Paypal-Panne, N26-Wechsel, Bafin-Klatschen: Was ein geiles Jahr!
Nils hat das ganze Jahr genörgelt. Zum Jahresabschluss hat er darauf keine Lust mehr. Und freut sich stattdessen über ein großartiges Jahr für Fintechs und Banken. Also, ein bisschen. Die finale Episode „Nils nörgelt” für 2025.
Nils hat das ganze Jahr genörgelt. Zum Jahresabschluss hat er darauf keine Lust mehr. Und freut sich stattdessen über ein großartiges Jahr für Fintechs und Banken. Also, ein bisschen. Die finale Episode „Nils nörgelt” für 2025.
Die Payment- and Banking-Szene ist zweifellos niemals langweilig. Kein Monat vergeht, ohne dass neue Produkte, Banken, Fintechs und Payment-Lösungen auf den Markt kommen. Aber wer braucht das eigentlich alles und muss man das alles gut finden? Unser Autor Nils Heck beleuchtet in seiner Kolumne „Nils nörgelt“ monatlich ein Produkt, Thema oder eben den „letzten heißen Scheiß“. Etwas zu meckern gibt es schließlich (fast) immer.
Liebe Leserinnen und Leser,
ich habe die große Ehre, dieses Jahr bei Payment & Banking mit meiner Kolumne „Nils nörgelt” abzuschließen. Aber seid einmal ehrlich zueinander: Wollt ihr nach so einem miesen Jahr voll Panik, Angst und Krieg wirklich noch mehr Genörgel, Geschelte und Gemeckere von einem Szenebeobachter, der im Herzen kurz vor der Verrentung steht? Die wahrhaftige Antwort ist natürlich ein dahingerotztes, abfälliges: Nääää. Und weil bald Weihnachten ist, möchte ich Euch, meinen lieben Leserinnen und Lesern diesen Wunsch erfüllen und nehme Euch mit auf eine Reise durch das Jahr 2025 und all die schönen kleinen Dinge, über die wir uns freuen durften. Für alle herzerwärmenden Ereignisse ist zwar kein Platz, aber hier kommen meine Highlights.
Frühling: Ein Hauch von Erneuerung
Die ersten drei Monate waren natürlich geprägt von der vielleicht besten Nachricht, die man sich so vorstellen konnte für den deutschen Finanzplatz: Solaris wurde gerettet. Nach monatelangen Kämpfen kam dann doch noch die Finanzierung zusammen, wobei das „G” in dem Wort wohl für „Glück” steht, und verschaffte dem Fintech weitere 140 Millionen Euro und einen japanischen Großaktionär. Angedeutet hatte sich das alles schon Ende 2024, aber in trockenen Tüchern war es ja dann doch erst 2025, passt also perfekt in diesen Jahresrückblick. Endlich gerettet, endlich ein Neuanfang. Wer will sich da schon darüber beschweren, dass Altinvestoren nur 0,10 Euro für jeden Anteil bekamen? Wen stört es, dass die Großinvestoren sich ihr Investment und ihre Rettung vergolden lassen, während Ex-Mitarbeiter oder frühe Investoren leer ausgehen? Genau, niemanden! Rettung ist Rettung und wir wollen ja das Positive sehen. Also Haken dran und weitergehen. Hier gab es nichts Schlechtes zu sehen.
Sommer: Auf dem Trockenen geblieben
Stichwort nichts zu sehen: Das kennen viele Händler vermutlich noch von ihrem Paypal-Konto im Sommer. Nachdem bei der US-Firma die Sicherheitssysteme versagt hatten, blockierten die deutschen Banken und Sparkassen mal eben Lastschriften in zweistelliger Millionenhöhe, was zu einem großen Aufschrei und viel Arbeit für Paypal führte. Aber auch hier, meine Damen, meine Herren, wollen wir natürlich das Positive sehen – und da gibt es ja eine ganze Menge. Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass die deutschen Geldhäuser es offenbar merken, wenn massenweise merkwürdige Lastschriften bei ihnen eintrudeln, die teilweise horrende Summen verlangen. Technisches Know-How: Check. Dann muss man festhalten, dass Paypal es wunderbar geschafft hat, kein großes Tohuwabohu um die Sicherheitslücke zu machen und zu Anfang nur ganz dezent auf einer Unterseite informierte. Fehlender Alarmismus also auch: Check. Und dann ist natürlich positiv hervorzuheben, dass die europäische Alternative Wero direkt in diese Lücke stoßen konnte mit ihrem bis dahin planmäßig und großflächig ausgerolltem Angebot für P2P-Zahlungen. Das ist zwar nicht das Gleiche wie das ja eigentlich bis dahin geplante Online-Angebot für Händler. Aber hey, man nimmt was man kriegen kann. Bescheidenheit: Check.
