Das war die KEX 2026: Alles Wichtige zum Nachlesen
Das erste Mal treffen sich Expert:innen aus der Banken und Fintech-Branche in Hamburg, um darüber zu sprechen, wie Künstlichen Intelligenz gerade den Finanzsektor verändert.
Wir begleiten die Panels an diesem Tag. Das Wichtigste gibt es hier (das Neueste von oben).
Keine KI, kein Bock, kein Job
Was machen, wenn die Mitarbeiter den Umgang mit KI nicht lernen wollen? Dann kann man einfach KI-Mitarbeiter einstellen. Genau solche bietet Niclas Barthélemy, Gründer von Scoreprise.ai, an. Wobei er auf dem finalen Panel der KI Exchange, „KI als integraler Teil moderner Unternehmenskultur“, direkt betont, dass es nicht darum geht, mit dem Menschen in Konkurrenz zu treten. „Es gibt Dinge, die KI gut kann, Datenanalyse etwa“, sagt er. Managementaufgaben würden diese aber eher nicht übernehmen. „Die Idee ist, KI zu normalisieren, etwa wenn die jetzt im Mittelstand adaptiert wird“, sagt er.
Entspannt sollten KI-resistente Mitarbeiter aber eher nicht sein, wie die anderen Panel-Teilnehmer, die Moderator Max Schwarz (heute mit Dreifachschicht als Diskutant, Moderator und Lab-Leiter) zusammengetrommelt hat. Julia Kruslin, Beatvest-CEO, lobt die eigene KI-Transformation und betont, dass sie eigentlich niemanden mehr anstellt, der mit Claude nicht umgehen kann. „Es gab noch nie einen solchen Gap zwischen Mitarbeitern“, sagt sie: „Und gerade die Top-Talente, die mit KI gut umgehen können, wollen auch zu Firmen, wo sie schnell zum Arbeiten kommen.“
Jan Henri Kalinowski, Gründer des Cheftreff-Netzwerks, ist nicht ganz so drastisch unterwegs. „Es ist wichtig, wissbegierig zu sein und zu versuchen, die KI zu verstehen“, erklärt er. Aber nach wie vor gebe es natürlich über die KI hinausgehende Skills, die nicht verschwinden.
Was bei der Transformation zu KI im Fokus stehen sollte? „Spaß“, sagt Barthélemy. Er plädiert dafür, deutlich zu machen, dass die KI für noch mehr Spaß bei der Arbeit sorgen könne – und eben keine Bedrohung ist.
Spaß wollen wir jetzt auch haben, denn das war es für heute. Die erste Ausgabe der KEX ist vorbei. Danke fürs Lesen, bis zum nächsten Jahr!
KI als Betrugsjäger – ohne Mensch wird das nichts
Fast haben wir es geschafft: Kurz bevor die Teilnehmer:innen zum Socializing entlassen werden, erzählt Carmen Honacker von Risk Ident aus ihrem Alltag als Betrugsjägerin. Wie identifiziert man Betrug, wenn der Handel von KI-Agenten übernommen wird? „KI ist in der Lage, Menschen sehr gut nachzuahmen”, sagt Honacker. Das wird immer schwerer, wenn KI mittlerweile sogar Personen in Telefonaten nachahmen kann. Häufig versuchen Betrüger, mit KI-Agenten CEOs darzustellen, um so hohe Überweisungen zu erreichen. Das klappt leider häufiger, als viele denken.
Auf der anderen Seite bräuchten Betrugs-Experten eine Mischung aus technischer Hilfe mit KI aber auch Erfahrung. in Beispiel ist ein Anruf des angeblichen CEOs eines Sportwagenherstellers, dessen Betrugsversuch scheiterte, weil die KI seinen spezifischen norditalienischen Akzent nicht nachahmen konnte. Es gehe darum, den Menschen gegen die KI auszuspielen, sondern ihn mit den Fähigkeiten eines Modells zu ergänzen. „Für mich ist die KI mittlerweile der beste Assistent der Welt”, sagt sie. Während die KI Schnelligkeit bringe, habe der Mensch die nötige Empathie, das ethische Engagement und die jahrzehntelange Erfahrung ein, die sich nicht einfach als Datensatz einspeichern lasse.
