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Altersvorsorgedepot-as-a-Service: Wie Finanzdienstleister die Chancen nutzen können

Ab dem 1. Januar 2027 löst das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot (AVD) die Riester-Rente ab.

Altersvorsorgedepot-as-a-Service: Wie Finanzdienstleister die Chancen nutzen können

Für Fintechs, Neobroker und Vertriebsplattformen ist das eine der größten Retail-Produktchancen im deutschen Markt seit Jahren. Zum einen, weil das AVD durch seine Einfachheit und Renditechancen neue Kunden für ein gefördertes Anlageprodukt ansprechen wird, zum anderen, weil 15 Millionen Riester-Verträge darauf warten, förderunschädlich in AVDs umgewandelt zu werden. Um die Chance zu nutzen, benötigen Finanzdienstleister kompetente Partner, die bei der Entwicklung und dem Management eines AVD-Produktangebots unterstützen. 

Ein AVD anzubieten ist technisch und regulatorisch deutlich anspruchsvoller als ein klassisches Fondsdepot. Für die meisten Anbieter ist es weder zeitlich noch ökonomisch möglich, die komplette personelle und technische Infrastruktur aufzubauen, um das staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukt rechtzeitig und langfristig anzubieten. Darüber hinaus dürfen nur Banken mit Erlaubnis zum Einlagengeschäft, Bausparkassen und Lebensversicherungen AVD anbieten, unter bestimmten Voraussetzungen ist dies auch für Wertpapierinstitute und Vermögensverwalter möglich.
Deshalb benötigen die allermeisten Finanzdienstleister und Embedded-Investing-Anbieter einen Infrastruktur-Partner mit einer entsprechenden Erlaubnis, um die Chance zu nutzen. 

Das reformierte Altersvorsorge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG) verlangt für jedes AVD eine eigene Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern. Pflicht ist zudem die automatisierte Anbindung an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) – inklusive Zulagenbeantragung, Verwaltung und Korrekturläufen. Hinzu kommen steuerliche Melde- und Dokumentationspflichten in der Anspar- sowie in der Auszahlungsphase.

Wer ein AVD auf den Markt bringen will, baut also nicht einfach ein Produkt, sondern ein reguliertes Verwaltungssystem mit langem Lebenszyklus.

Drei Kompetenzen, die über Erfolg und Scheitern entscheiden

– Bis zum Marktstart des AVD sind es nur noch wenige Monate – eine Umsetzung in Eigenregie wird damit immer herausfordernder. Die logische Alternative sind Partnerschaften mit Instituten, die drei Kompetenzen nachweisbar beherrschen:

1. Administrierung staatlich geförderter Altersvorsorgeprodukte. Die Arbeit mit geförderten Produkten unterscheidet sich fundamental von gewöhnlicher Depotverwaltung. Riester- und Rürup-Verträge laufen seit über zwei Jahrzehnten im deutschen Markt, und die Erfahrung zeigt: Die Komplexität steckt in den Details der Sachbearbeitung, die von ZfA-Meldungen über Zulagenberechnungen bis hin zu Sonderfällen bei Wohnsitzwechsel oder Elternzeit reichen, um nur einige Beispiele zu nennen. Wer diese Prozesse erst jetzt für einen Produktstart 2027 aufbaut, startet mit einer steilen Lernkurve zur Unzeit. Partner, die solche Verträge im Tagesgeschäft administrieren, bringen die Erfahrung als Startkapital mit.

2. Abwicklung von Wertpapiertransaktionen. Ein AVD ist am Ende ein Wertpapierdepot mit regulatorischem Überbau. Die Kerntechnik – Orderrouting, Depotführung, Corporate Actions, Steuerbescheinigungen, Reporting – muss industriell skalieren. Das ist die Domäne etablierter Depotbanken. Wer hier auf eingespielten Systemen und Abwicklungsprozessen aufsetzt, vermeidet das häufigste Risiko bei Markteintritt: dass operative Probleme ein regulatorisch sauberes Produkt im Echtbetrieb unterlaufen.

3. Digitales Onboarding im großen Maßstab. Der Gesetzgeber hat digitales Onboarding für das Standard-AVD ausdrücklich vorgeschrieben und die Zielgruppe erwartet es ohnehin. In der Praxis heißt das: Video-Ident oder elektronische Identifikation, vollständig digitale Vertragsstrecken, automatisierte KYC-Prüfungen und nahtlose Überleitung in die Zulagenverwaltung sind ein Muss. Anbieter, die bereits heute tausende Kunden pro Monat digital eröffnen, haben auch dafür die notwendige Infrastruktur am Start.

