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Warum es 2018 kein Durchbruch beim Mobile Payment geben wird…

von Maik Klotz / vom 12. Februar 2018

und es auch egal ist…

Seit 2010 geistert das Thema Mobile Payment durch die Medienlandschaft. Und jedes Jahr herrscht große Einigkeit: Der Durchbruch steht unmittelbar bevor. Erst letzte Woche sollte mit Verkündigung der Quartalszahlen, endlich Apple Pay in Deutschland starten – so die Gerüchte. Bei den Gerüchten sollte es bleiben und Mobile Payment dümpelt in Deutschland noch immer vor sich hin.

Warum es 2018 kein Durchbruch beim Mobile Payment geben wird und es auch egal ist...
Photo credit: Vodafone Germany Corporate Communications on Visual hunt / CC BY-ND

Nicht so in Asien. Ende 2017 gab es alleine in China insgesamt 527 Millionen Nutzer mobiler Bezahlsysteme, was einem Anstieg um 57,8 Millionen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Fast 40 Prozent der Chinesen nutzen Lösungen wie WeChat Pay, Alipay, Baidu Wallet oder eben Google und Apple Pay. Damit liegen die Chinesen weit vorne beim Thema Mobile Payment. Auch in Indien ist die Mobile Payment Welt in Ordnung. Ende des letzten Jahres konnte die Mobile Payments App paytm 100 Millionen Downloads verzeichnen. Ganz anders sieht es im Rest der Welt aus, z.B. in den USA. Dort nutzen nicht einmal 6 Prozent mobile Wallets. So nutzen Walmart Pay gerade einmal auf 5,9 Prozent, der Amerikaner gefolgt von Apple Pay mit 5,7 Prozent. Sieht man mal von China ab, sieht es insgesamt Mau aus was das Thema Mobile Payment betrifft.

Warum es 2018 kein Durchbruch beim Mobile Payment geben wird und es auch egal ist...
Bild/Quelle: Jochen Siegert

 Mobile Payment: Situation in Deutschland

In Deutschland haben sich in den letzten Jahren viele Lösungsanbieter am Mobile Payment abgearbeitet. Mit mäßigem Erfolg. Pleiten gab es viele, Durchbruch bisher keinen. Inzwischen ist die Zahl der Anbieter mobiler Bezahlverfahren überschaubar, neben Insellösungen, wie sie von Edeka oder Netto angeboten werden, sind nur noch Vodafone und Payback mit einer eigenen Lösung im Markt aktiv. Von den vielen Startups versucht sich nur noch das Tiroler FinTech Bluecode, in Deutschland an dem Thema. Zahlen darüber wie erfolgreich die jeweiligen Anbieter sind, gibt es nicht. Sehr wohl aber Gesamtzahlen: Insgesamt haben in Deutschland gerade einmal 330.000 Konsumenten mit dem Smartphone am POS bezahlt. 2017 liegt das progonstizierte Gesamttransaktionsvolumen beim Bezahlen mit dem Smartphone in Deutschland bei knapp 63,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Transaktionsvolumen in China lag 2017 bei 124 Milliarden EUR, laut Forrester sind die Zahlen sogar noch viel höher – siehe Grafik. Welche Zahlen am Ende stimmen ist sekundär, zusammengefasst kann man jedoch salopp sagen: Läuft bei denen in China. Bei uns liegen die Hoffnungen seit Jahren auf Apple und Google. Aber selbst wenn einer von beiden in Deutschland dann mal startet, es wird keine Relevanz haben. Aus Gründen.

Mobile Payment: Lösung sucht Problem

Egal ob der feuchte Traum von uns Payment-Nerds in Erfüllung geht und Apple oder ‚was auch immer Pay‘ in Deutschland startet: Es wird sich nichts ändern. Mobile Payment löst immer noch ein Problem, welches nicht existiert. Wir Deutschen können bezahlen und nutzen nicht mal immer die Girocard (von der Kreditkarte kann keine Rede sein in Deutschland). Die bargeldlosen Zahlungsmittel liegen bei uns gerade einmal knapp über 50 Prozent. Und Mobile Payment ist nur ein weiteres bargeldloses Bezahlverfahren und ein anderer Formfaktor der Giro- oder Kreditkarte. Aus Nutzersicht ist bezahlen mit dem Smartphone nett, aber eben kein Problemlöser. Erschwerend kommt dazu, dass es in Deutschland schon jetzt eine starke Fragmentierung gibt, was die Möglichkeiten der Bezahlung am POS betrifft.

