Newsschau im Dezember 20 – Das Wichtigste zum Schluss

Unser Monatsrückblick im Dezember 2020

In der Fintech-Welt wird es nie langweilig. Es wird gegründet, investiert und neue Produkte werden auf den Markt gebracht. Da fällt es manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Wir übernehmen das und fassen in unserer Newsschau die wichtigsten Meldungen des zurückliegenden Monats in einem kompakten Überblick zusammen. Hier also unsere News für den Monat Dezember.

Italienischer Partner für Raisin gefunden

Raisin („Weltsparen“) hat mit der Banca Sella einen ersten Partner in Italien gefunden. Durch die Integration des Marktplatzes von Raisin ist das Institut die erste Bank Italiens, die ihren Kunden Anlagemöglichkeiten Dritter anbieten kann. Mit der lokalisierten Plattform betritt Raisin damit seinen achten Markt. Die 1886 gegründete Banca Sella ist eine der größten unabhängigen Banken Italiens in Privatbesitz und die erste Bank Italiens mit einer eigenen Open-Banking-Plattform. In einer ersten Phase startet zunächst ein Pilotprogramm, das in den kommenden Monaten auf alle Privatkunden der Bank ausgeweitet werden soll.

Auf Holz geklopft

„Außen wood, innen good“ lautet der Claim der Hamburger. Tomorrow, Anbieter für nachhaltiges Banking aus Hamburg, bringt eine Visa-Debitkarte aus Holz heraus. Obs einen praktischen Nutzen hat und ob dafür Bäume sterben müssen? Aber Tomorrow beruhigt: Der Co2-Fußabdruck der Nutzer*innen wird monatlich ausgeglichen. Übrigens kann bei Tomorrow inzwischen auch via Apple Pay gezahlt werden.

Deutsche Bank dünnt Filialnetz weiter aus

Neben der angekündigten Schließung von 100 der 500 eigenen Filialen sollen auch 100 Filialen der Tochtergesellschaft Postbank geschlossen werden. Diese kommt bislang noch auf ein Filialnetz von 800 Standorten. Eine Zusammenlegung von Deutsche-Bank- und Postbank-Filialen schließt die Bank allerdings aus, an der Zwei-Marken-Strategie solle festgehalten werden.

Newsschau Dezember

Neuer Namen für Libra

Facebooks Digitalwährung heißt jetzt Diem. Die Umbenennung sei Teil eines Umbaus zu einer einfacheren Struktur, sagte der Vorstandschef der in Genf ansässigen Diem Assocation, Stuart Levey. Ob die Digitalwährung wirklich schon im Januar starten kann wie zuletzt vermutet – unklar. Noch fehlt dafür eine Lizenz als Zahlungssystem seitens der Schweizer Finanzaufsicht Finma. Technisch gesehen sei man aber schon startbereit, heißt es aus dem Unternehmen. Doch neuer Namen hin oder her: Das Projekt steht weiterhin stark in der Kritik. „Ein Wolf im Schafspelz bleibt ein Wolf“, sagte Scholz unlängst nach einem Online-Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der G7-Länder.

Penta partnert mit Datev und darf zudem endlich (!) KfW-Kredite vergeben

Die Geschäftskunden-Neobank Penta wird offizieller Partner des Datev-Marktplatzes und integriert die Schnittstelle Datev connect online. Dadurch können Penta-Kund*innen ihre Buchführung direkt aus ihrem Geschäftskonto heraus managen und an ihre Steuerberater*innen übermitteln. Außerdem darf Penta ab sofort bundesweit KfW-Darlehen an Unternehmen vermitteln. Aktuell geht es um den KfW-Schnellkredit, der Firmen in Coronazeiten Hilfe bringen soll. Geplant war dieser Schritt schon im Frühjahr. In der näheren Zukunft soll es auch weitere KfW-Finanzierungen über Penta geben.

Neuer Fund ermöglicht Investitionen in Kryptos

Das Berliner Fintech Kapilendo und die Privatbank Hauck & Aufhäuser legen gemeinsam den neuen HAIC Digital Asset Fund Iauf. Darüber können Geldgeber ab Januar gezielt in ein diversifiziertes Portfolio aus Kryptoassets wie Bitcoin, Ether und Stellar investieren. Das Angebot richtet sich dabei institutionelle Investoren, denn die Mindestanlagesumme beträgt 200.000 Euro. Die neu gegründete Tochterfirma Hauck & Aufhäuser Innovative Capital GmbH dient dabei als Kapitalverwaltungsgesellschaft und verantwortet das Portfoliomanagement, Kapilendo fungiert als Kryptoverwahrstelle.

Vanta heißt nun Moss

Das Berliner FinTech für Firmen-Kreditkarten und Kostenmanagement, Vanta, hat sich nach einem Streit mit dem ähnlich klingenden FinTech Vantik nun einen neuen Namen verpasst: Moss. Moss-Macher Ante Krsanac ist übrigens am morgigen Freitag im Finanzpodcast von Payment & Banking zu Gast und spricht unter anderem über die Erfolge der ersten sechs Monate nach Start des Unternehmens. Bisher war Moss vor allem in der Startup-Szene auf Kundenfang, will nun aber auch im KMU-Segment Kunden gewinnen.