The (Drop-Down-)Menu: KI vs. Software wird zum Küchenthriller
Das Abendessen rückt näher, aber erstmal gibt es nur Software zu essen. Und das auch nur für die KI. „Is AI eating Software?“ fragt Maik Klotz sein Panel. Die Antwort? Kommt drauf an, wenn man fragt. Michael G. Müller, Industry Advisor bei Microsoft Deutschland, ist von Dienstwegen schon skeptisch, dass Enterprise Software durch KI verdrängt. „Ich bin mir sicher, dass der UI-Layer verschwinden wird, aber der Business-Layer ist glaube ich nicht so einfach zu ersetzen“, sagt er.
Richard Würl, Principal beim Wagniskapitalgeber Redstone und als solcher mit Early-Stage-Firmen befasst, weist aber auch auf die Schwäche der großen Softwarefirmen hin. „Die sind schon lange da, das ist oft der Hauptgrund.“ Die User Experience sei aber oft schlecht, wenn jetzt neue Unternehmen das gleiche Niveau an Ausdifferenzierung ermöglichen mit besserem Design – ja dann könnte es gefährlich werden.
Relativ sicher sind wiederum wohl bis auf Weiteres Kernbanksysteme. Alteingesessen, kompliziert, oft nur von wenigen Experten unterhalten – aber auch kaum ersetzbar. „Ich bin im Bezug auf Kernbanksysteme unsicher, stehe bei 50-50, ob wir sie ersetzt bekommen“, meint Fincite-Gründer Ralf Heim.
Am Ende sind sich dann doch alle in dieser Sache einig: Einiges wird sich ändern, vermutlich auch recht bald. Aber ob die KI nun die Software frisst oder sich die großen Enterprise-Riesen als unverdaulich erweisen? Wer SAPs Systeme kennt, der würde wohl instinktiv auf letzteres setzen.
Live Demo: So lässt man die KI für sich einkaufen
Hypothetisches Szenario: Die fiktive Kundin Robin Lee braucht eine Smartwatch für einen Schnorcheltrip für ihren nächsten Urlaub. Außerdem hat ihr Sohn bald Geburtstag und wünscht sich einen Gaming-PC. Das bedeutet eigentlich viel Arbeit, um die Geräte zu finden, die ihre Vorstellungen erfüllen. Mastercard und der Acquirer Elavon zeigen in einer Live-Demo eines Online-Electronic-Shops, was ein Agent ihr nun abnehmen kann. Auf der Bühne zeigen Lena Bergunde (Mastercard) und ein Checkout-Entwickler (Elavon), wie es geht:
Auf der Website öffnet sich ein Eingabefenster. Die Kundin erklärt, nach was sie sucht: Budget (800 Euro), Handgelenksgröße (110 mm), bissfest (weil Hunde-Haushalt). Durch Erinnerungen, die bei der KI hinterlegt sind, weiß der Agent auch, dass die Kundin auffälliges Design mag. Der Agent durchsucht daraufhin die Produktbeschreibungen und schlägt passende Modelle vor. Dann noch Rückgabebedingungen (30 Tage) und Lieferzeiten (1–3 Werktage) geklärt und die Kundin legt das Produkt per Chat-Befehl in den Warenkorb. Der Agent leitet den Checkout ein, bleibt aber aus Sicherheitsgründen von den eigentlichen Zahlungsdaten getrennt. Die Kundin bestätigt die Zahlung biometrisch über das „Click to Pay“-Verfahren von Mastercard. Voila – Bestellung aufgegeben. Auch die Auswahl des Gaming-PCs klappt im Handumdrehen, obwohl sie sich mit Computern nicht auskennt. Die Rückgabe funktioniert auch bequem über den Shop-Agenten. In manchen Fällen fungiert der Agent als technischer Support. Statt sofort eine Retoure einzuleiten, bietet er Schritt-für-Schritt-Anleitungen für technische Probleme und kann damit Rückgaben verhindern.

Es bleibt die Kernfrage: Kann das die Konversion am Checkout im Vergleich zum normalen Einkauf erhöhen? Das ist leider noch nicht klar. Bis jetzt ist das Projekt im Testmodus. Wir freuen uns auf die ersten Ergebnisse.