Herbst: Die Auferstehung der alten Blätter
Das unangefochtene Highlight im Herbst war dann natürlich: Die Auferstehung des klassischen Banken-Chefs. Denn niemand Geringeres als Hundefreund und Bankenkenner Marcus Mosen übernahm die Führung beim mittlerweile etablierten (die nette Form von nicht mehr so schnell wachsendem) Fintech N26, während die beiden Gründer sich in den Aufsichtsrat zurückziehen durften – wie verdient. Jahrelang mussten Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal schließlich ackern, immer wieder rief die vermaledeite Bafin an und immer wieder hatte sie etwas zu meckern. Dass das selbst die härtesten Rebellen eines Tages in die Knie zwingt, ist nur nachvollziehbar und die (Teilzeit)-Frührente sei den beiden von Herzen gegönnt. Mosens Besetzung derweil steht für einen erfreulichen Trend dahingehend, dass auch die Garde an Chefs noch ein Wörtchen mitzureden hat, die weiß, wie ein Krawattenknoten zu binden ist. Wer hätte das schon vor fünf Jahren noch gedacht? Was ein erfrischender neuer Ansatz.
Winter: Schneebälle in die Fresse
Womit wir dann auch schon im Winter angekommen sind, der kalten, nassen Jahreszeit. Der, in der eigentlich kaum noch etwas passiert, weil Frankfurt zu großen Teilen in den Skiurlaub verduftet und die allermeisten Budgets ja dann doch gut ausgereizt sind. Tja, wären da nicht meine Freunde von der Finanzaufsicht Bafin. Wäre da nicht die Truppe von Mark, the Geldwäsche-Maßnahme, Branson. Mit der neuesten Klatsche gegen die C24-Bank – bei der das C sicherlich für Compliance und nicht für Check24 steht – machten die Aufseher mich noch einmal auf ein wirkliches Highlight aufmerksam: Richtig viele Banken und Fintechs haben dieses Jahr von der Bafin einen Denkzettel bekommen. C24 gehört ebenso dazu wie JPMorgan, die Oldenburgische Landesbank, die Varengold Bank, die Raisin Bank – und da sind wir erst im September. Nun könnte man natürlich darüber meckern, wie wenig ernst deutsche Geldhäuser die Geldwäscheprävention nehmen. Oder man könnte, wie es in meiner Natur liegt, das Positive sehen und sagen: Schön, dass unsere Finanzaufsicht offenbar auch mal austeilen und nicht immer nur einstecken kann.
Das Jahr 2025: Ziemlich genau wie gedacht
Außerdem gilt es am Ende des Jahres noch darauf zu schauen, wie richtig ich mit meinen Trendprognosen 2025 lag: https://paymentandbanking.com/fuenf-thesen-fuer-2025/
- Die Krypto-Scams kommen ✅
- Mastercard und Visa geraten unter Druck wegen Gebühren ✅
- Neobroker machen das Rennen✅
- Mobilfunk wird eine immer größere Rolle spielen✅
- Die Börsengänge kommen❌
Vier aus fünf. Ich denke, das kann man mal so machen.
Und damit endet ein weiteres Jahr, liebe Banker:innen, liebe Fintecher:innen, liebe Leser:innen. Ich wünsche Maßnahmen-freie Weihnachten und einen guten Rutsch. Bleiben Sie uns gewogen.
Ihr
nörgelnder Nils