Stripe launcht Treasury in USA

Newsschau Dezember

Die Payment-Plattform Stripe bietet in den USA nun auch Banking-as-a-Service (BaaS)an. Die neue Lösung nennt sich Treasury und erweitert damit das Finanzdienstleistungsangebot für Plattformpartner. Anders als z.B. die deutsche Solarisbank bietet Stripe seine BaaS-Lösung aber nicht eigenständig an, sondern kooperiert mit den Banken Goldman Sachs, Barclays und Citibank – bei diesen liegen die Konten und die Einlagen der Kunden.

Investoren schießen bei Getsafe nach

Getsafe, digitaler Versicherer, freut sich über den erfolgreichen Abschluss einer Series-B-Finanzierung. Lead-Investor dieser Runde ist die Swiss Re. Auch bereits bestehende Investoren (u. a. Earlybird und CommerzVentures) haben sich erneut beteiligt. Damit kommt Getsafe auf eine Gesamtsumme von bislang 53 Mio. Dollar. Mit dem frischen Geld will das Unternehmen seine Position in Deutschland stärken und auf europäische Kernmärkte ausweiten. Für Swiss Re ist dies die zweite größere Partnerschaft mit einem Insurtech in diesem Jahr. Im August 2020 hatte das Unternehmen in das chinesische Insurtech Waterdrop Inc. investiert.

Geldspritze für IDnow

Der Anbieter von Identity-Verification-as-a-Service-Lösungen IDNow erhält von der Europäischen Investitionsbank (EIB) eine Wachstumsfinanzierung in Höhe von 15 Mio. Euro. Die Finanzierung wird durch die Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) ermöglicht. Das Geld soll vor allem in die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und in die internationale Expansion von IDnow fließen.

Modularbank sammelt Geld ein

Das estnischen Fintech Modularbank überzeugt eine Reihe namhafter Investoren, die gemeinsam im Rahmen einer Seed-Finanzierung 4 Mio. Euro in das Unternehmen stecken. Das Geld stammt dabei u. a. von den Venture-Capital-Gesellschaften Karma und Blackfin sowie „Plug and Play Ventures“. Dieser Investor hält seit der Start-up-Phase Anteile an Unternehmen wie Paypal, Dropbox und Lendico. Außerdem ist Ott Kaukver, der frühere CTO von Twilio und Skype, als Investor dabei. Eine imponierende Riege an Kapitalgebern also. Mit dem Geld will das Fintech, das Anfang des Jahres ein Büro in Berlin eröffnet hat, vor allem Entwicklungs- und Vertriebsteams sowie die Technologie-Plattform ausbauen.

Bitbond bringt in Kooperation einen Stabelcoin heraus

In Zusammenarbeit mit der Stellar Development Foundation geben das FinTech Bitbond und das Bankhaus von der Heydt den ersten von einer Bank emittierten Euro Stablecoin heraus. Der Stablecoin namens EURB wird regulatorisch als E-Geld eingestuft und wird 1:1 mit dem Wert eines regulären Euro hinterlegt. Er ermöglicht u.a. die sofortige Abwicklung von Wertpapiertransaktionen ohne Gegenparteirisiko und wird vom Bankhaus von der Heydt u.a. im Verbriefungsgeschäft eingesetzt.

Tink freut sich über weiteres Geld

Der Spezialist für Open Banking aus Schweden legt bereits die zweite große Finanzierungsrunde in diesem Jahr hin: Nach 90 Millionen Euro im Januar bekommt Tink jetzt nochmal 85 Millionen Euro frisches Kapital. Die Finanzierungsrunde wird vom neuen Investor Eurazeo Growth sowie vom Bestandsinvestor Dawn Capital angeführt. Das frische Geld soll v.a. in die neue Payment-Technologie von Tink fließen, die bereits von Unternehmen in Schweden und Frankreich genutzt wird. 2021 soll die Technologie in zehn Ländern verfügbar sein.

-per Mail-

Kein Company-Builder mehr?

Der Inkubator Finleap will keine weiteren Startups mehr aufbauen. Das Unternehmen, das vor 6 Jahren als Sprungbrett für Finanz-Startups an den Start gegangen ist, will sich künftig auf die Beratung statt auf die Gründung und Beteiligung von/an Fintechs fokussieren. Finleap hatte u.a. die Solarisbank oder das Insurtech Clark aufgebaut und war aus dem Company Builder Hitfox hervorgegangen. CEO Ramin Niroumand sieht die Zukunft von Finleap nun eher im Investment- und Beratungsgeschäft.

Newsschau Dezember

Stapelt Trade Republic tief?

