So sind die Vorstände deutscher Banken aufgebaut
Wie divers ist die Finanzbranche eigentlich? Wir haben die Geschlechts- und Altersstruktur der Vorstände und ihren Bildungshintergrund ausgewertet.
Vorstandsriegen deutscher Unternehmen haben den Ruf, nicht gerade divers zu sein. Wie eine Auswertung der Schufa beispielhaft zeigt, haben nur 28,5 Prozent der Unternehmen in Deutschland mindestens eine Frau im oberen Management. Doch wie sieht es eigentlich bei den Vorständen deutscher Banken aus?
Wir haben die Vorstände von 15 großen deutschen Banken unter die Lupe genommen. Darunter sind die Deutsche Bank, die genossenschaftliche DZ Bank, die Commerzbank, die KfW, der europäische Ableger der US-Großbank J.P. Morgan, die LBBW, die zur Unicredit gehörende Hypovereinsbank, die BayernLB, die Helaba, die ING Deutschland, die NRW.Bank, Volkswagen Financial Services, die DKB, die NordLB und die DekaBank. Auf Basis öffentlich verfügbarer Daten haben wir die Geschlechts- und Altersstruktur der Vorstände sowie den Bildungshintergrund von insgesamt 93 Vorstandsmitgliedern ausgewertet. Außerdem haben wir analysiert, wie groß die Vorstandsriege ist und wie lange die Vorstandsmitglieder schon im Vorstand sind.
Die Deutsche Bank hat den größten Vorstand
Die Deutsche Bank ist nicht nur die Bank mit der größten Bilanzsumme in Deutschland, sondern hat auch den mit Abstand größten Vorstand: Er umfasst zwölf Personen. Die Vorstandsriegen der anderen Banken sind deutlich kleiner: Die DZ Bank, die J.P. Morgan SE und die Hypovereinsbank kommen auf jeweils acht, Commerzbank und LBBW auf jeweils sieben, die ING Deutschland auf jeweils sechs und KfW, Helaba, DKB, NordLB und DekaBank auf jeweils fünf Vorstandsmitglieder. Die kleinsten Vorstände haben die BayernLB, die NRW.Bank und Volkswagen Financial Services mit je vier Vorstandsmitgliedern.
Seit 2020 wurden 66 neue Vorstandsmitglieder berufen, davon fünf in 2020, 13 in 2021, acht in 2022, sechs in 2023, 18 in 2024, neun in 2025 und sieben in diesem Jahr. 23 Personen waren schon vor 2020 Vorstandsmitglieder, davon acht sogar schon länger als zehn Jahre. Am längsten ist Matthias Danne im Amt: Er ist bereits seit 2006 im Vorstand der Dekabank.
Geschlechterverhältnis: Über ein Viertel der Vorstandsmitglieder sind weiblich
In der Gesamtschau ist mit einem Anteil von 71 Prozent die große Mehrheit der Mandate bei den betrachteten Vorständen mit Männern besetzt. Der Frauenanteil liegt damit bei 29 Prozent. Bei den Vorstandsvorsitzenden ist das Geschlechterverhältnis noch unausgewogener: Auf zwölf Männer an der Spitze der Banken kommen drei Frauen. In unserer Auswertung sind das Bettina Orlopp von der Commerzbank, Gabriela Pantring von der NRW.Bank und Marion Höllinger, die Sprecherin der Geschäftsführung der Hypovereinsbank.
Betrachtet man das Geschlechterverhältnis in einzelnen Vorständen, so zeigen sich teils große Unterschiede. Der Vorstand von Volkswagen Financial Services ist als einziger paritätisch besetzt. Während die BayernLB keine einzige Frau im Vorstand hat, ist die NRW.Bank die einzige hier betrachtete Bank mit mehr weiblichen Vorstandsmitgliedern. Im zwölfköpfigen Vorstand der Deutschen Bank sitzen dagegen drei Mal so viele Männer wie Frauen.
Altersstruktur: Vorstandsmitglieder sind durchschnittlich 55 Jahre alt
Im Durchschnitt sind die hier untersuchten Vorstandsmitglieder 55 Jahre alt. Der älteste Vorstand ist Matthias Danne, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DekaBank. Er wurde 1959 geboren. Die jüngste Person ist Imke Jacob, die ab dem 1. Juli 2026 General Executive Manager bei der DZ Bank sein wird. Sie ist derzeit 40 Jahre alt.
Vorstandsvorsitzende sind im Durchschnitt 57 Jahre alt. Aber auch hier gibt es eine größere Spanne: Der älteste Vorstandsvorsitzende ist der 1964 geborene Georg Stocker von der DekaBank. Am jüngsten ist Jörg Frischholz von der NordLB. Er wurde 1976 geboren.
Ausbildung und Studium: Bankkauflehre und BWL
Insgesamt 28 der hier betrachteten 93 Vorstände haben eine Ausbildung als Bankkaufmann oder Bankkauffrau abgeschlossen. Häufigster Ausbildungsbetrieb waren dabei Filialen der Deutschen Bank. Jeweils drei Personen waren für ihre Ausbildung bei der Commerzbank oder bei einer Sparkasse. Andreas Götz und Joachim Erdle aus dem Vorstand der LBBW haben ein duales Studium bei der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg absolviert.
Die große Mehrheit der Vorstände hat Betriebswirtschaftslehre (BWL) oder Business Administration studiert, häufig mit Bankfokus. Darauf folgen Volkswirtschaftslehre (VWL) und andere Wirtschaftswissenschaften sowie Jura und Rechtswissenschaften. Vereinzelte Vorstandsmitglieder haben Informatik, Wirtschaftsingenieurswesen, Finanz- und Rechnungswesen, Physik, Philosophie und Mathematik studiert. Häufigste Hochschule ist die private Frankfurt School of Finance & Management, die früher noch Bankakademie hieß.
14 Vorstände haben einen Doktortitel, davon die meisten in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Es gibt jedoch auch zwei ungewöhnlichere Promotionsfächer: Peter Stemper von der NRW.Bank hat in Mathematik promoviert, während Marcus Chromik von der Deutschen Bank einen Doktortitel in Kernphysik hat.
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