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Wie die Digitalisierung den Mittelstand fit für morgen macht

Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft – doch bei der Digitalisierung gibt es noch Nachholbedarf. Begrenzte Ressourcen, fehlendes Know-how und Angst vor Veränderung bremsen. Wer jetzt digitalisiert, sichert seine Wettbewerbsfähigkeit.

Digitalisierung im deutschen Mittelstand: Prozesse, Technologie und Zukunftsfähigkeit
Digitalisierung im deutschen Mittelstand: Prozesse, Technologie und Zukunftsfähigkeit

Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft – doch bei der Digitalisierung gibt es noch Nachholbedarf. Begrenzte Ressourcen, fehlendes Know-how und Angst vor Veränderung bremsen. Wer jetzt digitalisiert, sichert seine Wettbewerbsfähigkeit.

Der Status quo: Rückgrat mit Nachholbedarf

Der Mittelstand, das sind 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, Millionen von Arbeitsplätzen und ein großer Teil der Wirtschaftsleistung. In vielen Bereichen gelten mittelständische Unternehmen als zukunftsweisend, innovativ und flexibel. Doch beim Thema Digitalisierung zeigt sich ein gemischtes Bild. Viele Unternehmen nutzen bereits digitale Tools, aber durchgängige digitale Prozesse sind noch die Ausnahme. Wie eine Mastercard-Mittelstandsstudie belegt, liegt der durchschnittliche Digitalisierungsgrad im Mittelstand bei soliden 7,8 von 10 Punkten – allerdings verharren 15 Prozent der Unternehmen noch unterhalb von Stufe 6. Gerade im Rechnungswesen, Einkauf und Finanzbereich wird deutlich: 75 Prozent der Unternehmen erledigen bis zur Hälfte ihrer automatisierbaren Aufgaben weiterhin manuell – das reicht von der Reisekostenabrechnung, bei der die Belegerkennung automatisch durchführbar wäre, bis hin zum Lagermanagement, das mit kamerabasierten Erfassungssystemen wesentlich effizienter ist. Digitale Werkzeuge sind zwar vorhanden, doch häufig fehlen Schnittstellen. Zudem laufen Prozesse weiterhin in Silos ab. Die Digitalisierung ist vielerorts noch ein Flickenteppich.

Die größten Hürden: Routinen, Ressourcen und Risiko

Warum geht es nicht schneller voran? Die Gründe sind vielfältig. Viele Unternehmen verfügen über begrenzte finanzielle und personelle Ressource. Nicht alle Investitionen, deren Nutzen sich erst mittel- bis langfristig auszahlt können gleich schnell gestemmt werden. Dabei kommt es oft auf wenige Monate an. Ein Unternehmen aus der Stahlbranche berichtet uns, dass ein Standort nur deshalb noch weiter in Deutschland besteht, weil kurz vor der Energiekrise die richtigen Restrukturierungsmaßnahmen ergriffen wurden.

Hinzu kommt die operative Herausforderung der Umsetzung ein Mangel an Fachkräften, insbesondere im IT-Bereich. Digitales Know-how ist rar, Change Management wird unterschätzt und Widerstände in den Teams sind groß: Die Angst vor Veränderungen und die Trägheit eingespielter Routinen bremsen den Fortschritt. Digitalisierung wird oft mit Komplexität und Unsicherheit verbunden – der Nutzen neuer Technologien ist nicht immer sofort erkennbar. Auch die Integration neuer Systeme in bestehende IT-Landschaften stellt viele Mittelständler vor Herausforderungen. Beim Unternehmen Süd-Metall Beschläge GmbH heißt es beispielsweise in unserer Studie: „Wir haben mit der Automatisierung unserer Vertriebsprozesse begonnen und arbeiten an der Automatisierung der Buchhaltungsprozesse, stehen aber noch am Anfang.“

Medienbrüche, fragmentierte Daten und Insellösungen sind oft die Folge. Dazu kommen Bedenken rund um Datenschutz und Cybersicherheit. Die Sorge vor Hackerangriffen ist berechtigt: Über eine Million Mittelständler waren bereits betroffen. Schließlich erschwert auch die Finanzierung den Wandel, da der Zugang zu Krediten für kleine Firmen oft schwierig ist und digitale Zahlungsmittel wie Firmenkreditkarten noch wenig verbreitet sind.