Praxisbeispiele und Tiefenphilosophie
Nach viel Theorie jetzt ein wenig Praxis, oder – wie man auf Neudeutsch sagt – „Use Cases“. Dazu hat sich Moderatorin Sophie Osen Akhibi ein hochkarätiges Team zusammengestellt. Besonders griffig ist das Beispiel, dass ING-Transformationschefin Johanna Biedinger mitbringt: Instant Baufinanzierung. Mithilfe von KI bekommen ING-Kunden in kurzer Zeit eine Objektdatenvalidierung und einen Bonitätscheck – und dann in 30 Minuten eine Rückmeldung. Toll! (Zumindest für diejenigen, die dann auch eine Baufinanzierung bekommen)
André Heyden von cAI, der KI-Tochter der Inkasso-Firma Coeo, präsentiert stolz das Dokumentenverarbeitungsprogramm seiner Firma, die selbst im wilden Wust von Schuldnerunterlagen den Durchblick behält.

Und Eva Marie Hildebrand von der Helaba berichtet von Shark-Tank-artigen Pitchrunden in der Landesbank, bei denen entschieden wird, welche KI-Projekte denn nun umgesetzt werden. „Es muss einige feste Kriterien erfüllen, unter anderem muss es skalierbar und bank-weit einsetzbar sein“, berichtet sie.
Da bricht doch glatt der KI-Optimismus in einem aus. Den bremst dann aber der letzte Panel-Gast, Karim Mustaghni, Gründer von The Creativs, noch mal etwas aus. Mustaghni ist einer der wenigen Bühnenredner ohne Finanzhintergrund. Vielleicht hat er gerade deshalb die große philosophische Perspektive. „Ich glaube, es ist wichtig, dass KI kein Denkersatz wird“, sagt er. Zu oft würden wir uns Informationen durch schnelle KI-Antworten ins Unterbewusstsein holen, davon aber langfristig nicht profitieren. „Die Kunst ist, sich von den KI-Programmen zum Beispiel über Umwege, etwa weiterführende Fragen, zur Information führen zu lassen“, rät er. Da klang die 30-Minuten-Baufinanzierung doch irgendwie verlockender…
So kommen wir an die Daten für die KI-Beratung
Wie das mit der Datengrundlage funktionieren könnte, erklärt nun Susanne Krehl, Wachstumschefin beim Dienstleisters für Finanzdaten wealthAPI. Kund:innen nutzten KI schon längst als Finanzberater. Berater bei Finanzunternehmen profitierten davon aber noch nicht: „Die KI in der Bank, weiß eigentlich nix über mich.” Der Grund: Sie ist auf die eigenen Bankdaten beschränkt. Viele nutzen aber mehrere Finanzapps: Banken, Broker, Versicherungen. Kurz: Ohne die umfassenden Daten klappt KI-Beratung nicht.

Die Datengrundlage stellt wealthAPI zur Verfügung. „Die KI schlägt den Menschen an dieser Stelle nicht mit Intelligenz, sondern mit Vollständigkeit”, sagt Krehl. Finanzdaten geben ein umfassendes Bild über Lebensumstände, erklärt sie. „Die Daten für die Kund:innen gibt es vor dem ersten Händedruck.” Damit können Berater:innen Empfehlungen geben und sogar simulieren, wie sich das Weltgeschehen auf das eigene Portfolio auswirkt. Gleichzeitig kann man Anlagen, Steuern, Ausschüttungen und andere Stellschrauben optimieren.
KI kann Steuerberater killen - darf aber nicht
Wäre irgendwer böse, wenn die KI uns bald die Steuererklärung abnehmen würde? Eigentlich nicht, aber trotzdem berichten unsere Gäste beim Steuer-KI-Panel davon, dass das gar nicht so einfach ist. Denn es gibt Beharrungskräfte, die sich gegen Neuerungen sperren. „Steuerberater ist nun einmal ein geschützter Beruf, damit müssen wir umgehen“, sagt Markus Berger-de-Léon, COO von Taxfix. Aber er betont: Taxfix und andere Firmen schließen eine Lücke, denn es gibt in Deutschland zu wenig Steuerberater. „Uns hilft diese Situation, denn die Materie bleibt ja hochkomplex“, sagt Agnieszka Walorska, Gründerin des Steuer-Fintechs Mika.