  • Girocard
  • Girocard und Kreditkarte
  • Girocard kontaktlos und Kreditkarte kontaktlos
  • Girocard und Kreditkarte kontaktlos
  • Barzahlung
  • Mobile Payment mit Payback Pay bei Rewe und DM (QR-Code), Aral kontaktlos (nur Android)

Warum es 2018 kein Durchbruch beim Mobile Payment geben wird und es auch egal ist...
Photo credit: Sterneck on Visual Hunt / CC BY-NC-SA

Fazit

Auch wenn Anbieter wie Apple, Google oder Samsung immer mehr Länder dazu schalten, Mobile Payment ist kein kurzfristiges Thema. Es wird keinen Befreiungsschlag geben und am Ende sind Payment-Nerds, wie wir es sind, mit daran Schuld, dass Mobile Payment in Deutschland nicht zum Fliegen kommt. Jeder von uns, der an der Kasse ein mobiles Bezahlverfahren genutzt hat, kennt die strafenden Blicken der anderen Kunden, weil genau dann etwas nicht funktionierte. Auf jeden mißglückten mobilen Bezahlvorgang nehmen vermutlich zehn Kunden, die den Vorgang beobachtet haben, Abstand davon, so etwas selbst zu testen. Langfristig wird sich der Formfaktor für Bezahlmedien ändern, aber es wird nicht das Smartphone sein, welches die Karte ablöst. Es ist egal, ob Mobile Payment irgendwann in Deutschland flächendeckend vorhanden ist. Viel wichtiger ist es, dass wir endlich eine flächendeckende Akzeptanz von barlosen und kontaktlosen Bezahlen in Deutschland bekommen, künstliche 10 EUR Hürden abbauen und Händler die barlosen Zahlungen vorantreiben.

 


Autor(en)

Maik Klotz

Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment und Retail. Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Aktuell ist er Head of Communication bei der YES.com AG.


Jens Leinert
Hallo Maik, prima Artikel. Du schreibst zwar "Mobile Payment löst immer noch ein Problem, welches nicht existiert." Für die Bitcoin Community gibt es aber ein Problem. Man hat Bitcoin und möchte im stationären Einzelhandel damit bezahlen. Nur fehlen die Akzeptanzstellen.Mal so eine Idee...könnte nicht Bitcoin und entsprechende Bitcoin Mobile Wallets ein Ansatz sein, um das Thema Mobile Payment am POS voranzubringen?Sei es, dass die POS Terminals auf dem Screen einen QR-Code anzeigen, der gescannt werden kann oder NFC-Karten, die statt mit einem Kreditkartenkonto von Visa & Mastercard mit einer Bitcoin-Wallet verknüpft ist?
vom 19. April 2018

Frank
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die überwiegende Mehrheit nur darauf wartet, mit dem Telefon + App bezahlen zu dürfen. NFC-Bezahlen statt Kartenzahlung ist ja wirklich "nicht mehr als ein anderer Formfaktor".Aber gerade deswegen ist Apples Ansatz interessanter: Das Produkt Apple Pay ist ja nicht nur das Feature Mobile Payment sondern mit den weiteren Features Apple Pay Cash und den Zahlungsakzeptanzoptionen für Händler und App-Anbieter zumindest in den USA schon einzigartig aufgestellt. Paypal + Venmo + NFC-Wallet + eine auf die für Apple Cash nötigen Funktionen zurechtgestutzte Prepaid-Karte.Ob die Welt darauf gewartet hat, ist eine andere Frage. Aber zumindest ist für Apple Pay das Label "Produkt" statt "Feature" gerechtfertigt.
vom 27. Februar 2018

