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EZB sucht Händler für den Digitalen Euro

Die Zentralbank will die nächste Phase ihres Pilotprojekts einläuten und trommelt deswegen im E-Commerce-Bereich. Zwar wird die Politik entscheiden, ob und wann es einen Digitalen Euro geben wird, die EZB will dafür aber auf jeden Fall bereit sein.

Smartphone mit Digitaler-Euro-Zahlung vor Online-Shop auf Laptop – Symbolbild für das EZB-Pilotprojekt im E-Commerce
Symbolbild: Zahlung mit dem Digitalen Euro im Online-Shop – die EZB sucht jetzt Händler für die nächste Pilotphase im E-Commerce und Mobile Commerce.

Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt ihr Pilotprojekt zum digitalen Euro immer weiter voran. Nachdem bereits vor einigen Monaten interessierte Zahlungsdienstleister zusammengetrommelt wurden, sucht die EZB nun nach Händlern, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Damit geht es nun bei dem größten Projekt der jüngeren EZB-Vergangenheit zunehmend in die Details und die um Frage: W ie soll denn nun der digitale Euro ganz praktisch als Zahlungsmittel funktionieren?.

Konkret können sich bis zum 27. Oktober Online- und Mobile-Händler:innen für die Teilnahme an der Pilotphase bewerben. Die ausgewählten Unternehmen sollen eine Beta-Version des digitalen Euro in einem kontrollierten E-Commerce- beziehungsweise Mobile-Commerce-Umfeld akzeptieren. Damit kommt nach den Zahlungsdienstleistern nun eine zweite wichtige Gruppe des Zahlungsverkehrs direkt ins Pilotprojekt.

Händler:innen sollen EZB Feedback geben

Interessant ist diese neue Stufe vor allem, weil sie erstmals über die reine technische Infrastruktur hinausgeht und den berühmt-berüchtigten Händler:innen-Checkout in den Mittelpunkt rückt. Denn auch die EZB weiß: Für einen Erfolg des digitalen Euro wird es nicht reichen, wenn dieser einfach nur „funktioniert“. Die Europäer:innen müssen auch damit bezahlen wollen – und das dürfte nur funktionieren, wenn es mindestens so komfortabel wie mit Kreditkarten oder Wallets abläuft.

Genau das soll mit der neuen Stufe nun vorbereitet werden. Gemeinsam mit einem der vorher bereits ausgewählten Zahlungsdienstleister testen die Pilothändler:innen, wie der digitale Euro funktionieren könnte – und wo es potenziell noch hakt. Unter anderem sollen sie laut EZB prüfen „wie Customer Payment Journeys funktionieren und wie der digitale Euro in die vorhandenen Checkout- und Zahlprozesse passt“. Das gesammelte Feedback will die EZB dann bei der Weiterentwicklung einbeziehen.

Anlaufen soll der Pilot in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres. Die Vorbereitungsphase läuft bereits. Im Juli hatte die EZB die Auswahl von 36 Zahlungsdienstleistern aus dem Euroraum bekannt gegeben. Mehr als 50 PSPs hatten sich beworben. Ein Teil der ausgewählten Anbieter:innen soll digitale-Euro-Dienste für Nutzer:innen bereitstellen, andere übernehmen die Händlerseite und ermöglichen die Annahme der Zahlungen. Insgesamt vier Anwendungsfälle sollen während des Projekts erprobt werden, neben der Zahlung im Onlinehandel auch A2A-Payments.

Politik soll noch dieses Jahr entscheiden

Doch auch wenn es jetzt auf EZB-Seite konkret wird: Eine offizielle Entscheidung für die Einführung des digitalen Euro ist das noch nicht. Die Zentralbank hat zwar betont, dass sie für eine erste Ausgabe der Digitalwährung im Jahr 2029 bereit sein will und deswegen bereits mit Probedurchläufen beginnt. Aber sie hat auch immer wieder versichert, dass man dem Gesetzgebungsprozess nicht vorgreifen wolle.

Wann der tatsächlich zu einem Abschluss kommt, ist immer noch nicht ganz klar. Im Juli hatte das EU-Parlament grünes Licht für den Beginn der Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission gegeben, diese laufen nun. Viele Details müssen aber noch geklärt werden, etwa Haltelimits für digitale Euro-Bestände, Datenschutz, die Rolle der Banken und PSPs sowie die Gebührenstruktur.

Immer wieder heißt es, dass für eine Einführung in 2029 ein endgültiger Beschluss noch dieses Jahr nötig wäre. Ansonsten ließen sich die Systeme nicht mehr rechtzeitig aufsetzen. Ob dieser Zeitplan tatsächlich einhaltbar ist, bleibt abzuwarten. Zumindest die EZB will sich aber offensichtlich nicht vorwerfen lassen, bis dahin nicht alles in ihrer Macht stehende zu tun, um einen pünktlichen Start zu ermöglichen.

Autor

Lars-Thorben Niggehoff
Lars-Thorben Niggehoff

Lars-Thorben Niggehoff ist freier Journalist und Gründer des Büros dreimaldrei. Er schreibt über Finanzthemen, Mittelstand und Immobilien – u. a. für Payment & Banking, Brand Eins, Capital, Welt und Wirtschaftswoche.