So ist der Genossenschaftssektor organisiert
Genossenschaftsbanken bilden eine der drei Säulen des deutschen Bankensystems. Unsere Grafik zeigt, wie der Sektor funktioniert, welche Anbieter dazugehören und wie es um die Besitzverhältnisse steht.
Wer sich mit der Bankenlandschaft in Deutschland beschäftigt, dem sind die drei Säulen ein Begriff: Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken teilen sich den Markt. Von letzteren gab es Ende Dezember 2025 genau 646 Institute. Zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehören nicht nur Volks- und Raiffeisenbanken, sondern auch große Finanzkonzerne und Dienstleister. In unserer Grafik geben wir einen Überblick darüber, wie der Genossenschaftssektor in Deutschland funktioniert, wie er organisiert ist und wem hier eigentlich was gehört.
Die Recherche basiert dabei auf öffentlichen Daten aus dem Unternehmensregister. Außerdem haben wir Selbstauskünfte der Unternehmen von Webseiten und aus Geschäftsberichten herangezogen.
Genossenschaftsbanken gehören ihren Mitgliedern
Genossenschaftsbanken unterscheiden sich von anderen Kreditinstituten fundamental durch ihre Organisation: Alle Kund:innen können Geschäftsanteile kaufen und so zu Teilhaber:innen mit eigenem Stimmrecht werden. Und von den rund 30 Millionen Kund:innen der Genossenschaftsbanken in Deutschland sind derzeit auch über die Hälfe, nämlich 17,5 Millionen, Mitglieder.
Die meisten der 646 deutschen Genossenschaftsbanken sind Volks- und Raiffeisenbanken. Dazu kommen einige andere genossenschaftlich organisierte Kreditinstitute wie die PSD-Banken, die Sparda-Banken, die kirchlichen Kreditgenossenschaften, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank und die BBBank.
Die Zahl der Genossenschaftsbanken fällt seit Jahren, vor allem durch Zusammenschlüsse. Auch in diesem Jahr wurden wieder einige Fusionen angekündigt, unter anderem zwischen der Volksbank Düsseldorf Neuss und der Volksbank Krefeld. Die Zahl wird sich also weiter verringern.
Prüfungsverbände und BVR als zentrale Verbände
Eingetragene Genossenschaften (e.G.) müssen Mitglied in einem genossenschaftlichen Prüfungsverband sein und sich dort regelmäßig überprüfen lassen. Die Prüfungsverbände sind auch für Genossenschaften aus anderen Branchen zuständig. Für die Genossenschaftsbanken ist der Genoverband zentral: Dort sind derzeit 302 Genossenschaftsbanken Mitglied.
Ebenfalls wichtig für die Organisation ist der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, kurz BVR. Als Spitzenverband des Sektors vertritt er die Interessen aller Genossenschaftsbanken auf politischer Ebene und legt eine gemeinsame Strategie fest. Außerdem betreibt der BVR eine zentrale Sicherungseinrichtung: Sollte eine der Mitgliedsbanken in wirtschaftliche Schwierigkeit geraten, schützt die Institutssicherung solidarisch die Einlagen der Anleger und hilft bei der Sanierung.
Die Partner der Genossenschaftsbanken mit der DZ Bank als Dreh- und Angelpunkt
Die Genossenschaftsbanken bilden gemeinsam mit zehn Partnerunternehmen das, was wir als genossenschaftliche Finanzgruppe kennen. Damit die vielen kleinen Kreditinstitute nicht jedes Finanzprodukt selbst entwickeln müssen, können sie auf die Versicherungs- und Finanzdienstleistungen der Partnerunternehmen zugreifen. Dreh- und Angelpunkt dieser Partnerunternehmen ist die DZ Bank. Sie ist die Zentralbank des Sektors und gehört mehrheitlich den Genossenschaftsbanken. Sie ist auch Haupteigentümerin weiterer Unternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Dazu gehören der Versicherer R+V, der Asset Manager Union Investment, die auf Konsumentenkredite spezialisierte Teambank, die auf Leasing und Mietkauf spezialisierte VR Smart Finanz, die DZ Privatbank und die im Pfandbriefgeschäft tätige DZ Hyp.
Zu den Partnern der genossenschaftlichen Finanzgruppe gehören außerdem die Reisebank und die Münchener Hypothekenbank, kurz Münchener Hyp. Die Reisebank ist eine Wechselstube, die unter anderem auch den Edelmetallhandel für die Genossenschaftsbanken abwickelt. Sie gehört zu 100 Prozent der DZ Bank. Die Münchener Hyp ist als Pfandbriefbank in der Immobilienfinanzierung tätig. Sie hat keinen großen Mehrheitseigentümer. Die Sparda-Banken halten gemeinsam 69 Prozent der Anteile, die restlichen Anteile gehören Volks- und Raiffeisenbanken, Privatpersonen, Stiftungen und anderen Unternehmen der Finanzgruppe.
Atruvia als zentraler IT-Dienstleister
Es gibt weitere Dienstleister, die offiziell nicht der genossenschaftlichen Finanzgruppe angehören, aber mit ihr assoziiert sind. Dazu gehört zum Beispiel Atruvia, der IT-Dienstleister der genossenschaftlichen Banken. Sein Kernbankensystem Agree21 bietet Atruvia auch Banken außerhalb der Finanzgruppe an. Die Volks- und Raiffeisenbanken sind über drei regionale Beteiligungsgesellschaften mit 91 Prozent an dem Finanz-IT-Unternehmen beteiligt. Zu Atruvia gehören fünf weitere Unternehmen: Die Bms Corporate Solutions, ParcIT, Peras, Ratiodata und Servicscope. Darüber hinaus ist die Atruvia gemeinsam mit DZ Bank und Schwäbisch Hall am Start-up Truuco beteiligt, das eine KI für den Vertrieb entwickelt hat.
DG Nexolution: Der Beschaffungsspezialist für Genobanken
Ein weiterer großer Dienstleister ist die DG Nexolution. Sie deckt über zahlreiche Tochterunternehmen und Beteiligungen Dienstleistungen rund um Geldkarten, digitales Banking und die Beschaffung ab und betreibt die Onlineshops Genobuy und Genostore.
Darüber hinaus ist DG Nexolution an anderen Unternehmen beteiligt, die im Bereich KI, IT-Sicherheit und Cashback tätig sind. Außerdem gibt es eine Beteiligung an Swiss Wood Solutions, einem Unternehmen, das unter anderem Bezahlkarten aus Holz herstellt. Gemeinsam mit dem BVR, der DZ Bank Gruppe und Atruvia zählt DG Nexolution auch zu den Geldgebern des genossenschaftlichen Start-up-Fonds Amberra.
Nicht bei jedem Unternehmen sind die Eigentumsverhältnisse öffentlich einsehbar. Dies kann in der Grafik zu Unschärfen führen. Wir freuen uns über weitere Hinweise zur Grafik aus der Community an infografiken@paymentandbanking.com.
