Warum der PR Stunt um den Savedroid ICO nicht das Problem ist

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Der Fall Savedroid- ein PR Stunt der eigentlich keiner war

Als Joko und Klaas 2017 einen falschen Ryan Gossling zur Verleihung der goldenen Kamera einschleusten, um sich diese quasi selbst zu verleihen, war das einer der gelungensten PR Stunts der jüngeren Geschichte. Die minutöse Planung und die Kreativität die man an den Tag legte um die Jury und das gesamte ZDF-Team hinters Licht zu führen war unterhaltsam und bemerkenswert. Auch der April-Scherz von Elon Musk, bei der er via Twitter die Pleite von Tesla erklärte, war irgendwie lustig obwohl es einen unmittelbaren Verlust des Unternehmenswert von 8 Prozent an der Börse zur Folge hatte. Es gibt sie, diese PR Stunts, die im Gedächtnis bleiben und einen Wow-Effekt hervorrufen. Warum der sogenannte PR Stunt von Savedroid, bei dem sich angeblich der CEO mit den über einen ICO eingesammelten 40 Millionen Euro aus dem Staub gemacht haben sollte, nichts davon hat, liegt nicht an der Idee, sondern an der eigenen Überheblichkeit und der Ignoranz gegenüber Kunden und Investoren.

Savedroid eine Idee aus den USA

Die Idee das Thema “Sparen” anders zu konzeptionieren ist nicht neu. In den USA funktionieren regelbasierte Spar-Lösungen wie beispielsweise Qapital oder Digit bemerkenswert gut. Seit dem Start von Qapital im Jahr 2015 wurde in den USA im Qapital-Netzwerk über 500 Milionen USD gespart. Bei 420.000 Nutzern im Netzwerk sind das im Durchschnitt 1.200 USD pro Nutzer. Da wundert es nicht, das Qapital diesen Monat noch einmal 30 Millionen USD Kapital einsammeln konnte. Eine solche Idee auf den deutschen Markt zu übertragen ist nachvollziehbar und savedroid waren die Ersten die damit gestartet sind. Zwar soll es mit Clinceine alternative Lösung geben, aber außer einen geschlossenen Betatest ist davon nichts zu sehen.

Der PR Stunt der keiner war

Das Problem an dem sogenannten PR Stunt von savedroid war nicht einmal die Idee zur Aktion selbst. Problematisch war die Umsetzung. Die Aktion war handwerklich nicht durchdacht und schon nach einigen Stunden mehrten sich die Gerüchte nach einer geplanten Werbeaktion. Das daran was nicht stimmen konnte, lag daran, dass das gesamte Savedroid-Team wie vom Erdboden verschluckt war. Unwahrscheinlich das die gesamte Belegschaft eine solche kriminelle Energie an den Tag legt und entweder zusammen mit dem CEO abhaut oder für eine Stellungnahme nicht erreichbar ist. Das mag in Hollywood-Filmen wie ‚Oceans 11‘ funktionieren, aber Frankfurt ist nicht Las Vegas und der CEO nicht wirklich Danny Ocean. Trotz breiter Berichterstattung blieb es am Ende bei einem Strohfeuer und vor allem bei einem unangenehmen Nachgeschmack, denn die Mittel denen man sich bediente waren grenzwertig. Den eigenen Telegram-Channel Bots zu überlassen, die dann diesen mit Pornobildern überfluteten ist jenseits von gutem Geschmack. Savedroid spielte vor allem mit der Angst der Nutzer und hat damit dem Thema und sich selbst geschadet. Vertrauen Kunden in Zukunft einem Unternehmen Geld an, welches durch solche Aktionen auffällt? Sicher nicht. In Anbetracht dessen, das Savedroid auch in der Vergangenheit mit dem Geld der Kunden eher lasch umgegangen ist, bewegt man sich auf dünnem Eis.

