Schufa – ein Score sie zu knechten, sie alle zu finden

Liest man J. R. R. Tolkien`s Ringgedicht aus „Der Herr der Ringe“ braucht es nicht viel Phantasie, um an die Schufa zu denken. Wer hätte gedacht, dass man die Zeilen aus dem Ringgedicht auch auf den Schufa-Score anwenden kann? Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Tausche Ring gegen Schufa und es passt.

Genau genommen ist die Schufa das älteste Fintech Deutschlands. Mit der Gründung als Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierungim Jahr 1927 bot die Schufa eine Leistung, die von einer Bank hätte kommen können. Stattdessen war es die Berliner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (BEWAG), welche in den 1920er Jahren neben Strom auch auf Raten finanzierte Haushaltsgeräte anbot und ein System zur Beurteilung des Zahlungsverhaltens über zahlende Kunden einführte, woraus sich dann die Schufa gründete.

Heute ist die Schufa eine der ersten Einrichtungen in Deutschland, welche von Unternehmen genutzt wird um sich zu sich vorab über die Zahlungsmoral eines Kunden zu erkundigen. Die Bonität eines Kunden wird in einem prozentualen Score-Wert ausgegeben. Je höher dieser ist, desto wahrscheinlicher, dass dieser seinen Verbindlichkeiten nachkommt. Der maximal zu erreichende Score, 100 Prozent, ist nur theoretischer Natur und kann niemals erreicht werden. Dazu müsste man hellsehen können, denn niemand kann voraussehen, ob ein Kunde immer seinen Verbindlichkeiten nachkommen kann oder will.

Je höher also der Wert, desto größer schätzt die Schufa die Kreditwürdigkeit ein. So weit, so logisch. Der Score wird von einem System errechnet und wie genau der Algorithmus aussieht weiß außer der Schufa niemand. Das Argument: der Score könnte entsprechend manipuliert werden.

Schufa - ein Score sie zu knechten, sie alle zu finden

Was die Schufa weiß und was nicht

Die Schufa selbst wirbt für Vertrauen und sagt, dass sie im Grunde gar nicht so viel über die Personen weiß. Aber definiere mal viel. Am Ende weiß die Schufa immerhin so viel, dass die Berechnung eines Scores überhaupt möglich ist und das ist im Grunde: Name, Geburtsdatum, Wohnort, Bankkonten, Kredit- und Leasingverträge, Mobilfunkverträge und Bürgschaften. Und natürlich inwiefern man den Verbindlichkeiten nachgekommen ist. So weit, so transparent. Welche Rückschlüsse man aus den Daten zieht, ist das eigentlich spannende und hier fängt es an nebulös zu werden.

Der Schufa Score: das Wetter von Morgen auf Basis von Gestern

Die Schufa betreibt Leichenbeschau, schaut also in die Vergangenheit um Aussagen über die Zukunft treffen zu können. Das ist erst mal nicht schlimm, sagt aber auch nur etwas über das vergangene “ich” aus. Im Grunde kann es dazu führen, dass ein(e) Lotto-GewinnerIn keinen Mobilfunkvertrag bekommt, weil eben in der Vergangenheit Rechnungen nicht oder spät bezahlt wurden. Die aktuelle finanzielle Situation spielt also eine untergeordnete Rolle. Auch orientiert sich der Score nach “ungewöhnlichem” Verhalten. Wenn also eine Person eine große Anzahl von Girokonten hat, hat das keinen guten Einfluss auf die Kreditwürdigkeit. Umziehen ist auch nur ein mittelguter Faktor, je nachdem wo man hinzieht und wie oft man umzieht. (Anmerkung des Autors: Diese Aussage ist falsch. Die Schufa nutzt grundsätzlich kein Geoscoring)

Aus eigener Erfahrung: zu viele Konten und Karten sind böse

Welche genauen Auswirkungen mehrere Girokonten auf den Schufa Score haben, weiß am Ende nur die Schufa. Man kann sich der Antwort darauf aber annähern. So geschehen 2018 als die Initiatoren des Projekts „Open Schufa“ Journalisten vom Spiegel und dem Bayerischen Rundfunk nach einem öffentlichen Aufruf Schufa-Auskünfte von rund 2.000 Verbrauchern anonym auswerteten.

Schufa - ein Score sie zu knechten, sie alle zu finden

Das Ergebnis der nicht repräsentativen Untersuchung war, dass mehrere Girokonten einen negativen Einfluss auf den Schufa Score hatten. Das sagt auch die Schufa selbst, ohne genau zu sagen, wie viel ”zu viel“ ist. Viele Konten und Karten werden als Gefahr gesehen, weil man nicht nur eines, sondern gleich mehrere Konten und Kreditkarten im Zugriff hat.