Gerade Kleinunternehmer kämen bisher oft nicht um einen Steuerberater rum, sagt Walorska. Deswegen gehe es bei Angeboten wie ihrem gar nicht in erster Linie um die „Demokratisierung“ der Steuer – „sondern um die Demokratisierung des Unternehmertums“, sagt sie. Denn ohne die Last der Steuerthemen könne der Unternehmer sich wieder seinem eigentlichen Zweck widmen.

Noch allerdings stößt die KI im Steuerbereich an ihre Grenzen, wie auch Walorska berichtet. „Am Anfang hat unsere KI 70 Prozent der Fälle richtig gelöst“, sagt sie. Entsprechend sei der Human-in-the-Loop wichtig. Aber von abnehmender Bedeutung: „Mittlerweile sind wir bei etwa 97 Prozent der Fälle, die gelöst werden.“ Da bekommt man doch direkt Lust auf die KI-Steuererklärung
Warum tut sich Europa mit Finanzdaten so schwer?
Damit tauchen wir aus der sonnigen Mittagspause wieder ein in den dunklen Kontrollraum der Finanzmaschinerie. In dem geht es gerade hoch her. Das Fintech Plaid krempelt gerade den US-Markt für Finanzinformationen um. Die Plattform verknüpft Apps wie Venmo oder Robinhood und stellt so weitreichende Finanzdaten für Beratung zur Verfügung. Auf einer Jahreskonferenz hat das Unternehmen gerade ein Modell vorgestellt, das speziell für die Analyse von Finanztransaktionsdaten gebaut wurde. Das Unternehmen möchte jetzt auch in der EU groß werden.

Dort ist noch niemand soweit, beobachtet Nicola Breyer. Für die Open-Finance-Expertin und Payment & Banking-Kolumnistin ist eine solche Datengrundlage und ein europäisches Modell aber unverzichtbar: „Jede Beratung muss letztlich KI nutzen und dafür müssen Daten verfügbar sein.” Ihr Gesprächspartner Friedhelm Schmitt hat mit Fincite einen großen Player für Finanzanalyse-Software für wohlhabenden Kund:innen gegründet. Und er ist sauer – sauer über die fehlende Datenverfügbarkeit in Europa. Dieser Markt sei sehr fragmentiert. „Da sind die amerikanischen Kollegen deutlich weiter.” Viele europäische Fintechs könnten nur ein oder zwei Märkte abdecken und seien zu klein, um eine europaweite Expansion zu ermöglichen. Wie gelingt also eine souveräne, europäische Antwort auf Plaid?
Es geht vor allem um mehr Investitionen: „Da ist zwar ein Wille, aber das Geld fehlt oft, um die Strukturen aufzubauen”, sagt Breyer. Die seien in Europa noch nicht in dem Maße vorhanden. Sie brauche es, findet auch Schmitt. Denn organisches Wachstum sei im europäischen Markt durch die Fragmentierung begrenzt. Aber auch bei der Einstellung der Unternehmen sieht er Probleme: Finanzunternehmen dürften nicht stolz darauf sein, nicht den kompletten Überblick über die Finanzdaten ihrer Kund:innen zu haben, sagt Schmitt. Die Chancen für Plaid in Europa scheinen also gut zu sein.

Wie Compliance versucht, die KI (wieder) einzufangen
So begeistert manche in den Banken und anderen Finanzinstituten KI adaptieren, so besorgt sind oft die Compliance-Verantwortlichen. Es ist ja toll, wenn Transaktionen viel unkomplizierter überwacht und die KYC-Analysen schneller abgeschlossen werden. Nur: Wenn dann der Prüfer ins Haus kommt, muss man dem auch erklären können, was der eigene Agent da genau entschieden hat. „Hat man dann keine gute Antwort, ist das ein Problem“, sagt Julia Quittek, Mitgründerin von Consalty. Angeleitet von Barbara Klingelhöfer diskutiert sie mit Frank Passing (Fairfield & Archer) und Max Schwarz (Devctrl) über die Probleme, die Compliance-Abteilungen angesichts der KI-Revolution drohen.
