Payment & Banking Banner

Fintech 2026: Zwischen Sinnkrise, Wachstum und neuen Chancen

Krypto schwächelt, große Player wachsen und Europa sucht seinen eigenen Weg. Caspar Tobias Schlenk über Trends, Überraschungen und das, was jetzt wirklich zählt.

Fintech 2026: Zwischen Sinnkrise, Wachstum und neuen Chancen

Die Fintech-Welt wirkt 2026 auf den ersten Blick widersprüchlich: Während einige Themen überraschend an Dynamik verlieren, gewinnen andere massiv an Bedeutung. Im Gespräch mit Caspar Tobias Schlenk wird schnell klar: die Branche steht an einem Punkt, an dem sich vieles neu sortiert.

Eine der größten Überraschungen: Krypto. Eigentlich hätte der politische Rückenwind aus den USA – inklusive gelockerter Regulierung und prominenter Unterstützung – einen neuen Boom auslösen müssen. Stattdessen steckt die Branche eher in einer Findungsphase. Einzelne Themen wie Stablecoins oder Prediction Markets bleiben relevant, aber das große Narrativ fehlt aktuell.

Parallel dazu zeigt sich ein klarer Trend: Die großen Fintechs werden größer. Player wie Trade Republic oder Scalable Capital bauen ihre Angebote weiter aus – weg vom reinen Trading, hin zu Zinsen, Vermögensaufbau und neuen Assetklassen wie Private Markets. Strategisch nachvollziehbar, aber mit einer offenen Frage: Verliert man dabei die Nutzer, die ursprünglich wegen des „Spieltriebs“ gekommen sind?

Auch im Hintergrund verschieben sich die Kräfte. Klassische Venture-Capital-Erfolge sind rar geworden. Statt großer Exits dominieren Secondaries – wie bei Trade Republic – das Bild. Gleichzeitig hängt der Erfolg vieler Fonds stark an einzelnen großen Beteiligungen wie Revolut. Neue Finanzierungsrunden? Selten. Wirklich prägende Deals? Kaum.

Ein Thema, das weiterhin unterschätzt wird: Infrastruktur. Projekte wie Wero zeigen, wie schwer es ist, echte Alternativen zu bestehenden Systemen aufzubauen. Der Wille zur europäischen Unabhängigkeit ist da, aber Verhalten, Gewohnheiten und fehlende Akzeptanzstellen bremsen die Entwicklung. Der Aufbau eines neuen Zahlungssystems bleibt ein Marathon, kein Sprint.

Spannend wird auch der Blick nach vorn. Die geplante Reform der Altersvorsorge könnte ein echter Gamechanger werden. Steuerlich geförderte Produkte haben in Deutschland enormes Potenzial – vor allem für digitale Anbieter. Die entscheidende Frage: Schaffen sie es, neue Anleger zu gewinnen, oder profitieren nur bestehende Kunden?

Und noch etwas verändert sich grundlegend: Wie Start-ups entstehen. Dank besserer Infrastruktur und KI lassen sich Produkte heute schneller und mit weniger Ressourcen bauen. Das eröffnet Chancen für eine neue Generation von Fintechs , stellt aber auch die Frage, welche Geschäftsmodelle langfristig tragfähig sind.

Unterm Strich bleibt: Fintech ist weit davon entfernt, vorbei zu sein. Die Branche wirkt vielleicht weniger laut als noch vor ein paar Jahren , aber genau darin liegt ihre aktuelle Stärke. Die nächste Welle entsteht leiser, strukturierter und möglicherweise nachhaltiger.

Ein Gespräch über Fintech zwischen Ernüchterung und neuer Energie – mit vielen offenen Fragen, klaren Einschätzungen und einem Blick auf das, was 2026 spannend werden könnte.

Viel Spaß beim Reinhören.

Autor

André M. Bajorat
André M. Bajorat

André M. Bajorat ist seit fast 30 Jahren in der deutschen Digitalwirtschaft aktiv. Ex-CEO von figo, heute Managing Director bei einem deutschen Assetmanager. Herausgeber von paymentandbanking.com, Podcaster, Investor, Speaker und Buchautor.