Stripe, PayPal, Gini: Das waren die wichtigsten Fintechs-News im Februar
Jochen Siegert und André Bajorat liefern die wichtigsten News des Monats. Es geht um Übernahmekandidat PayPal, den ersten Exit seit langem und Massenentlassungen wegen KI.
Jochen Siegert und André Bajorat liefern die wichtigsten News des Monats. Es geht um Übernahmekandidat PayPal, den ersten Exit seit langem und Massenentlassungen wegen KI.
Die ganze Welt schaut gerade mit Schrecken auf die Geschehnisse im Nahen Osten. Für einen Moment wechseln wir trotzdem in unsere kleine Fintech-Bubble: Jochen Siegert und Andre Bajorat haben die wichtigsten Fintech-News des Monats besprochen:
Stripe zeigt Interesse an Übernahme von PayPal
Zu den Interessenten an einer möglichen Übernahme von PayPal zählt der Zahlungsabwickler Stripe, der den gesamten Konzern erwerben könnte, wobei die Gespräche laut informierten Kreisen noch in einem frühen Stadium ohne Abschlussgarantie sind. Allein die Aussicht auf einen Deal hat den PayPal-Kurs deutlich steigen lassen, die Aktie liegt rund 14 Prozent über dem Stand der Vorwoche. Stripe wird mit etwa 159 Milliarden US‑Dollar bewertet, während ein Mitgründer in einem Interview die angespannte Lage bei PayPal eingeräumt hat.
Paypal erfolg mit NFC App/Ladenkasse in Deutschland
Der US-Bezahldienst Paypal weitet seine Rolle im deutschen Zahlungsverkehr aus und kommt neben dem dominierenden Onlinegeschäft zunehmend auch an der Supermarktkasse zum Einsatz. Rund 7,6 Millionen Menschen haben sich binnen weniger Monate für das mobile Bezahlen mit virtueller Debitkarte registriert, während parallel der europäische Dienst Wero sowie der digitale Euro der Europäischen Zentralbank die Abhängigkeit von US-Anbietern verringern sollen.
Mastercard zeigt Offenheit für Zusammenarbeit beim digitalen Euro
Mastercard-CEO Michael Miebach sieht sein Unternehmen als potenziellen Partner für einen digitalen Euro und verweist auf vorhandene Expertise mit digitalen Währungen in anderen Ländern. Er unterstützt das Ziel stärkerer europäischer Zahlungslösungen und betont Investitionen in lokalisierte Technik und Datenspeicherung. Gleichzeitig bleibt er gelassen gegenüber einem von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinsdeckel für Kreditkarten, da Mastercard Transaktionen verschiedenster Zahlungsarten abwickelt und nicht allein vom klassischen Kreditkartengeschäft abhängt.
Handel warnt vor Kosten- und Komplexitätsfalle beim Digitalen Euro
Der Handelsverband Deutschland sieht im digitalen Euro grundsätzlich eine Chance für ein staatlich garantiertes, bargeldähnliches Zahlungsmittel, kritisiert aber die geplante Ausgestaltung als zu komplex und teuer. Besonders das an Kreditkarten angelehnte Kompensationsmodell lehnt der Verband ab, weil Händler die Kosten der Wallet-Anbieter tragen sollen. Statt prozentualer Entgelte fordert der HDE niedrige, transaktionsbasierte Gebühren und praxisgerechte Haltelimits, bevor an eine breite Akzeptanzpflicht gedacht werden könne.
EU-Parlament ebnet Weg für digitalen Euro mit Online- und Offline-Funktion
Das Europäische Parlament unterstützte einen Antrag, nachdem der digitale Euro sowohl online als auch offline funktionieren soll. Die Abgeordneten lehnten den Vorschlag ab, die Einführung auf eine reine Offline-Lösung zu beschränken, und forderten ein einheitliches Konzept mit beiden Nutzungsformen.
Klarna rutscht trotz starkem Wachstum ins Quartalsminus
Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna verzeichnet im Schlussquartal 2025 trotz deutlich gestiegener Umsätze einen Nettoverlust von 26 Mio. US‑Dollar, ausgelöst vor allem durch höhere Risikovorsorgen für ausfallgefährdete Kredite, die im Jahresvergleich um 59 Prozent auf 250 Mio. US‑Dollar zunahmen. Das börsennotierte Fintech mit einer Bewertung von 15 Mrd. US‑Dollar steht damit vor der Aufgabe, weiteres Wachstum und ein strengeres Risikomanagement in Einklang zu bringen.