Rafael
Ich nutze persönlich Paypack Pay und bin regelmäßiger Kunde bei Rewe und DM (3-4 mal die Woche). Ich habe noch nie jemanden gesehen, der mit Payback Pay bezahlt hat. Bisher nur eine Dame, die zwar die Punkte damit gesammelt, jedoch mit Karte bezahlte. Dabei ist es für mich die Beste Lösung. Neben dem Punktesammeln ist der ganz große Vorteil, dass ich meinen QR Code direkt scannen kann. D.h. während oder bevor der Kassierer meine Einkäufe scannt. Die Bezahlung erfolgt somit nicht am Ende des Einkaufs sondern währenddessen. Das gibt mir extra Zeit um meine Sachen einzupacken. Das Problem mit den Rewescannern hatte ich auf der Dmexco angesprochen. Ist bekannt und hat sich meiner Meinung nach schon bißchen verbessert. DM hat aber eindeutig die bessere Lösung. Bevor wir über Mobil sprechen sollten wir schauen wie sich kontaktlos Zahlungen bei giro- und Kreditkarte entwickeln. Ich sah dies noch als das Ding, was bargeldlose Zahlungen 2018 nach vorne katapultiert. Und da kommt PSD2 mit zwei Zählern. Jetzt reicht es nicht aus den Leuten zu vermitteln, dass Kontaktlos bis 25 € immer ohne Pin funktioniert, nein ich muss denen auch noch erklären, dass nach 5 Kontaktloszahlungen der PIN eingegeben werden muss, bevor der Zähler wieder auf 0 springt. Und die Pin Eingabe funktioniert, natürlich nicht bei der Kontaktloszahlung. Die Karte muss ins Terminal gesteckt werden. Wie soll man das den Leuten erklären? Ich habe meine Bank angeschrieben, als ich immer wieder nach dem PIN gefragt wurde. Da konnte mir keiner helfen, keiner wusste Bescheid. Es werden immer neue Hürden und Barrieren aufgestellt, die nicht wirklich förderlich sind.
vom 14. Februar 2018

Maik Klotz
Das interessante ist ja, das man die halbe Zeit nicht weiß an welche Ecke des Terminals kontaktlos funktioniert. Mit Karte geht das alles noch, mit dem iPhone furchtbares gefrickel..
vom 13. Februar 2018

Maik Klotz
"Wären Android Pay oder Apple Pay auf dem deutschen Markt verfügbar, so glaube ich fest daran, dass sich diese Bezahlmethode sehr schnell etablieren würde. Vor allem bei der jüngeren Generation."Warum? Welches Problem wird gelöst? Ist die logische Konsequent nicht eher das UBER-Modell? Rein in den Store, raus gehen und automatisch bezahlen - wie bei Amazon Go?
vom 13. Februar 2018

Maik Klotz
Eben, weil Mobile Payment kein Produkt sondern Feature ist. Payback nutzt Du ja sowieso, da macht es dann auch Sinn. ABER auch hier: PayBack hat zweifelsohne viele App-Nutzer, da Coupons aktiviert werden müssen, aber an der Kasse sieht es dann schon wieder mau aus. Vor allem funktioniert der Prozess auch nur wirklich bei dm gut. Rewe ist furchtbar umgesetzt.Apple und Google Pay sind ja in anderen Ländern verfügbar. Wie gut läuft es denn in Frankreich, UK und Co? Auch keine Heerscharen an MPayment-Nutzern.. ist halt nett, aber eben nicht mehr..
vom 13. Februar 2018

Jay
Ergänzend zu Bluecode sollte man vielleicht noch SEQR erwähnen, das deutlich verbreiteter ist. Und ergänzend zu Payback Pay wird oft die Insellösung bei Starbucks unterschlagen. Ich zahle dort seit Jahren mit der App und sehe in der Schlange vor mir auch immer mehrere Leute, die das ebenfalls tun. Generell wird die Schwunglosigkeit eher kultureller als infrastruktureller Natur sein. Wenn Apple Pay das Token-Element als spezifischen Schutz vor Kreditkartenmissbrauch vermarkten würde, sähe ich da gute Chancen. Und einen Contender sollte man definitiv nicht vergessen: Facebook. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Whatsapp Payments in den nächsten 5 Jahren als deutsches Venmo durchgesetzt haben wird. Der Schritt von P2P-Payments und bill splitting zum POS ist dann nicht mehr groß.
vom 13. Februar 2018