API-First als Voraussetzung

Damit diese drei Kompetenzen für Partner überhaupt nutzbar werden, müssen sie sich über APIs integrieren lassen. Ein AVD-Provider, der seine Funktionen nur über Legacy-Schnittstellen oder File-Transfer bereitstellt, stört die Endkunden-Experience, für die Fintechs und Neobroker stehen. Saubere REST-APIs für Depoteröffnung, Transaktionen, Zulagenstatus, steuerliche Reports und Korrespondenz sind 2026 kein Differenzierungsmerkmal mehr, sondern Grundvoraussetzung für jede ernsthafte Partnerschaft.

Standarddepot – und darüber hinaus

Jeder AVD-Anbieter ist gesetzlich verpflichtet, ein Standarddepot anzubieten. Dieses Produkt unterliegt einem Kostendeckel von einem Prozent pro Jahr, muss digital abschließbar sein und bildet für viele Kundinnen und Kunden die Einstiegsvariante in die geförderte Altersvorsorge. Das ist ein Preispunkt, der nur mit hocheffizienten, weitgehend automatisierten Prozessen wirtschaftlich zu betreiben ist. Manuelle Bearbeitung oder aufwendiger Vertrieb belasten schnell die Marge.

Für Anbieter empfiehlt sich deshalb eine zweigleisige Produktstrategie: Das regulatorisch vorgeschriebene Standarddepot als volldigitales Basisangebot – und zusätzlich AVD-Varianten, die klare Mehrwerte liefern, und damit einen höheren Preis rechtfertigen. Das naheliegende Beispiel ist eine Vermögensverwaltung, die bewährte Anlagestrategien systematisch umsetzt, mit Rebalancing, Risikosteuerung und individuellem Ablaufmanagement. Kundinnen und Kunden, die über 30 Jahre für das Alter sparen, sind bereit, für spürbar bessere Verwaltung zu zahlen – sofern der Mehrwert im Produkt erlebbar ist.

Schneller Time-to-Market wird mit Langzeitkunden belohnt

Es ist damit zu rechnen, dass spätestens im dritten Quartal 2026 das Marketing für das AVD hochgefahren wird, und damit der Wettbewerb um Kunden mit dem längsten Lebenszyklus beginnt. Potenzielle Anbieter müssen deshalb jetzt damit beginnen, mögliche Infrastrukturpartner zu selektieren, um rechtzeitig mit einem AVD-Angebot präsent zu sein. Es wird damit gerechnet, dass es schon in den ersten Monaten eine hohe Nachfrage nach den staatlich geförderten Sparplänen gibt. Und die früh gewonnenen Kunden bleiben oft für Jahrzehnte.


Die Sutor Bank administriert seit über 15 Jahren staatlich geförderte Altersvorsorgeverträge für verschiedene Partner wie Fintechs, Vertriebe oder Makler-Pools. Für das Altersvorsorgedepot hat das Institut ein modulares Service-Angebot entwickelt, mit dem sich die potenziellen Partner die Elemente zusammenstellen können, die sie für den Marktstart eines AVD benötigen. Falls der Partner das AVD selbst anbieten darf und möchte, benötigt er eventuell nur das Zulagenmanagement und die Depotdienstleistungen. Falls die Erlaubnis fehlt, kann auch die Sutor Bank als Produktanbieter fungieren. Der Partner kann sich im Branding und in der Kundenkommunikation so weit wie aufsichtsrechtlich möglich in den Vordergrund stellen. Das AVD ist dann ein „Partner-AVD powered by Sutor“. 

Die Infrastruktur der Sutor Bank für Wertpapierabwicklung, ZfA-Anbindung und digitales Onboarding ist im produktiven Einsatz und über REST-APIs integrierbar. Ergänzend bietet das mehrfach ausgezeichnete Private Banking der Sutor Bank bewährte Vermögensverwaltungen; zahlreiche Anlageprodukte der Bank sind bereits in einen VV-Wrapper eingebettet. Partner können auf dieser Basis aufsetzen, statt bei null zu beginnen.

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