Sparkassen melden Rekord bei Girocard-Zahlungen
Die Sparkassen verzeichnen 2025 einen deutlichen Anstieg der Girocard-Nutzung: Die Kundschaft zahlte 4,6 Milliarden Mal mit der Sparkassen-Card, ein Plus von 8,8 Prozent im Vergleich zu 2024. Der Umsatz legte auf 161 Milliarden Euro zu, während der durchschnittliche Bon auf 34,98 Euro sank, was auf häufiger bargeldlose Kleinbetragszahlungen hindeutet. Rund 94 Prozent der Transaktionen erfolgten kontaktlos, knapp ein Viertel bereits mit digitaler Karte über Smartphone-Lösungen wie Mobiles Bezahlen oder Apple Pay. Parallel arbeitet die Sparkassen-Finanzgruppe mit Euro Kartensysteme an neuen Funktionen, etwa vorabgenehmigten Zahlungen und der Integration der Girocard in Händler-Apps.
Über acht Milliarden Zahlungen: Girocard weiterhin beliebt
Die Girocard bleibt eine feste Größe im deutschen Bezahlkartengeschäft mit rund 8,3 Milliarden Zahlungen im vergangenen Jahr, was einem Plus von 4,8 Prozent entspricht, zeigen die Jahreszahlen von Euro Kartensysteme für 2025. Dem Plus steht aber auch ein Minus bei den durchschnittlichen Umsätzen pro Bezahlvorgang entgegen (von 38,85 Euro im Vorjahr auf 37,25 Euro). Kritiker weisen darauf hin, dass beim Jahresumsatz seit mehreren Jahren entsprechend kaum Wachstum zu sehen ist. Die Akzeptanz im Handel dagegen wuchs auf bis zu 1.344.000 aktive Terminals, ein Anstieg von 11,3 Prozent. Kontaktlose Transaktionen dominieren mit 88,5 Prozent aller Girocard-Zahlungen im Dezember 2025, während die digitale Girocard auf Smartphones und Smartwatches an Bedeutung gewinnt.

Commerzbank steigt bei Wero ein
Die Commerzbank erweitert ihr Angebot um den europäischen Bezahldienst Wero, nachdem der Vorstand um Bettina Orlopp nun doch grünes Licht gegeben hat. Gründe sind eine verbesserte Finanzlage, Lerneffekte aus dem gescheiterten Vorgänger Paydirekt und die neue Kooperation von Wero mit Banken und Zahlungsanbietern in weiteren EU-Ländern, die Reichweite und Akzeptanz im Alltag und E-Commerce erhöhen sollen.
Green Banana und VR Payment bündeln Kräfte für BNPL-Orchestrierung
Green Banana und VR Payment geben eine Partnerschaft bekannt, um Buy-Now-Pay-Later-Lösungen im europäischen Zahlungsverkehr effizienter zu orchestrieren und für Händler skalierbarer zu machen. Ziel ist es, unterschiedliche BNPL-Angebote zu bündeln, Integration und Steuerung zu vereinfachen und so sowohl Akzeptanzstellen als auch Endkundinnen und Endkunden mehr Flexibilität bei der Zahlungswahl zu bieten. Die Zusammenarbeit soll Innovation im Online- und stationären Handel fördern und Banken wie Handelspartner bei der Umsetzung moderner Payment-Strategien unterstützen.
Börse Stuttgart Digital und Tradias schmieden europäischen Krypto-Champion
Die geplante Fusion von Börse Stuttgart Digital und Tradias soll einen vollregulierten Anbieter schaffen, der die gesamte Krypto-Wertschöpfungskette von Handel und Brokerage über Verwahrung bis zu Staking und tokenisierten Assets abdeckt. Mit rund 300 Beschäftigten und Standorten in Frankfurt und Stuttgart zielt das gemeinsame Managementteam auf eine führende Rolle im europäischen Kryptomarkt und die weitere Konsolidierung unter Einbindung großer Finanzinstitute wie Intesa Sanpaolo, DZ Bank, Dekabank sowie mehrerer Online-Broker und staatlicher Institutionen. Der Zusammenschluss steht unter dem Vorbehalt erfolgreicher Verhandlungen und aufsichtsrechtlicher Zustimmung und ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.