„Ein großes Problem ist, dass die Tech- und Compliance-Verantwortlichen nicht dieselbe Sprache sprechen“, sagt Schwarz. Und die KI-Agenten würden oft auf der Suche nach Lösungen für die ihnen vorgelegten Probleme Regeln schnell brechen. „Deswegen ist es wichtig, einen Policy-Layer einzuziehen, der die KI ausbremst“, sagt er.
Frank Passing betont die Bedeutung vernünftiger KPIs, damit die Compliance-Kompatibilität der KI überprüfbar bleibe. „Es muss nachvollziehbar sein, dass die KI wirklich das liefert, was sie liefern soll“, sagt er. Gerade, weil die Agenten oft Ergebnisse liefern, die auf den ersten Blick plausibel scheinen – aber einer genaueren Prüfung nicht standhalten.

Der Buhmann im KI-Maschinenraum?
Wie gehen Banker:innen in Zukunft mit ihren KI-Kollegen um? Diese Frage behandelt das nächste Panel. KI sorge auch dafür, dass Kund:innen Angebote besser hinterfragen und schneller an rechtliche Einschätzungen kommen können, meint Bastian Bahnemann (Microsoft): „Mit der KI werden komplexe AGBs vergleichbar.” So würden Anfragen komplexer und die Erwartungen von Kund:innen an Banken größer.
Auch intern ändert der KI-Kollege einiges. „Software Teams arbeiten fast ausschließlich im Homeoffice und lassen Agenten arbeiten”, sagt Dominik Schütz (LBBW). Laut Karsten Traum (DKB) erwarteten noch zu viele Führungskräfte , dass KI von anderen eingeführt werde: „Da muss jeder bei sich selbst anfangen”, sagt er. Man müsse Mitarbeiterinnen geschützte Räume zum ausprobieren geben. Paradox sei dabei, wie wichtig es werden, dass sich Mitarbeiter:innen physisch zusammensetzen.
Und natürlich gebe es auch Skepsis, wirft Silke Finken ein. Die sei oft im Betriebsrat besonders groß. Man müsse den früh einbinden, glaubt Dominik Schütz. „Das Schlimmste, was man tun kann, ist ihn zu überraschen.” Laut Bahnemann könne der Betriebsrat auch helfen. „Die Mitarbeiter haben ein Interesse daran, die besten Tools zu nutzen”, sagt er. Die gehörten auch zur Wettbewerbsfähigkeit. Eine gute KI-Nutzung sichere so auch Arbeitsplätze.
Aber denkt dabei jemand an die Kinder? „Noch haben wir eine extrem lange Ausbildung”, sagt Schütz. Am Ende könne KI die Lernkurve in Schule, Studium und Berufsbeginn beschleunigen. Junge Menschen kommen mit neuen Tools besser klar als ältere, beobachtet Bahnemann. „Das ist auch ein Wettbewerbsvorteil”, sagt er. Schütz widerspricht. Es sei gerade noch zu einfach, wichtige Einstiegsjobs zu ersetzen. Das könne sich aber langfristig rächen. Vielleicht ein Thema für ein anderes Panel.
Scheitern die Shopping-Agenten an der Farbenlehre?
Seit Monaten sprechen wir über Agentic Commerce. Aber bisher muss man immer noch selbst einkaufen wie ein Steinzeitmensch. Vielleicht können uns ja die Diskutanten des ersten Panels aufzeigen, wann wir endlich den persönlichen KI-Shopping-Agenten kriegen. Tatsächlich geht es aber erst mal wieder um die Probleme und die Hürden, die dem Agentic Commerce im Weg stehen. Verständlich, aber trotzdem schade.
Wer etwa übernimmt am Ende die Verantwortung für Entscheidungen – und vor allem Fehlentscheidungen – die Agenten treffen? Und wann ist ein Fehler überhaupt ein Fehler? „Wenn ich blaue Schuhe haben möchte, aber am Ende türkise bekomme, ist das noch in Ordnung“, fragt Silke Finken, Professorin für Innovationsmanagement an der International School of Management.