Wie viele Kunden hat Trade Republic? Offiziell spricht das Unternehmen von etwas „über 150.000” Christian Kirchner legt ordentliche Indizien dafür vor, dass Trade Republic bereits 500.000 Kund*innen haben könnte. Träfe seine Hochrechnung zu, wäre das schon ein ordentlicher Hammer. Damit hätte das Unternehmen nur rund 17 Monate nach dem Start bereits etwa ein Drittel der Depotkund*innen, die etwa ING Diba Ende 2019 vermeldete.
Nachgerechnet hat er auch die mögliche Kundenzahl beim Banking-Angebot von Check24. Folgt man den sauber hergeleiteten Zahlen, dann sieht ein fulminanter Marktstart doch anders aus – die Kundenzahl dürfte sich binnen zwei Monaten im überschaubaren mittleren vierstelligen Bereich befinden.

Barclaycard launcht Mitarbeiter-Kreditkarten für Unternehmen

Mit “Barclaycard Precisionpay Go” können Unternehmen in UK virtuelle Corporate-Kreditkarten angelegt und an die Mitarbeiter ausgegeben. Diese werden für das Smartphone verteilt und lassen sich dann etwa als Referenzzahlungsmittel in Payment-Apps hinterlegen. Somit können die Mitarbeitenden auch sofort mobil bezahlen. Die Gültigkeit der Karte kann auf bestimmte Beträge oder Zeiträume begrenzt werden.

Banxware hat einen Bankenpartner gefunden

Der erste Bankenpartner von Banxware ist die Vereinigte Volksbank und Raiffeisenbank. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss regionaler Banken aus Franken und Südhessen. Der stellt dem Unternehmen von Miriam Wohlfarth und Jens Röhrborn künftig 100 Millionen Euro für Kredite zur Verfügung. Banxware will durch White-Label-Lösungen Online-Plattformen und Marktplätzen anbieten, Kreditanträge schnell abzuwickeln.

Neuer Robo für den deutschen Markt aus den USA

Gegenüber dem Handelsblatt bestätigte der US-Fondsanbieter Vanguard, ab einemRobo-Advisor für den deutschen Markt zu arbeiten. Start soll in 2021 sein. Über eine solche digitale Plattform sollen Anleger Kapital automatisiert anlegen können.

Spendit wechselt zur Solarisbank

Mit Spendit können Unternehmen an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Kreditkarte herausgeben, auf der dann bis zu 44 Euro steuerfrei landen. Nach dem Wirecard-Skandal musste sich Spendit dafür einen anderen Partner suchen und hat diesen jetzt durch die strategische Partnerschaft mit der Solarisbank in Zusammenarbeit mit Visa gefunden.

Personalia:

Jean Pierre Mustier bald kein Unicredit-Vorstandschef mehr

Der Vertrag von Jean Pierre Mustier als Vorstandschef wird von Unicredit nicht verlängert, nachdem er zuletzt in seiner Position immer stärker auf Widerstand gestoßen war. Zum Ende des im März des kommenden Jahres auslaufenden Vertrags wird Mustier mit den Worten zitiert, seine Strategie passe nicht länger zum Denken des Aufsichtsrats.

Neuer Chief Marketing Officer für Younited Credit Deutschland

Newsschau Dezember

Jana Koch wird Position des Chief Marketing Officer bei Younited Credit Deutschland. Koch kommt von der comdirect und war dort zuletzt Leiterin des Business Development & Innovation Managements. In ihrer neuen Position wird sie u. a. für die Entwicklung neuer Produkte sowie Geschäftsfelder verantwortlich sein.

Personalkarussell bei Neobank Kontist dreht sich

Die Freelancer-Neobank Kontist tauscht ihr Spitzenpersonal aus: Die bisherige Co-Chefin Sibylle Strack sowie der Technikchef Sebastian Galonska verlassen das Unternehmen. Nach exklusiven Infos von Payment & Banking wird Lea Beckmann (Head of Business Development & Partnerships) die operativen Aufgaben von Sibylle Strack übernehmen und das Bankprodukt selbst sowie die Partnerschaft mit der Solarisbank verantworten. Beckmann soll bei Kontist an den neuen Co-CEO Benjamin Esser berichten. Kontist-Gründer Christopher Plantener kann sich durch die Etablierung des neuen Co-CEO weiter auf sein Steckenpferd fokussieren, nämlich den neuen Steuerservice von Kontist.

Vanguard sichert sich Dienste zweier erfahrener Fintech-Manager

Einer der wichtigsten globalen Finanzmarkt-Player will noch im kommenden Jahr die digitalisierte Geldanlage auf dem deutschen Markt anbieten. Für den Aufbau der eigenen digitalisierten Geldanlange in Deutschland hat sich der Finanzmarkt-Player Vanguard mit Andreas Bittner, dem Mitbegründer der Solarisbank und der DAB Bank und Jesper Wahrendorf, dem ehemaligen Chef von Ratepay zwei erfahrene Fintech-Manager geholt.

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Die studierte Soziologin und Medienwissenschaftlerin beobachtet, analysiert und schreibt als Journalistin seit vielen Jahren über die Startup- und Fintechszene. In der Vergangenheit arbeitete sie für führende on- und offline für Gründer- und Wirtschaftsmedien im In- und Ausland, moderiert, schrieb mit... mehr
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