Millionengeschäft Sponsoring: Wie sich Fintechs bei den Fußballclubs engagieren

Es sind Vereine der populärsten Sportart der Welt, die Teil eines Milliardengeschäfts sind und hohe Reichweiten versprechen: Fußballclubs sind für viele auf Wachstum und Bekanntheitssteigerung ausgerichtete Firmen höchst attraktive Sponsoring-Partner. Kostspielig aber erfolgsversprechend. Das haben längst auch Fintechs sowie Unternehmen der Payment- und Trading-Branche erkannt.

Seit dem 13. August läuft die 91. Saison der ersten spanischen Fußballliga und wie in der letzten Spielzeit rechnet sich der Traditionsclub FC Sevilla Chancen auf einen Platz unter den ersten vier Clubs aus. In jedem Spiel des Vereins wird ab dieser Saison ein deutsches Unternehmen mit dabei sein: das Hamburger Fintech Naga, über deren Online-Plattform die Nutzer in Digitalwährungen, Aktien oder ETFs investieren können. Als Hauptsponsor des FC Sevilla prangt das Naga-Logo von nun an auf den Trikots der Spieler, darunter steht geschrieben: „Naga – Your Investing Super APP“.

Imagegewinn für Sponsor und Fußballclubs ist enorm

Die genaue Höhe des Sponsorings ist nicht bekannt, sie liege laut Naga-CEO Benjamin Bilski aber im siebenstelligen Bereich. So oder so: Die globale Bekanntheit und die Markenidentität des 2015 in Hamburg gegründeten Fintechs werden in naher Zukunft beträchtlich steigen, denn Sevilla spielt 2020/21 in der Champions League. Und damit gegen internationale Vereine, viele von ihnen mit großer Fanbase und treuen Anhängern. Jedes Auswärtsspiel, egal ob es in Italien, den Niederlanden oder der Ukraine stattfindet, zahlt auf den Bekanntheitsgrad und das Image von Naga ein. Und soll sich langfristig natürlich ebenso positiv auf die B2C-Kundenbindung auswirken.

Spielt der FC Sevilla eine erfolgreiche Saison, assoziieren die Fans den Erfolg und die Sexyness des (offensiven) Spielsystems bald auch mit Naga. Eine Win-Win-Situation, wenn auch eine kostspielige für das deutsche Fintech. Diese Partnerschaft zwischen einem – jungen – Fintech und einem populären Fußballverein ist längst nicht die erste Kooperation jener Art. Nicht erst seit gestern haben Fintechs Fußballclubs als Werbepartner für sich entdeckt.

Millionengeschäft Sponsoring: Wie sich Fintechs bei den Fußballclubs engagieren
Quelle: anton5146 (istockphoto.com)

Die Gründe sind naheliegend. Fußball ist ein Milliardengeschäft, der Sport und seine spielenden Protagonisten sprechen alle Zielgruppen (und darunter vor allem die jüngere) an. Hinzu kommt: Die Medienpräsenz ist hoch, die Reichweite folglich ebenso. Das Sponsoring ermöglicht den Unternehmen den Zugang zur treuen Fußball-Fangemeinde und macht einen Sponsor umso attraktiver und anziehender, je erfolgreich der Club international spielt.

Teampartner: N26 und österreichischer Fußballclub

Mitte Juli wurde bekannt, dass die Online-Bank N26 mit dem Traditionsclub und 32-fachen österreichischem Meister SK Rapid Wien eine Partnerschaft eingegangen ist. Als „Part-Time-Ärmelsponsoring“ bezeichneten die Verantwortlichen die Partnerschaft, da N26 bei ausgewählten Bundesligaspielen die Trikotärmel zieren darf. Bei den besonders wichtigen Qualifikations-Spielen zur Champions League gegen Sparta Prag Ende Juli, die von vielen Fans an den TV-Geräten verfolgt wurden, war das Firmenlogo bereits auf den Ärmeln zu sehen.

Abgesehen vom Trikot begegnen Fußballfans dem N26-Logo noch an anderer Stelle: auf den prominent platzierten, unübersehbaren Werbeteppichen etwa, den großformatigen Aufstellern oder der Bande. Die Verbindung zwischen dem Verein und der sieben Millionen Kunden zählenden Challenger-Bank (Stand: Jahresanfang 2021) ist naheliegend. Wien ist die Heimat der beiden N26-Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal. Und da N26 das Engagement in Wien ohnehin weiter ausbauen will, zeigt sich dieses Vorhaben nun eben auch in den Marketing-Entscheidungen des Fintechs. Österreichische N26-Kunden, die Fans von Rapid sind, kommen dabei durchaus auf ihre Kosten: N26 lockt unter anderem mit 26 Prozent Rabatt auf Tickets für ausgewählte Rapid-Spiele sowie 10 Prozent Rabatt auf alle Artikel im Club-Fanshop.