Savedroid: Snake Oil und Bananensoftware

Der Ablauf des ICOs war grenzwertig genug und das sich die Kollegen an keinerlei Kodex halten, haben die Kollegen von Gründerszene beleuchtet. Davon abgesehen ist das Whitepapervon Savedroid vor allem eines: Snake Oil.

Fangen wir bei der Roadmap an. Savedroid spricht von 200.000 App Downloads (natürlich nicht von Nutzern). Legen man eine optimistische „Retention Rate“(also Bindungsrate oder Verbleibequote) von 20 Prozent an (was in der Kategorie Business üblich ist), bleiben noch 40.000 Nutzer übrig. Wenn denn die Quote tatsächlich so hoch ist, denn die Hürde Savedroid zu nutzen ist tendenziell höher, da ein echter KYC-Prozess durchlaufen werden muss. Aber auch die 40.000 Nutzer sind vergleichsweise wenig, denn Savedroid ist keine App mit Alltagsrelevanz. Das dürften man auch erkannt haben, weshalb man im letzten Jahr diverse Aktionen unternommen hat um Geld in die Kasse zu spülen.

Warum der PR Stunt um den Savedroid ICO nicht das Problem ist

Schlußendlich kam es dann zum ICO und der Idee Kryptowährungen jedermann zugänglich zu machen. Diese Idee ist weder sonderlich neu, innovativ oder einzigartig (Nutzer können jetzt schon Kryptowährungen einfach so kaufen und verkaufen z.B. mit Revolut), trotzdem sammelte Savedroid 40 Millionen EUR ein. In der Zeit des ICO lag das eigentliche Produkt komplett brach. Man wurde auf allen Kanälen mit der Werbung zum ICO überrollt, alles, wirklich alles beschäftigte sich nur noch mit diesem ICO. Das Produkt “Savedroid” wurde in der Zwischenzeit kaum mehr supported. Nutzer kamen nicht an ihr gespartes Geld, die App lies sich über Tage nicht starten und auch aktuell funktioniert der Dienst wieder einmal mittelmäßig. Antworten auf E-Mails bekam man nicht, aber Werbung. Seit Anfang des Jahres über 25 E-Mails die sich mut dem ICO beschäftigen.

Warum der PR Stunt um den Savedroid ICO nicht das Problem ist

Schon vor dem ICO hatte Savedroid weder eine besonders erfolgreiche Lösung am Start noch war die Qualität herausragend. Trotz mangelnder Produktqualität sich vor allem (und ausschließlich) um den ICO zu kümmern und dann noch Zeit für einen “PR Stunt” zu haben zeigt die Arroganz gegenüber den Nutzern. Ohne Nutzer ist Savedroid genau Null wert. Und wenn man ohnehin schon nicht genug hat, sollte man ganz vielleicht ein wenig sorgsamer mit diesen umgehen.

Warum der PR Stunt um den Savedroid ICO nicht das Problem istWarum der PR Stunt um den Savedroid ICO nicht das Problem ist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fazit

Der sogenannte PR Stunt muss also in einem größeren Kontext betrachtet werden. Wenn Elon Musk die Pleite von Tesla verkündet, dann ist das schon ziemlich verwegen. Elon Musk hat aber in seinem Leben schon ein paar mal bewiesen was es bedeutet zu liefern. Den Tesla gibt es, das Auto fährt und die Technologie einzigartig. Das der Typ auch noch Raketen, Flammenwerfer und einen Hyperloop baut spricht für eine gewisse Kreativität und zeigt das er in der Lage ist Dinge zur Produktreife zu bringen. Wenn eine solche Person dann einen PR Stunt hinlegt, dann ist das vielleicht ein Zeichen von Genilalität. Aber wenn ein StartUp, welches über einen ICO viel Geld eingesammelt hat, nichts besseres zu tun hat als “Catch me if you can” zu spielen, dann ist das nicht genial, sondern dumm. Und zeigt vor allem eines: Nicht die Lösung zählt, sondern der eigene Fame.

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Maik Klotz

Head of Communication bei YES.com AG
Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment und Retail. Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Aktuell ist er Head of Communication bei der YES.com AG.
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