Neue Studie belegt: Die Zukunft im Embedded Finance ist schon da

Eine aktuelle Studie von Accenture zeigt, dass Embedded Finance nicht nur ein Wachstumsmarkt ist, sondern bereits heute ein wichtiger Teil der Finanzbranche. Gerade kleine und junge Unternehmen sind dabei Treiber, denn für sie bietet der Trend große Chancen.

Wer meine Beiträge auf dieser Seite regelmäßig liest, der hat schon mitbekommen, wie viel Potenzial ich im Embedded-Finance-Markt sehe. Über den Stand der Technologie und ihre weitere Entwicklung habe ich hier und hier geschrieben.

Verzehnfachung des Volumens

Ich will aber gar nicht bestreiten, dass ich eine gewisse Voreingenommenheit mitbringe, schließlich bin ich selbst mit Banxware aktiv auf dem Feld. Umso schöner ist es, wenn unabhängige Beobachter zu ähnlichen Einschätzungen kommen. Accenture hat vergangene Woche eine Studie zu Embedded Finance veröffentlicht, die zu sehr positiven Prognosen kommt. So erwarten die Autoren einen globalen Umsatz von 230 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 mit Embedded-Finance-Produkten. Das wäre mehr als das zehnfache Volumen im Vergleich zum Jahr 2020.

Den größten Anteil wird dabei der Payments-Sektor ausmachen, der bereits heute für gut 70 Prozent des Geschäfts steht. Aber die anderen Marktsegmente – Kredite und Versicherungen – wachsen stärker und werden entsprechend ihren Anteil am Geschäft erhöhen können. Um zu verdeutlichen, welche grundsätzliche Umwälzung hier bevorsteht: 2030 könnte laut der Studie die Marktkapitalisierung der Embedded-Finance-Firmen höher liegen als die heutige der Big-Tech-Konzerne wie Amazon, Google und Co.

Unternehmen wenden sich Anbietern für Embedded Finance zu

Insofern bestätigt Accenture die Wachstumsprognosen der vergangenen Monate und Jahre. Noch spannender ist aber die Erkenntnis, dass Embedded Finance bereits heute mehr ist als ein Nischenprodukt. Nicht-Banken machen mittlerweile 28 Prozent der Marktkapitalisierung im Finanzdienstleistungsmarkt aus. 2010 waren es gerade einmal vier Prozent. Und während diese vier Prozent damals komplett von Zahlungsverkehrsanbietern belegt wurden – Firmen wie Visa und Mastercard – spielen mittlerweile auch FinTechs eine Rolle, sie allein kommen auf elf Prozent der Marktkapitalisierung.

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Diese Entwicklung befeuern dabei nicht nur die Privatkunden, die schon seit Jahren mit großer Begeisterung die oft sehr nutzerfreundlichen Apps und Angebote von Start-ups nutzen und nicht die als altbacken empfundenen Dienstleistungen klassischer Banken. Nein, auch Unternehmen wenden sich immer mehr alternativen Anbietern zu. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) sind Embedded-Finance-Angebote hoch attraktiv. Das hat im Gegensatz zu den Privatkunden allerdings wenig mit Bequemlichkeit und Design zu tun. Für die KMUs können Embedded-Finance-Produkte überlebenswichtig sein.

Kurzfristige Liquiditätsengpässe führen zu Pleiten

Womit wir beim letzten Punkt aus der Studie wären, der von Interesse ist. Denn er zeigt, dass es bei Embedded Finance nicht einfach darum geht, ein bestehendes Produkt digital besser aufzubereiten, sondern darum, existierende Finanzierungslücken zu schließen. Denn aktuell haben vor allem KMUs und neu gegründete Unternehmen gewaltige Probleme, an Kredite und andere Finanzdienstleistungen zu kommen. Laut einer Studie von Roland Berger lassen sich 29 Prozent aller Pleiten von KMUs auf fehlende kurzfristige Liquidität zurückführen.

Entsprechend haben bereits 46 Prozent von ihnen alternative Kreditlösungen genutzt. In der Befragung von Accenture gaben außerdem 39 Prozent der KMUs an, dass sie sich für plattform-integrierte Produkte interessieren würden, wie eben Kredite, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Denn diese sind bei kleineren Firmen oft Teil des Geschäftsprozesses und kein Symptom schlechter Planung.

Gut lässt sich das an einem Beispiel zeigen, dass uns bei Banxware begegnet ist. Die Firma myDartpfeil, die individuell konfigurierte Dartpfeile anbietet, litt unter anderem darunter, dass sie je nach der vom Kunden gewählten Zahlungsart oft einige Zeit auf ihr Geld warten mussten, etwa beim Rechnungskauf, der Zahlungsfristen von bis zu 14 Tagen mit sich bringt. In so einem Szenario kann ein kurzfristiger Kredit darüber entscheiden, ob ein junges Unternehmen nach kurzer Zeit in die Knie geht oder weiter ausbauen und expandieren kann. Außerdem können Embedded-Finance-Anbieter oft flexible Rückzahlungsmodelle anbieten, etwa durch Kopplung an den Umsatz.

Risiken müssen bei Embedded Finance eingepreist werden

Natürlich dürfen wir nicht ausklammern, dass es auch gute Gründe gibt, aus denen sich Banken in diesem Bereich oft zurückhalten. Wenn langfristige Daten fehlen und die Embedded-Finance-Anbieter nur auf Basis kurzfristiger Werte Entscheidungen treffen, kann das natürlich zu höheren Ausfallrisiken führen. Und die einfache Verfügbarkeit von Fremdkapital kann bei Firmen – ganz ähnlich wie bei Privatkunden – dazu führen, dass sie sich übernehmen und am Ende bei der Tilgung ihrer Kredite in Schwierigkeiten geraten.

Diese Risiken sind in der Branche aber durchaus bekannt und eingepreist. Die Accenture-Studie hat die Effektivzinsen von einem Fintech-Kredit mit denen eines klassischen Bankkredits verglichen. Natürlich sind die Kostenstrukturen nicht identisch. Aber es lässt sich doch eine Prämie von zwei bis drei Prozent für Kredite mit mehr als einem Jahr Laufzeit herausarbeiten, die EF-Anbieter bekommen, um die oben beschriebenen Risiken auszugleichen. Ein fairer Wert angesichts der Tatsache, dass die Alternative für die Unternehmen oft in der Geschäftsaufgabe besteht.


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Headerbild, iStock: Bildnachweis: anilakkus

Autor
Miriam Wohlfarth ist Unternehmerin, Aufsichtsrätin und Beirätin. 2009 hat sie das Payment Unternehmen Ratepay gegründet und war dort bis zum Okt 2021 Geschäftsführerin. 2020 hat sie das Fintech Banxware mitgegründet und ist dort Co-CEO und GF. Seit 2016 ist Miriam... mehr
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