EU-Fintechs geraten wegen APP-Betrug stärker ins Visier der Geldwäscheaufsicht
Autorised-Push-Payment-Betrug entwickelt sich zur teuersten Form des Zahlungsbetrugs in Europa und überholt Kartentricksereien, da manipulierte Verbraucher hohe Beträge per Echtzeitüberweisung freigeben. Regulierer werten diese APP-Scams zunehmend als Geldwäsche, weil Gelder über Muli-Konten grenzüberschreitend verschleiert werden. Mit PSD3, der neuen Payment Services Regulation und AMLD6 steigen Haftung und Pflichten für Zahlungsdienstleister, die Betrugs- und AML-Daten stärker verzahnen und Muli-Netzwerke früh erkennen müssen.
EU verschärft Haftung für Banken bei Trickbetrug mit PSD3 und PSR
Die Europäische Union bringt mit PSD3 und der Payment Services Regulation ein umfassendes Gesetzespaket auf den Weg, das ab 2027 oder Anfang 2028 gelten soll. Kernpunkt ist die verschärfte Haftung von Finanzinstituten bei autorisiertem Betrug wie Impersonation Fraud, bei dem sich Kriminelle als Bankmitarbeiter ausgeben. Zusätzlich wird ein verpflichtender IBAN-Namensabgleich eingeführt, der vor jeder Überweisung prüft, ob Empfängername und Kontonummer übereinstimmen. Erstmals werden auch große Online-Plattformen haftbar gemacht, wenn sie betrügerische Inhalte nicht löschen.
Deutschland schafft Schecks bis 2027 vollständig ab
Deutschland plant die vollständige Abschaffung von Schecks bis Ende 2027. Schecks machen nur noch 0,01 Prozent aller bargeldlosen Zahlungen aus, während 2007 noch 75 Millionen Schecks jährlich verarbeitet wurden, waren es 2024 nur noch zwei Millionen. Die Bundesbank schaltet die technische Infrastruktur für automatisierte Scheckverarbeitung ab. Hauptgrund ist die Zunahme von SEPA-Echtzeit-Überweisungen, von denen 2024 rund 335 Millionen in Deutschland getätigt wurden. Die USA folgen einem ähnlichen Trend mit sinkenden Scheckzahlungen.
Comdirect, Sparkassen und Genos starten Angriff auf Trade Republic
Der Erfolg der Neobroker war in den letzten Jahren beeindruckend. Lange interessierte das die traditionellen Banken nicht wirklich. Doch vor einiger Zeit hat man auch hier gemerkt, dass die Newcomer so schnell nicht verschwinden und dabei Kund:innen rüberziehen. Mit S-Neo bringen die Sparkassen ein eigenes Angebot an den Start, das den App-basierten Konkurrenten von Trade Republic und Co. ähnelt. Auch Comdirect greift mit einem neuen Depot-Modell an. Sogar die Geno-Banken planen derzeit einen eigenen Broker, wie jetzt rauskam.
Gini gelingt der Exit
Das Münchner Fintech wird vom US-Unternehmen Banyan Software übernommen. Der Kaufpreis bleibt aber geheim. Neben den Gründern verdient auch die Commerzbank daran mit, die knapp 14 Prozent an dem Start-up hält. Zu den Kunden des Fintechs gehören unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank und die großen Bankenverbände.
Massenentlassungen bei Block (ehemals Square)
Das von Jack Dorsey gegründete Zahlungsunternehmen, zu dem Square und Cash App gehören, gab letzte Woche bekannt, dass es plant, 40 Prozent seiner Belegschaft, also mehr als 4.000 Mitarbeiter, zu entlassen. Die Aktien stiegen im nachbörslichen Handel um mehr als 20 Prozent. Als Grund würde dafür die KI-Strategie des Unternehmens genannt – sie soll die scheidenden Mitarbeiter ersetzen.