Online-Broker sponsert Gladbach

Bereits seit der Spielzeit 2020/21 agiert der schnell wachsende Online-Broker flatex, über den Kunden zu festen Konditionen an der Börse handeln können, als Hauptsponsor von Borussia Mönchengladbach. Das Logo, das groß auf der Brust der Spieler zu sehen ist, entspricht in Sachen Design und Ästhetik der Wahrnehmung vieler Fintech-Player: zeitgemäß, stylish, modern und unverbraucht. Unter dem Logo steht die simple, aber einprägsame Botschaft „Aktien. Online. Handeln“, die man gleichsam als Slogan sowie als subtile (Handlungs-) Aufforderung lesen kann.

„Das Logo entspricht in Sachen Design und Ästhetik der Wahrnehmung vieler Fintech-Player: zeitgemäß, stylish, modern und unverbraucht.“

Es bringt das Leitmotto der Firma auf den Punkt. Deren Ziel ist es, den Handel von Aktien zu vereinfachen. Trading soll unkompliziert und schnell für jedermann möglich sein – ebenso wie der Volkssport Fußball.

Eigenen Angaben zufolge hat das in Frankfurt beheimatete Fintech-Unternehmen mittlerweile weit über eine Million Kunden, die jährlich mehr als 50 Millionen Trades an der Börse abwickeln. Flatex sponsort damit einen der populärsten deutschen Fußballclubs (Platz fünf in der Rangliste der beliebtesten Vereine), dem Beobachter und Experten eine goldene Zukunft voraussagen. Wie „golden“ und lukrativ die Zusammenarbeit zwischen dem Fintech und Gladbach wird, muss sich in den kommenden zwei Jahren zeigen. Bis 2023 läuft der Sponsorenvertrag, der Gladbach jährlich zwischen acht und zehn Millionen Euro einbringt.

Der Gladbach-flatex-Deal: Nicht das erste Fußball-Sponsoring eines Digital-Brokers, der einen deutschen Bundesligaverein unterstützt. Zuvor gab es bereits eine Kooperation zwischen Hertha BSC Berlin und EuropeFX. Seit der Saison 2018/19 war die aus Zypern stammende Trading-Plattform (mit Berliner Niederlassung) im und rund um das Berliner Olympiastadion dauerpräsent. Prominent platziert auf großen LED-Banden oder sogar in Person der Unternehmensvertreter selber, die eine eigene Unternehmensloge besaßen.

Fußball-Sponsorings in gewaltigem Ausmaß: eToro


Möglicherweise als Vorbild für flatex und EuropeFX diente einer der international bekanntesten und aktivsten Fußball-Sponsoren nicht nur aus dem Broker- sondern dem gesamten Fintech-Bereich:die Social-Trading- und Investment-Plattform eToro. Seit vielen Jahren schon unterstützt das 2007 gegründete multinationale Unternehmen den englischen Spitzenverein FC Everton (Platz 5 in der vergangenen Saison). In der jüngeren Vergangenheit kamen weitere englische Fußballvereine hinzu. Darunter:

  • Crystal Palace
  •  Leicester City
  • FC Southampton
Quelle: Martin Prescott (istockphoto.com)

Zudem tritt eToro aber als Sponsor für weniger erfolgreiche Premier-League-Vereine wie dem FC Burnley (Platz 17 in der Spielzeit 2020/21) und einem Club in der zweiten Liga (West Bromwich Albion) auf. Ziel und Botschaft dieser Aktivitäten scheinen klar: „eToro konzentriert sich nicht nur auf die Spitzenclubs sondern unterstützt auch die kleinen Teams. Der weltbekannte Trader glaubt an die Underdogs.“ So möchte eToro wahrgenommen werden.

In Deutschland arbeitet eToro unter anderem mit Köln, Augsburg und Union Berlin zusammen. Bereits vor einem Jahr ist die Handelsplattform bei Union als Premium-Sponsor eingestiegen – und seitdem sowohl an den Banden als auch in digitalen Formaten zu sehen. Union Berlin derweil scheint in der Zwischenzeit regelrecht auf Fintechs als Sponsoren-Partner „eingeschossen“ zu sein: Seit 2019 unterstützt das Berliner Startup wefox als Premium-Partner und „Ärmel-Sponsor“ den Bundesligisten, der die vergangene Spielzeit auf einem respektablen zehnten Rang beendete.

Neben der Erhöhung des Bekanntheitsgrades und dem Neukundengewinn will wefox, genauso wie N26 bei Rapid Wien, mittels des Sponsorings nicht zuletzt eine hohe Identifikation mit dem „Heimatverein“ erreichen und nach außen tragen. Das Logo auf dem Ärmel symbolisiert letztlich eine hohe Verbundenheit mit dem Hauptstadtclub und dessen Werten.

Quellen:

Titelbild: Rob Mattingley (istockphoto.com)

Autor
Björn Schneider hat Online-Journalismus in Darmstadt studiert und arbeitet – nach Stationen in Essen und Leipzig – seit 2012 als Freelancer in Mainz und Frankfurt. Sein Geld verdient er als Film-Kritiker, SEO-Mitarbeiter und Lokaljournalist. Vor vier Jahren kam ein Gewerbe... mehr
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