Revolut-Stablecoin: Und noch einer…
Die Neobank bringt einen weiteren Stablecoin auf den Euro auf den Markt. Dort tummeln sich bereits viele Anbieter. Aber ein gutes Geschäftsmodell fehlt noch.
Im Markt der europäischen Stablecoins tut sich gerade eine Menge. Beinahe wöchentlich wird eine neue, an den Euro gekoppelte Kryptowährung auf den Markt geworfen. Erst gerade hat die Neobank Revolut den Stablecoin EURR an den Start gebracht. Außerdem meldete Reuters erst am Dienstag, dass sich neben den bestehenden Konsortien wie Quivalis und X eine weitere Gruppe von Banken, darunter Goldman Sachs, die Bank of America und die Deutsche Bank, zur Emission von Stablecoins unter anderem auf den Euro zusammenschließt.
Dass Revolut im Alleingang einen Stablecoin an den Start bringt, sorgt dabei für Aufsehen. Denn für europäische Nutzer scheinen die Vorteile nur gering zu sein. Erst bei näherem Hinsehen wird die Strategie dahinter klar: Denn zunächst wird EURR nur für Kunden in Dänemark, Polen und Portugal erhältlich sein. Dort gibt es größere Gruppen von außereuropäischen Expats, die zudem in zwei dieser Länder mit einer anderen Währung als dem Euro bezahlen müssen. Der Stablecoin könnte dabei den Transfer in andere Währungen erleichtern. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung des Coins nach wenigen Tagen bei 800.000 Euro.
Ein Markt ohne Geschäftsmodell?
Damit liegt man noch weit hinter dem europäischen Marktführer Circle. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Circle liegt laut Coingecko gerade bei fast 400 Millionen Euro. Aber im Vergleich zu den anderen Banken ist Revolut früh dran. Die denken immer häufiger darüber nach, eigene Stablecoins zu emittieren. Besonders in den USA, wo für Stablecoins Zinseträge gezahlt werden dürfen, befürchten sie, dass Geld von ihren Einlagen in die Taschen der Emittenten abwandern dürften. In der EU, wo die Zahlung von Zinsen auf Stableocins unter der Kryptoverordnung Mica verboten ist, kann dies kein Grund für Nutzer:innen sein, auf die Währung zurückzugreifen. Was könnte stattdessen ein Anreiz sein?
Für Co-Pierre Georg, Direktor des Frankfurt School Zentrum für Digitalwirtschaft (früher bekannt unter dem Namen Frankfurt School Blockchain Center (FSBC)) zweifelt er an der Strategie der Stablecoin-Emittenten. Aus seiner Sicht gebe es drei Motivationen hinter Stablecoins: Die Senkung von Kosten im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr (cross-border payments), der Tokenisierung von Finanzinfrastruktur und als Liquidität für den Kryptohandel. „Zur Wahrheit gehört allerdings, dass bisher nur die dritte Anwendung – für „market making” – wirklich relevant ist”, sagt Georg. Für seriöse Emittenten seien aber insbesondere die ersten beiden Anwendungsfälle relevant.
Der Case für Stablecoins ist begrenzt
Tokenisierung sei im Moment noch nicht so weit fortgeschritten, dass sich hieraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell entwickeln könne, sagt Co-Pierre Georg. „So bleibt dann nur die erste Anwendung”, also die grenzüberschreitenden Zahlungen. Das Geschäft also, auf das es anscheinend auch Revolut mit seinem Stablecoin EURR abgesehen hat. Hier zweifelt Georg daran, ob daraus ein gutes Geschäft entstehen könne. Aktuelle Forschung zeige, dass die Gesamtkosten von cross-border payments mit Stablecoins über 2,1 Prozent des Transaktionswerts liegen.
Geldtransfers per Banküberweisung und Korrespondenzbank seien nicht unbedingt teurer, so argumentiert zumindest Wenxin Du, Finanzprofessorin von der Harvard Business School auf dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole. „Stablecoins sind keine Wunderlösung für grenzüberschreitende Zahlungen”, schreibt sie in einem Papier. Die Gebühren für Ein- und Auszahlungen seien zudem hoch, auch weil die Liquidität in den Währungsgeschäften noch gering sei.
Stimmt das, und die Vorteile von Stablecoins seien tatsächlich so gering, kämpfe Revolut mit den anderen Emittenten von Qivalis, Circle und All Unity in Europa möglicherweise um einen relativ kleinen Markt, meint Co-Pierre Georg. Um langfristig ein funktionierendes Geschäftsmodell um die Kryptowährungen aufzubauen, sei allen europäischen Anbietern ein langer Atem zu wünschen.