Dienstleistern bezüglich ihrer Planung vertraut – das war teilweise ein Fehler.“ Eine Ansage, die im Saal nicht gut ankam.
Auf der anderen Seite gibt es auch Fortschritte: Nexi hat die Wero-Integration abgeschlossen und will BAUR, Quelle und Bünting als erste Händler anbinden. Und in einem Proof of Concept haben EPI, das italienische Bancomat und das portugiesische SIBS-MB WAY gezeigt, dass ihre mobilen Zahlungslösungen grenzüberschreitend interoperabel funktionieren genauso wie QR-Code-basierte Zahlungen von Person zu Merchant über Ländergrenzen hinweg.
Dann noch der AWS-Moment: Laut einer Anfrage von netzpolitik.org läuft Wero auf Amazon Web Services. Eine unangenehme Enthüllung für ein Projekt, das europäische Zahlungssouveränität verkörpern soll, auch wenn EPI auf Verschlüsselung, europäische Rechenzentren und Notfallpläne verweist.
SumUp prüft milliardenschweren Börsengang in London
Das Londoner Zahlungs-Fintech SumUp sondiert mit Unterstützung führender Investmentbanken einen möglichen Börsengang an der London Stock Exchange. Die angestrebte Bewertung liegt je nach Marktumfeld zwischen 10 und 15 Milliarden US-Dollar, was SumUp zu einem der wertvollsten europäischen Fintechs machen würde. Alternativ stehen auch andere europäische Handelsplätze im Gespräch.
PayPal rudert zurück: Google-Wallet-Anbindung bleibt
Im März hatte PayPal noch kommuniziert, die Verknüpfung mit Google Wallet zu beenden. Jetzt die Kehrtwende: Bestehende Integrationen bleiben aktiv, neue Verbindungen sollen auch künftig eingerichtet werden können. Der Hintergrund der Verwirrung waren missverständliche FAQ-Texte und E-Mails an Kunden – eine kommunikative Panne, die unnötig Vertrauen gekostet hat.
PayPal und Brasiliens Pix: Signal für den digitalen Euro?
PayPal integriert das brasilianische Echtzeit-Zahlungssystem Pix für kleine und mittlere Unternehmen, um lokalen Händlern den Zugang zum internationalen Online-Handel zu erleichtern. Pix, seit 2020 von der brasilianischen Zentralbank betrieben, soll 2026 rund 40 Prozent der Online-Zahlungen in Brasilien abwickeln. Für Europa stellt sich die Frage: Ist das ein Fingerzeig, wie sich auch der digitale Euro als lokale Instant-Payment-Infrastruktur positionieren könnte?
Trade Republic startet 24/7-Kundenservice
Der Neobroker reagiert auf anhaltende Kritik an seinem Support und bietet Anlegern ab sofort einen persönlichen Kundenservice rund um die Uhr – per Telefon, Live-Chat oder Rückruf über die App. Mehr als 1.000 Serviceagenten stehen in acht Sprachen zur Verfügung. Das Investment: ein zweistelliger Millionenbetrag. Das Ziel: nicht mehr nur Neobroker sein, sondern Hausbank.
Deutsche Börse investiert 200 Millionen Dollar in Kraken
Die Deutsche Börse Group erwirbt für 200 Millionen US-Dollar eine 1,5-Prozent-Beteiligung an Payward, der Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken. Die Bewertung liegt damit bei rund 13,3 Milliarden US-Dollar deutlich unter den 20 Milliarden, die im November 2025 beim Einstieg von Citadel Securities aufgerufen wurden. Die Kooperation zielt auf gemeinsame Angebote in Handel, Verwahrung, Abwicklung und tokenisierten Assets, während Kraken parallel einen US-Börsengang vorbereitet.
Revolut: Paris, Bußgeld und kein Börsengang vor 2028
Revolut baut im historischen Börsenviertel von Paris eine neue Europa-Zentrale auf. Ein operatives Hub für Westeuropa, das Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Portugal und Irland abdecken soll. Den eigenen Börsengang verschiebt CEO Nik Storonsky derweil auf frühestens 2028. Zuvor sollen weitere Kapitalerhöhungen die Bewertung über die zuletzt geschätzten 75 Milliarden US-Dollar treiben.
Gleichzeitig gibt es regulatorischen Gegenwind aus Italien: Die dortige Wettbewerbsbehörde AGCM verhängt ein Bußgeld von rund 11 Millionen Euro wegen irreführender Angaben zu angeblich provisionsfreiem Handel und aggressiver Kontosperrungspraxis. Revolut kündigt an, rechtlich vorzugehen.
Solaris schließt Auslandsstandorte und zieht sich auf Deutschland zurück
Das Berliner Fintech beendet laut Handelsblatt seine Aktivitäten in Frankreich, Italien und Spanien. Künftig gibt es nur noch Büros in Berlin und Frankfurt. Der Schritt passt zum Umbaukurs unter dem neuen Chef Steffen Jentsch: weniger Bank, mehr fokussierter Tech-Dienstleister und das konzentriert auf den Heimatmarkt. Für Fintechs, die mit Solaris ins Ausland expandieren wollten, ist das eine schlechte Nachricht.
Betrug mit Konten und Karten nimmt weiter zu
Das Bundeskriminalamt zählt für 2025 rund 96.400 erfasste Betrugsfälle rund um Konto und Zahlungskarte – fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu kommen über 118.000 mutmaßlich aus dem Ausland begangene Taten. Die Aufklärungsquote verharrt bei gut einem Fünftel. Phishing, Identitätsdiebstahl und gefälschte Paketdienst-SMS bleiben die häufigsten Maschen und durch KI werden die gefälschten Seiten und Mails immer schwerer zu erkennen.
Plus1 bringt Umschuldungsmodell für BNPL-Schulden nach Deutschland
Das schwedische Fintech Plus1 startet unter der Leitung von Nicolas Knecht in Deutschland und will Konsumenten helfen, die in die Buy-now-pay-later-Schuldenfalle getappt sind. Mehrere Kleinkredite und Rechnungszyklen sollen in strukturierte Rückzahlungspläne überführt werden. Ob das als eigenständiges Geschäftsmodell trägt, ist allerdings fraglich – zumal KI-Assistenten ähnliche Hilfestellung zunehmend kostenlos leisten können.