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Jetzt auf der KEX 2026: Mehr Agenten als in Wien

Das erste Mal treffen sich Expert:innen aus der Banken und Fintech-Branche in Hamburg, um darüber zu sprechen, wie Künstlichen Intelligenz gerade den Finanzsektor verändert. Wir begleiten die Panels an diesem Tag. Das Wichtigste gibt es hier.

Jetzt auf der KEX 2026: Mehr Agenten als in Wien
In den Hallen des Automuseum Prototyp in der Hamburger Hafencity beginnt die erste KI-Exchange. (Fotos: Helena Heilig)

Scheitern die Shopping-Agenten an der Farbenlehre?

Seit Monaten sprechen wir über Agentic Commerce. Aber bisher muss man immer noch selbst einkaufen wie ein Steinzeitmensch. Vielleicht können uns ja die Diskutanten des ersten Panels aufzeigen, wann wir endlich den persönlichen KI-Shopping-Agenten kriegen. Tatsächlich geht es aber erst mal wieder um die Probleme und die Hürden, die dem Agentic Commerce im Weg stehen. Verständlich, aber trotzdem schade.

Wer etwa übernimmt am Ende die Verantwortung für Entscheidungen – und vor allem Fehlentscheidungen – die Agenten treffen? Und wann ist ein Fehler überhaupt ein Fehler? „Wenn ich blaue Schuhe haben möchte, aber am Ende türkise bekomme, ist das noch in Ordnung“, fragt Silke Finken, Professorin für Innovationsmanagement an der International School of Management.

Tom Braegelmann (Annerton, l.) und Jakob Bouchetob (EY Consulting) im Austausch.

Um solche Fragen zu klären, wird es eine Art ehrlichen Makler brauchen. Wer das wird, das ist aber noch unklar. Finken sieht tatsächlich die Hausbanken der Konsumenten in einer guten Position, das hätten erste Umfragen ergeben. Worüber sich natürlich Florian Zenk, Produkt- und Innovationsmanagementleiter bei der Sparkassentochter S-Payment, sehr freut. „Das Thema Vertrauen und Schutz des Kontos, darum kümmern wir uns ja heute schon“, sagt er. Aber er sieht auch Limits: „Ob die Leute zukünftig wirklich Schuhe über die Sparkassen-App kaufen, das weiß ich nicht.“

Auch die Frage, ob der Agent unbedingt im Interesse des Nutzers handelt, wird noch heiß diskutiert. „Ich erwarte, dass da auch die Verbraucherverbände alle Agenten intensiv testen und schauen, nach welchen Kriterien die tatsächlich entscheiden“, sagt Tom Braegelmann, Rechtsanwalt bei Annerton.

Hochrelevant wird dieses Thema dann vor allem im B2B-Handel. Moderator Vincent Haupert (CEO von Yaxi) hätte hier gerne ein paar Use Cases. Top-Beispiel: Agentic Procurement. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass hier per KI Angebote eingeholt und verglichen werden“, sagt Silke Finken. Zumindest (Vor-)Verhandlungen könnten zukünftig auch Bots führen, vermutet Braegelmann.

So bleibt am Ende leider noch vieles im Ungefähren. Aber: „Anders als bei E-Commerce und Mobile-Commerce sehe ich wenig Zweifel, dass sich das durchsetzt“, sagt Google-Pay-Manager Victor Bergmann: „Der Mehrwert des Agentic Commerce ist für viele Leute intuitiv greifbar.“

So werden Händler Agent-Ready

Agentic Commerce wäre eigentlich schon Anlass für eine eigene Konferenz. Till Dietrich ist der oberste Verkäufer für den Zahlungsdienstleister Stripe im DACH-Raum und hat ein Produkt für Händler dafür mitgebracht. Die Zahl der Nutzer:innen, die über KI-Agenten auf Strip-Händler stoßen, habe sich im Jahresverlauf verdoppelt, so Dietrich. Bisher bleibt suchen die Agenten jedoch meistens nur nach Produkten.

Doch wie beim autonomen Fahren mit einem Auto geht das eigentliche Ziel weiter. Level 4: Der KI-Agent erkennt und bezahlt Produkte eigenständig. Um das zu ermöglichen, hat Stripe eine eigene Suite gebaut. Händler können damit strukturierte Produktdaten bereitstellen, den Checkout einrichten und damit Agenten ermöglichen, eigenständig zu bezahlen. In den USA ist die Zahlung schon heute möglich. Mehr darüber wie es hierzulande weitergeht, erfahren wir nächste Woche bei einer eigenen Konferenz von Stripe in Berlin. Wir sind gespannt…

Till Dietrich, Head of Sales Enterprise (DACH) bereitet Händler auf die Agenten vor.

Ist die Bank nun Straße oder Auto?

In jedem Fall lässt sich der Exchange-Dauergast Stephan A. Paxmann von der Umgebung inspirieren. Der Chief Innovation Officer der LBBW warnt vor Disruption: Als Bank wolle man eben nicht nur das Logo auf dem Lenkrad sein, sondern auch die dahinterliegende Technologie bauen und kontrollieren. „Alles nur von außen zu kaufen, ist keine gute Idee“, warnt Paxmann.
Allerdings dürfe man den Agenten nicht einfach loslassen. Wichtig seien „Guide Rails und Quality Rails“, um die KI auf den richtigen Weg zu schicken.

Stephan A. Paxmann (LBBW) übernimmt den Programmauftakt.

Es geht los

Im Automuseum Prototyp in der Hamburger Hafencity werden Maschinen aus dem vergangenen Jahrhundert ausgestellt. Mit Künstlicher Intelligenz sprechen Panelist:innen heute über die wichtigsten Maschinen des 21. Jahrhunderts. Mit im Maschinenraum ist unser KI-Agent CLYDE (Kurz für – Luft holen: Cybernetic Logical Yield & Discussion Entity), der ganz genau mithört. Er sitzt mit auf der Bühne auf einem „Empty Chair" und wird sich immer wieder mit der ein oder anderen spitzen Frage melden. Wie das so läuft, lest ihr hier.

Autor

Lukas Homrich
Lukas Homrich

Lukas Homrich ist freier Journalist und Mitarbeiter des dreimaldrei Journalistenbüros. Er schreibt über Wirtschafts- und Finanzthemen. Besonders Spaß macht es ihm, über Geschäftsmodelle zu philosophieren.

Lars-Thorben Niggehoff
Lars-Thorben Niggehoff

Lars-Thorben Niggehoff ist freier Journalist und Gründer des Büros dreimaldrei. Er schreibt über Finanzthemen, Mittelstand und Immobilien – u. a. für Payment & Banking, Brand Eins, Capital, Welt und Wirtschaftswoche.