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Banken, die ein AfD-Konto führen, sind selber rechts

Mehrere Volksbanken haben der AfD zuletzt die Bankkonten gekündigt. Warum trauen sich das die anderen nicht?  Die neue Folge von „Nils nörgelt.”

Portrait Nils Heck mit seiner Kolumne Nils nörgelt
Portrait Nils Heck mit seiner Kolumne Nils nörgelt

Mehrere Volksbanken haben der AfD zuletzt die Bankkonten gekündigt. Warum trauen sich das die anderen nicht?  Die neue Folge von „Nils nörgelt.”

Die Payment- and Banking-Szene ist zweifellos niemals langweilig. Kein Monat vergeht, ohne dass neue Produkte, Banken, Fintechs und Payment-Lösungen auf den Markt kommen. Aber wer braucht das eigentlich alles und muss man das alles gut finden? Unser Autor Nils Heck beleuchtet in seiner Kolumne „Nils nörgelt“ monatlich ein Produkt, Thema oder eben den „letzten heißen Scheiß“. Etwas zu meckern gibt es schließlich (fast) immer.

Liebe Volksbankerinnen und Volksbanker,

ihr seid nicht nur die Heldinnen und Helden, die Deutschland verdient hat, sondern auch, die Deutschland im Jahr 2025 braucht. Mit großer Freude habe ich gesehen, dass nicht nur eine Volksbank, sondern gleich eine ganze Reihe von Genossenschaftshäusern es der Alternative für Deutschland (AfD) schwerer machen und ihnen die Bankkonten gekündigt haben. Das ist nicht nur eine mutige, sondern zugleich auch eine richtige Entscheidung. Denn damit zeigen die Volksbanken, dass Banken ganz sicherlich keine Konten von Parteien führen müssen, die das Bundesamt für Verfassungsschutz zeitweise als „gesichert rechtsextremt” eingestuft hatte.*

Das ist ein ganz wichtiges Signal, bei dem alle anderen Geldhäuser schnell einmal aufhorchen sollten. Denn das heißt im Umkehrschluss natürlich auch, liebe Bankerinnen und Banker: Wenn Ihr weiterhin meint, Konten der AfD führen zu müssen, dann macht ihr das, weil ihr es wollt – nicht, weil ihr es müsst. Wenn Euch also jemand fragt, wie ihr politisch dasteht, dann könnt ihr schonmal nicht sagen, ihr wäret „gegen rechts”, denn dann würdet ihr der AfD ja endlich die Konten kündigen. Macht ihr das nicht, macht ihr nicht nur nichts gegen Rechte. Ich muss sogar annehmen, dass es Euch egal ist, was die AfD macht und sagt. Dass ihr Sätze von Björn Höcke toleriert, die da lauten: „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.” Wollt ihr wirklich solche Menschen sein? Wollt ihr wirklich solche Bankerinnen und Banker sein, die das tolerieren, nur um keinen Ärger zu haben?

Rechts, rechter, AfD: Banken sollten die Partei blockieren

Die Volksbanken jedenfalls wollen es teilweise nicht mehr und das finde ich schön. Besonders, weil die Begründung so deutlich ausfällt. Etwa bei der Verbundbank OWL. Die schreibt laut Handelsblatt zu dem gekündigten Konto: „Die Positionen der AfD, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz auf Bundesebene als ‚gesichert rechtsextremistisch‘ eingestuft wurde, sind unvereinbar mit unserem genossenschaftlichen Selbstverständnis, unserem werteorientierten Unternehmensleitbild und unseren Überzeugungen.” Und ja, genau das ist es doch. Die Banken in diesem Land haben – teilweise noch – Überzeugungen und Werte, für die sie offenbar einstehen. Das ist schön, das ist ehrlich. Und dass eine Bank meine Wertvorstellungen einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft teilt und danach handelt, das ist etwas, was ich als Kunde schätze – und da dürfte ich nicht der einzige sein.

Es ist also schon deshalb klug für Banken, die rechte AfD als Kunde abzulehnen, um etliche andere Kunden und mich zu behalten. Außerdem hilft es, das eigene Image zu schärfen und zu zeigen, wofür man eben wirklich einsteht. Dass eine NRW-AfD in Folge der Kündigung also reihenweise Ablehnungen von der Deutschen Bank, Commerzbank und der Targobank bekommt, wie die RP berichtet, finde ich ganz hervorragend. Gut gemacht, liebe Bankerinnen und Banker. Gut gemacht. Letzter Zufluchtsort in NRW war dann die Sparkasse in Düsseldorf, die die AfD bisher leider nicht ablehnen durfte. Denn als Institut in öffentlicher Hand müssen die Sparkassen tatsächlich jedem ein Konto gewähren, unabhängig von politischen Zielen. Doof finden können die Roten die AfD trotzdem und sollten das gerne auch öffentlich kundtun. Mich könnten sie als Kunden damit gewinnen.


*Anmerkung der Redaktion: Es gibt dazu einen längeren Rechtsstreit zwischen dem Verfassungsschutz und der AfD. Dessen letzter Stand ist, dass es eine Stillhaltezusage gibt, die besagt, dass der Verfassungsschutz eine solche Aussage bis zu einem Gerichtsurteil nicht wiederholen wird. Laut der Tagesschau bedeutet das aber nicht, dass er seine Meinung geändert hat, diese eben nur nicht mehr öffentlich kundtun soll. Mehr Infos findet Ihr Hier: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/afd-verfassungsschutz-rechtsextrem-100.html

Autor

Nils Heck
Nils Heck

Nils Heck ist Gründer des Journalistenbüros dreimaldrei, Buchautor und seit März 2024 Redaktionsleiter bei Payment and Banking. In seiner Kolumne „Nils nörgelt“ kommentiert er kritisch die Branche. Nebenbei jongliert er professionell.