Die Chancen: Effizienz, neue Geschäftsmodelle und Zukunftssicherheit

Die Potenziale erfolgreicher Digitalisierung sind enorm. Von  transformativen Technologiefortschritten, wie generativer künstlicher Intelligenz kann nur der profitieren, der konsequent die digitalen Hausaufgaben gemacht hat. Konsistente und maschinell lesbare Daten sind eine Grundvoraussetzung. Wer noch nicht aufgeräumt hat, muss nun schnell handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Aber selbst die viel profanere Optimierung von Einkaufs- und Bezahlprozessen mit bereits heute erprobten Mitteln kann bereits erhebliche Effizienzpotenziale freisetzen. Laut Mastercard-Studie kann die Automatisierung zentraler Beschaffungs- und Bezahlprozesse im Rechnungswesen das EBITDA um mehr als zwei Prozent erhöhen. Virtuelle Karten beschleunigen die Abwicklung im Einkauf, sorgen für transparente Prozesse und bieten zusätzliche Liquiditätsvorteile. Lieferanten-Onboarding und -Pflege lassen sich um bis zu 40 Prozent effizienter gestalten. Gleichzeitig verbessert sich die Datenqualität – und damit die Basis für Analysen, fundierte Entscheidungen und den Einsatz von KI.

Erfolgsfaktoren: Kleine Schritte, große Wirkung

Der Weg in die digitale Zukunft ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Erfolgreiche Mittelständler setzen auf schrittweises Vorgehen: Sie starten mit kleinen, skalierbaren Lösungen und erzielen schnelle Erfolge, die Akzeptanz im Unternehmen schaffen. Entscheidend ist der Fokus auf den konkreten Kundennutzen – digitale Services und Self-Services müssen den Alltag von Kunden und Mitarbeitern spürbar erleichtern. Ebenso wichtig ist die Einbindung der Belegschaft: Schulungen, transparente Kommunikation und Beteiligung nehmen Ängste und bauen digitales Know-how auf. Kooperationen mit Start-ups, IT-Dienstleistern und Banken ergänzen fehlende Kompetenzen und bringen innovative Lösungen ins Unternehmen.

Die Deutsche Telekom kooperiert beispielsweise regelmäßig mit Tech-Start-ups und Digital-Agenturen, um etwa cloudbasierte Lösungen zu entwickeln. Durch ihre T-Venture-Initiative investiert der Konzern direkt in Jungfirmen und integriert deren Technologien in ihre bestehenden Infrastrukturen. So entstehen schneller innovative Produkte für mittelständische Kunden.

Öffentliche Förderprogramme und Netzwerke bieten zusätzliche finanzielle und fachliche Unterstützung. Und nicht zuletzt: Digitalisierung muss Chefsache sein und eine Kultur fördern, die Fehler zulässt, Experimente erlaubt und Agilität belohnt – das sind die besten Voraussetzungen, um den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern.

Fazit: Zukunft sichern – jetzt handeln

Der Mittelstand steht an einem Wendepunkt. Wer jetzt in Digitalisierung investiert, Prozesse automatisiert und neue Technologien einsetzt, legt den Grundstein für nachhaltigen Erfolg.

Beispiel Viessmann: Das Unternehmen hat seine Heizsysteme mit Sensorik und einer digitalen Serviceplattform vernetzt, sodass Anlagenzustand und Wartungsbedarf in Echtzeit überwacht werden können; das reduziert Ausfallzeiten bei Kunden und eröffnet dem Unternehmen neue, kontinuierliche Serviceumsätze. Oder das Beispiel Trumpf:  Die Technologiefirma hat mit digitalen Lösungen wie vernetzten Maschinen und der „Smart Factory“ die Durchlaufzeiten in der Blechfertigung deutlich verkürzt und den Materialfluss transparenter gemacht, was die Produktivität der mittelständischen Kunden messbar steigert.

Wir bei Mastercard haben das Programm „Mastercard Strive“ aufgelegt. Dabei geht es um eine globale Initiative, die kleine und mittlere Unternehmen (insbesondere Kleinst- und Kleinunternehmen) dabei unterstützt, erfolgreicher in der digitalen Wirtschaft zu agieren. Dazu fördert Mastercard gemeinsam mit Partnern (z. B. NGOs, FinTechs, Entwicklungsorganisationen) den Zugang zu digitalen Zahlungslösungen, Schulungen, Daten-Tools und Finanzdienstleistungen, damit diese Unternehmen z. B. Online-Vertrieb aufbauen, ihre Liquidität besser steuern und widerstandsfähiger gegen Krisen werden.

All diese Beispiele zeigen, dass Digitalisierung sowohl Effizienzgewinne als auch neue digitale ermöglicht. Mit dem Willen zur Veränderung und gezielten Investitionen kann der Mittelstand seine Rolle als Rückgrat der deutschen Wirtschaft sichern – und die Chancen der digitalen Zukunft voll ausschöpfen.

Autor

Dr. Peter Robejsek
Dr. Peter Robejsek

Dr. Peter Robejsek ist seit 2017 Geschäftsführer von Mastercard Deutschland und gestaltet dort die Zukunft des Bezahlens. Zuvor beriet er Finanzdienstleister bei Strategy& und Mastercard Advisors. An der Durham University promovierte er zu ML.