Um solche Fragen zu klären, wird es eine Art ehrlichen Makler brauchen. Wer das wird, das ist aber noch unklar. Finken sieht tatsächlich die Hausbanken der Konsumenten in einer guten Position, das hätten erste Umfragen ergeben. Worüber sich natürlich Florian Zenk, Produkt- und Innovationsmanagementleiter bei der Sparkassentochter S-Payment, sehr freut. „Das Thema Vertrauen und Schutz des Kontos, darum kümmern wir uns ja heute schon“, sagt er. Aber er sieht auch Limits: „Ob die Leute zukünftig wirklich Schuhe über die Sparkassen-App kaufen, das weiß ich nicht.“
Auch die Frage, ob der Agent unbedingt im Interesse des Nutzers handelt, wird noch heiß diskutiert. „Ich erwarte, dass da auch die Verbraucherverbände alle Agenten intensiv testen und schauen, nach welchen Kriterien die tatsächlich entscheiden“, sagt Tom Braegelmann, Rechtsanwalt bei Annerton.
Hochrelevant wird dieses Thema dann vor allem im B2B-Handel. Moderator Vincent Haupert (CEO von Yaxi) hätte hier gerne ein paar Use Cases. Top-Beispiel: Agentic Procurement. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass hier per KI Angebote eingeholt und verglichen werden“, sagt Silke Finken. Zumindest (Vor-)Verhandlungen könnten zukünftig auch Bots führen, vermutet Braegelmann.
So bleibt am Ende leider noch vieles im Ungefähren. Aber: „Anders als bei E-Commerce und Mobile-Commerce sehe ich wenig Zweifel, dass sich das durchsetzt“, sagt Google-Pay-Manager Victor Bergmann: „Der Mehrwert des Agentic Commerce ist für viele Leute intuitiv greifbar.“
So werden Händler Agent-Ready
Agentic Commerce wäre eigentlich schon Anlass für eine eigene Konferenz. Till Dietrich ist der oberste Verkäufer für den Zahlungsdienstleister Stripe im DACH-Raum und hat ein Produkt für Händler dafür mitgebracht. Die Zahl der Nutzer:innen, die über KI-Agenten auf Strip-Händler stoßen, habe sich im Jahresverlauf verdoppelt, so Dietrich. Bisher bleibt suchen die Agenten jedoch meistens nur nach Produkten.
Doch wie beim autonomen Fahren mit einem Auto geht das eigentliche Ziel weiter. Level 4: Der KI-Agent erkennt und bezahlt Produkte eigenständig. Um das zu ermöglichen, hat Stripe eine eigene Suite gebaut. Händler können damit strukturierte Produktdaten bereitstellen, den Checkout einrichten und damit Agenten ermöglichen, eigenständig zu bezahlen. In den USA ist die Zahlung schon heute möglich. Mehr darüber wie es hierzulande weitergeht, erfahren wir nächste Woche bei einer eigenen Konferenz von Stripe in Berlin. Wir sind gespannt…

Ist die Bank nun Straße oder Auto?
In jedem Fall lässt sich der Exchange-Dauergast Stephan A. Paxmann von der Umgebung inspirieren. Der Chief Innovation Officer der LBBW warnt vor Disruption: Als Bank wolle man eben nicht nur das Logo auf dem Lenkrad sein, sondern auch die dahinterliegende Technologie bauen und kontrollieren. „Alles nur von außen zu kaufen, ist keine gute Idee“, warnt Paxmann.
Allerdings dürfe man den Agenten nicht einfach loslassen. Wichtig seien „Guide Rails und Quality Rails“, um die KI auf den richtigen Weg zu schicken.

Es geht los
Im Automuseum Prototyp in der Hamburger Hafencity werden Maschinen aus dem vergangenen Jahrhundert ausgestellt. Mit Künstlicher Intelligenz sprechen Panelist:innen heute über die wichtigsten Maschinen des 21. Jahrhunderts. Mit im Maschinenraum ist unser KI-Agent CLYDE (Kurz für – Luft holen: Cybernetic Logical Yield & Discussion Entity), der ganz genau mithört. Er sitzt mit auf der Bühne auf einem „Empty Chair" und wird sich immer wieder mit der ein oder anderen spitzen Frage melden. Wie das so läuft, lest ihr hier.