MiCAR erklärt: Was die neue Krypto-Regulierung für Unternehmen verändert
Kemal Ahmedi von Annerton erklärt, warum MiCAR den europäischen Kryptomarkt grundlegend verändert.
Mit MiCAR („Markets in Crypto Assets Regulation“) schafft die EU erstmals einen einheitlichen regulatorischen Rahmen für Kryptowerte in Europa. Für Kryptodienstleister wird es jetzt ernst: Der regulatorische Übergangszeitraum der MiCAR läuft aus und ab dem 1. Juli 2026 dürfen Unternehmen ihre Kryptowerte-Dienstleistungen im EWR nur noch mit vollständiger MiCAR-Lizenz anbieten.
In der neuen Folge von „Alles Legal – Fintech-Recht kompakt“ spricht Dana Wondra mit Kemal Ahmedi, Rechtsanwalt und Partner bei Annerton, über die wichtigsten Grundlagen der MiCAR und darüber, warum der europäische Kryptomarkt damit deutlich stärker reguliert wird.
Im Mittelpunkt steht zunächst die Frage, welche Kryptowerte MiCAR überhaupt erfasst. Die Verordnung unterscheidet dabei zwischen Asset-Referenced-Token, E-Geld-Token und sonstigen Kryptowerten wie beispielsweise Bitcoin. Während Bitcoin als „sonstiger Kryptowert“ gilt, stehen insbesondere Stablecoins regulatorisch stark im Fokus.
Außerdem erklärt Kemal Ahmedi, welche Unternehmen künftig eine MiCAR-Zulassung benötigen. Betroffen sind vor allem Kryptobörsen, Verwahrer und Anbieter von Kryptodienstleistungen wie Handel, Tausch oder Verwahrung von Kryptowerten. Für viele Unternehmen bedeutet das künftig deutlich strengere Anforderungen an Governance, Compliance, IT-Sicherheit und Risikomanagement.
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist der sogenannte EU-Passport. Unternehmen mit einer MiCAR-Lizenz können ihre Dienstleistungen künftig europaweit anbieten, ohne in jedem Land eine neue Zulassung beantragen zu müssen. Gerade für international aufgestellte Plattformen wird das zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil.
Auch Stablecoins (E-Geld-Token und ART) spielen in der Folge eine zentrale Rolle. Hier sieht der europäische Gesetzgeber besondere Risiken für den Finanzmarkt und hat deshalb strengere Anforderungen eingeführt – etwa bei Eigenmitteln, Reservevermögen, Liquidität oder Rücktauschrechten für Nutzer:innen.
Darüber hinaus geht es um Verbraucherschutz, Marktmissbrauch und neue Transparenzpflichten. MiCAR verpflichtet Anbieter unter anderem dazu, Risiken offenzulegen, Interessenkonflikte transparent zu machen und Insiderhandel sowie Marktmanipulation zu verhindern.
Die Folge macht damit deutlich: MiCAR bedeutet für den Kryptomarkt einen grundlegenden Wandel. Weniger „Wild West“, mehr Finanzmarktregulierung – aber gleichzeitig auch mehr Rechtssicherheit und neue Chancen für skalierbare Geschäftsmodelle innerhalb Europas.