Das spiegelt auch meine eigene Erfahrung wider. In der Zeit vor PSDII, und damit einhergehend XS2A, gab es in Deutschland mit HBCI bzw. finTS zwar einen Standard für den Zugriff auf Kontoinformationen, der wurde aber von jeder Bank anders bedient. Kurzum: Um Online-Banking Software zu testen brauchte es Echtkonten. Dementsprechend viele Girokonten hatte ich seinerzeit. Alle unbenutzt und inzwischen längst gekündigt. Den Schufa Score interessiert das nicht im Geringsten. (Anmerkung des Autors: Laut Schufa werden gekündigte Konten sofort gelöscht).Im Gegenteil, mein Eindruck ist der, dass durch kurzzeitige Konten, unabhängig, ob genutzt oder nicht, der Score schlechter wird. Da die Schufa keinen Kontostand kennt, keine Konto-Historie im Sinne von Transaktionen hat, kommt es zu diesem Effekt. Das gilt nicht für alle Banken. Insbesondere Neo-Banken, wie zB. Monese, Revolut und Co. tragen nichts bei der Schufa ein. Das Problem: man weiß es vorher nicht.

Da die Berechnung des Scores nicht öffentlich ist und da man dementsprechend nicht weiß, wie sich dieser zusammensetzt, können Anwender den Score nicht gezielt positiv beeinflussen. Die Aussage, zahle brav alle deine Rechnungen und Kredite ab, ist eine Binsenweisheit und hilft nicht sonderlich weiter. 9,2 Prozent (Stand 2018) der bei der Schufa analysierten Personen haben einen negativen Eintrag. Ab welchem Score-Wert eine Bonität als schlecht gilt, liegt zwar immer im Ermessen des Vertragspartners, aber das hilft am Ende natürlich nicht.

Dass die Schufa bei Kreditkarten nicht zwischen manchen Debit und Credit unterscheidet, macht die Situation für Verbraucher nicht unbedingt einfacher, denn gerade in Zeiten von Neobanken ist man vielleicht einfach experimentierfreudiger als in den vergangenen Jahren.

„Dass die Schufa bei Kreditkarten nicht zwischen Debit und Credit unterscheidet, macht die Situation nicht einfacher.“

Fazit

Die Schufa ist in Deutschland die bekannteste Auskunftei, aber der Markt wird auch von Unternehmen wie Crif Bürgel, Creditreform Boniversum oder Infoscore Consumer Data bedient. Das Prinzip ist immer das gleiche: Es werden Daten gesammelt auf dessen Basis ein Score herausgegeben wird. Auskunfteien helfen Unternehmen sich vor Missbrauch zu schützen. Kunden haben es hingegen schwer, was die Löschung von Einträgen betrifft. Denn wirklich löschen kann man nur:

  • Falscheinträge. Dazu muss man erst einmal wissen, dass ein Eintrag falsch ist. Hier hilft nur manuell nachschauen
  • geringfügige Schulden kann man sofort löschen lassen, wenn sie maximal 2.000 Euro betragen und man diese innerhalb von 6 Wochen zurückbezahlt hat
  • Titulierte Forderungen verfallen erst nach 30(!) Jahren. Sollte also mal der Gerichtsvollzieher da gewesen sein (aus welchen Gründen auch immer) reicht es nicht aus, die Forderung zu begleichen. Man muss beim Amtsgericht einen Erledigungsvermerk vom Gläubiger eintragen lassen.
  • Nach Privatinsolvenz können nach drei Jahren ebenfalls Negativmerkmale gelöscht werden.

Das alles ist für Konsumenten eine recht aufwändige und komplexe Angelegenheit. Das fängt schon damit an, dass es keinen offiziell guten oder schlechten Schufa-Score gibt, da ja alles am Ende Ansichtssache ist. Das alles zeigt, dass das System mehr Transparenz und Möglichkeiten bieten muss, um den Schufa-Score positiv zu beeinflussen.

(Anmerkung des Autors: Laut Schufa ist die Prüfung der Korrektheit der Daten für NutzerInnen nicht komplex und welche Daten gespeichert werden sei völlig transparent. Auch sollen sich Daten leicht über die kostenlose Datenkopie prüfen lassen.) 

Autor
Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment, Digital Identity, E-Commerce und Retail mit starkem Fokus auf "mobile". Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Er wurde von... mehr
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