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Mega-Exit von Circula: „Wir hatten ein halbes Dutzend Angebote”

Die Übernahme von Circula durch Personio ist einer der größten Fintech-Exits in diesem Jahr. Im Gespräch mit Payment & Banking erklärt Gründer Nikolai Skatchkov die Details.

Nikolai Skatchkov, Mitgründer von Circula, über den Verkauf des Berliner Fintechs an Personio
Nikolai Skatchkov, Mitgründer und CEO von Circula, erklärt im Gespräch mit Payment & Banking die Details des Exits an Personio – und warum ein dreistelliger Millionenbetrag geflossen sein soll.

So richtig ans Feiern denkt Nikolai Skatchkov gerade nicht. Dabei hätte der Mitgründer des Berliner Fintechs Circular allen Grund dazu. Zusammen mit seinem Co-Gründer Roman Leicht hat er gerade die Firma an das HR-Start-up Personio verkauft: Circula bietet Unternehmen Software an, mit der sie Ausgaben wie Belege von Geschäftsreisen oder Ausgaben über Firmenkreditkarten verwalten können. Aktuell nutzen 3000 Unternehmen die Software von Circula. „Für uns beginnt einfach ein spannendes neues Kapitel”, sagt Skatchkov nach der Verkündung des Deals. Er spüre so etwas wie Aufbruchstimmung. 

Über die Bewertung ist nichts näheres bekannt. Auch Nikolai Skatchkov hält sich bei den preislichen Details des Deals im Gespräch mit Payment & Banking zurück. In der Szene munkelt man aber, dass ein dreistelliger Millionenbetrag geflossen sei. Damit wäre der Verkauf wohl einer der größten Exits in der Fintech-Szene in diesem Jahr. Davon dürften Investoren wie unter anderem der Main Incubator und der Alstin Fonds von Carsten Maschmeyer profitiert haben. Auch Personio selbst war bereits mit einer Minderheitsbeteiligung von einem Prozent dabei. Die Unternehmen arbeiten bereits seit ein paar Jahren zusammen.

Circula erstmals profitabel  

Dabei sah es lange nicht nach einem Exit aus. Denn das 2017 gegründete Fintech hat auch schwere Jahre hinter sich. In der Anfangszeit sei man vier oder fünf Mal fast Pleite gegangen, erzählte Nikolai Skatchkov einmal. Zudem arbeitete das Startup lange nicht profitabel. Die angekündigte internationale Expansion von Circula etwa in die Niederlande oder Spanien hat bisher nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellte. Zwar ist Circula in 25 Ländern im Einsatz und in 13 Ländern auf das lokale Steuerrecht angepasst, doch verhinderte die gut finanzierte Konkurrenz von Fintechs wie Cleo, Payhawk oder Moss dort große Wachstumszahlen. 

Also voller Fokus auf Deutschland, auf Steuerberatung und den Mittelstand. „Wir haben festgestellt, dass jeder Euro, den wir in Deutschland investieren, uns weiter an unser Wachstumsziel bringt.” Das hat funktioniert: In der zweiten Jahreshälfte 2026 sei man nun profitabel, so Skatchkov. Mit starken Finanzen habe man sich alle Optionen offen halten wollen: „Für uns war es wichtig, einen gewissen Grad an Flexibilität zu behalten”, sagt er. Gleichzeitig habe man das Ziel der internationalen Expansion nicht aus den Augen verloren und dafür einen Partner gesucht.   

Neben einem Verkauf sei eine Zusammenarbeit mit einem Finanzinvestor oder auch eine Weiterarbeit auf eigene Faust eine Option gewesen: Seit Ende vergangenen Jahres habe es  Anfragen gegeben: „Wir hatten ein halbes Dutzend Angebote”, sagt Skatchkov. Wohl ausschlaggebend für den nun beschlossenen Verkauf: Im Sommer schrieb auch Personio erstmals schwarze Zahlen, wodurch Wachstumsthemen wieder in den Fokus rückten. Personio-CEO Hanno Renner und die Circula-Gründer nahmen Gespräche auf.

Lösungen für denselben Bereich 

Man habe gleich gemerkt, wie gut sich Personio und Circula ergänzten, sagt Skatchkov. Personio ist mit seiner HR-Software inklusive Gehaltsmanagement in einem ähnlichen Bereich unterwegs. Jetzt gehe es darum, die Produkte stärker zu verzahnen. Seit dieser Woche sei die Anmeldung bereits zusammengelegt. Das sei aber nur der erste Schritt. „Es gibt Potenziale, gemeinsame Lösungen zu präsentieren”, so der Gründer. So möchte man die Abrechnung von Spesen über die Gehaltsabrechnung laufen lassen. Circula arbeitet daran, dass Unternehmen die Ausgabe ihrer geldwerten Vorteile wie Zuschüsse für Mittagessen, Jobräder oder Altersvorsorge einfacher verwalten können. 

Außerdem teilen die Unternehmen 500 gemeinsame Kunden wie Everphone, About You, Westwing und Tonies, die beide Softwares mit einer Schnittstelle nutzen. Zudem sei die Kundengruppe ähnlich, fügt Katchkov hinzu: Beide Start-ups sprechen mittelständische Unternehmen von etwa 50 bis ein paar Tausend Mitarbeitern an: „Mit Personio können wir unser Angebot auf ein neues Level heben”, sagt Skatchkov. 

Für Skatchkov und Leicht geht es jetzt unter dem Dach von Personio weiter. Zeit zurückzuschauen, bleibt da nicht: Aktuell konzentriere er sich darauf, die Belegschaft in die neue Struktur zu überführen. Ab November übernimmt Nikolai Skatchkov die Position des General Managers für den Bereich Ausgabenmanagement bei Personio und kümmert sich darum, die Produkte von Circula in Personio zu integrieren. Sein Co-Gründer Roman Leicht wird Leiter der Engineering-Teams für die unternehmensinterne Produkt- und Technologieeinheit. 

Autor

Lukas Homrich
Lukas Homrich

Lukas Homrich ist freier Journalist und Mitarbeiter des dreimaldrei Journalistenbüros. Er schreibt über Wirtschafts- und Finanzthemen. Besonders Spaß macht es ihm, über Geschäftsmodelle zu philosophieren.