Andy
Ein Kunde kann nur mit dem bezahlen was Ihm zur Verfügung gestellt wird. In Deutschland also fast nur Girocard und Bargeld. Wären Android Pay oder Apple Pay auf dem deutschen Markt verfügbar, so glaube ich fest daran, dass sich diese Bezahlmethode sehr schnell etablieren würde. Vor allem bei der jüngeren Generation. Mit den wachsenden Nutzerzahlen würden natürlich auch automatisch mehr Akzeptanzstellen kommen. Leider können wir es uns in Deutschland nicht aussuchen. Und erstaunlicherweise findet man nirgends außer Vermutungen den wahren Grund für die scheinbare Desinteresse der großen Anbieter wie Android oder Apple. Ist es die steinzeitliche Digitale Infrastruktur in D? die gierigen Banken? die paranoiden Barzahler? Datenschützer? Regulierer? Wahrscheinlich von allem etwas. Ich hoffe den Verantwortlichen ist es bewusst, dass Deutschland hier schon längst den Anschluss verloren hat und sich zunehmend in dieser Thematik vom Rest der Welt entfernt. Somit rechne ich bald mit einer Modifizierung der Bezahlsysteme in D.
vom 13. Februar 2018

Lukas
Moin Maik,wie gewohnt ein super Artikel. Hat viel Spaß gemacht zu lesen.Dennoch würde ich gerne etwas ergänzen, was in China aus meiner Sicht richtig gelaufen ist. Hier wurde Payment aus meiner Sicht so verpackt, dass es gar nicht mehr als Payment wahr genommen wird. Nehmen wir das Beispiel WeChat Pay. Mit der gigantischen Reichweite des Chat-Anbieters wurde eine einfache und mit Mehrwerten versehene Bezahllösung aufgebaut. Finde ich sehr gelungen. Kann man es aber mit dem deutschen Markt vergleichen? Eher nein. Bekannterweise gelten dort ganz andere Datenschutzgrundsätze und auch die Marktgröße ist eine ganz andere Dimension (um nur zwei Faktoren zu nennen).Dennoch haben meiner Meinung nach in Deutschland diejenigen eine gute Lösung gebaut, die einen ähnlichen Weg gehen und hier möchte ich aus eigener Erfahrung berichten. Die einzige Mobile Payment Lösung, die ich selber regelmäßig nutze ist Payback Pay. Warum? Weil ich mit nur einem Scanvorgang Punkte sammeln und Bezahlen verbinden kann. Den Scan würde ich ohnehin machen, also ist der Paymentprozess für mich gar nicht mehr zu spüren.Grundsätzlich gebe ich dir aber Recht, auch ich rechne mit keinem Durchbruch innerhalb von 2018.LG Lukas
vom 13. Februar 2018

Roland
Hallo Maik,gut zusammengefasst. Und dennoch erhebe ich - in Teilen - Widerspruch. Denn Mobile Payment am POS klappt meiner Erfahrung nach (mittlerweile) viel besser, als viele glauben (wollen). Meine Erfahrung, dass sind gut 12 Monaten Apple Pay über (den Umweg) boon France. Die Zahl der Akzeptanzstellen war Anfang 2017 in meiner Umgebung (Raum Wiesbaden) tatsächlich noch sehr dünn. Und die ersten, gefühlt hundert Zahlungen waren stets von Staunen, Ablehnung und Kopfschütteln, teils aber auch vom echtem Interesse der Kassierer und Umstehenden begleitet.Jetzt, 2018, wundern sich selten noch einer. Und ich begegne so gut wie keinem Terminal mehr, dass nicht auf kontaktlos eingestellt und klaglos selbst Kleinstbeträgen unter € 10,- via Apple Pay entgegen nimmt. Die (Aktualisierung der) Infrastruktur ist in meiner Erfahrungswelt tatsächlich kein Problem mehr.Apropos Problemstellung, die es mit Mobile Payment zu lösen gilt: Ja, natürlich könnte ich dass gleiche genauso gut mit meiner Kontaktlos-Kreditkarte machen. Das Problem, welches Mobile Payment für mich löst, ist aber ein ganz schlichtes: Mein Handy habe ich - im Gegensatz zu meinem Porte­mon­naie - ausnahmslos immer dabei. Mit einen Zehner in der Handyhülle. Denn - da gebe ich dir uneingeschränkt Recht - was flächendeckende Akzeptanz von barlosen Bezahlen in Deutschland angeht, ...
vom 12. Februar 2018

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