Mitten in der Krise: Diese Fintech-Unternehmen sammelten Geld ein

Die Corona-Krise trifft viele Startups enorm hart und viele bangen dieser Tage um ihre Existenz, weil Geschäftsmodelle wegbrechen, Nutzer wegbleiben oder notwendiges Kapital für Wachstum und Expansion fehlt. Die Kapitalgeber agieren vorsichtig: Die Zeit für große Finanzierungsrunden scheint zunächst vorbei. Peter Lennartz, Partner bei der Beratungsgesellschaft EY warnt, dass die Branche vor der „größten Bewährungsprobe“ ihrer Geschichte stehe.

Doch zum Glück gibt es erfreuliche Ausnahmen in diesem Trend. Diese Fintechs haben auch während der Corona-Krise Geld einsammeln können und senden damit (hoffentlich) ein positives Zeichen in die Startup Welt sowie ein Signal in Richtung Investoren. Denn es gilt: Gute Geschäftsmodelle bleiben auch in Zeiten der Krise gute Geschäftsmodelle!

Penta

Zunächst als „N26“ für Geschäftskonten positioniert, bietet das Berliner Unternehmen Penta über seine Plattform längst auch umfangreiche Buchhaltungs- und Spesen-abrechnungsfunktionen an. Es hilft zudem Gründern bei Anmeldung ihrer UG oder GmbH und bietet über Kooperationen weitere Finanzdienstleistungen an.
Bereits im März sammelte das Unternehmen insgesamt 18,5 Millionen Euro ein. Zu den Investoren zählen RTP Global, Holtzbrinck Ventures, ABN AMRO Ventures, VR-Ventures und die Berliner Fintech-Holding finleap, zu der Penta mehrheitlich gehört. 

Mitten in der Krise: Diese bisher drei Fintech-Unternehmen sammelten Geld ein

Eingetütet worden sei der Deal bereits vor den aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten, sagt Penta-Chef Marko Wenthin. In einer Kapitalrunde vom August 2019 sammelte das Unternehmen bereits mehr als acht Millionen Euro ein. Nun soll die Geldspritze dazu dienen, Technologie, Produkt, Kundenservice und Marketing und die Expansion in andere europäische Märkte voranzutreiben.
Zuletzt errichtete das Team eine eigene Corona-Taskforce mit dem Ziel, kleine Unternehmen durch die schwere Zeit zu begleiten und klärt auf, wo Unternehmer und Selbständige Hilfen beantragen können.

Trade Republic

Eigentlich wurde Trade Republic bereits 2015 gegründet, richtig in Erscheinung trat das Berliner Unternehmen erst mit der Live-Schaltung der Warteliste im vergangenen Jahr. Das Unternehmen greift mit seinem Preismodell etablierte Onlinebroker an, das Vorbild für das Konzept kommt aus den USA. Nun konnten die Gründer Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri erneut eine Reihe namhafter Investoren von sich überzeugen: Accel und Founders Fund, also Peter Thiel, investieren 62 Millionen Euro in Trade Republic. Zuletzt hatten die drei eine Kapitalspritze in Höhe von 10 Millionen Euro Creandum und Project A einsammeln können. Kunden können mobil und provisionsfrei mit Aktien, ETFs und Derivate handeln.

Mitten in der Krise: Diese bisher drei Fintech-Unternehmen sammelten Geld ein

Im Zuge der Investmentrunde stiegen wallstreet:online sowie auch der Broker-Dienst Sino bei Trade Republic aus, das, obwohl erst seit knapp einem Jahr am Markt, bereits mehr als 150.000 Kunden hat, die dem Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro Vermögen anvertrauen. Bei der Abwicklung des Wertpapiergeschäfts arbeitet Trade Republic mit der britischen Großbank HSBC zusammen. Als Dienstleister für die Konten dient die mit Vollbanklizenz ausgestattete Solarisbank.
Das Team von Payment and Banking hat sich über das Unternehmen im Zuge seines Invesmtents bereits geäußert: https://paymentandbanking.com/trade-republic-mit-drei-klicks-traden-und-was-macht-ihr-so/

Taxfix

Die Steuer-App-Anbieter Taxfix wurde 2016 von Mathis Büchi und Lino Teuteberg gegründet. In einer Series C sammelten die beiden nun umgerechnet 59 Millionen Euro (65 Millionen US-Dollar) ein. Neben den Bestandsinvestoren Creandum, Redalpine und Valar Ventures, das ist der Fonds des deutschen Investors Peter Thiel, wurde die aktuelle Runde von Index Ventures angeführt. Die Gespräche mit den Investoren seien jedoch schon vor Ausbruch der Krise aufgenommen worden. „Zum Glück haben sie keinen Rückzieher gemacht“, sagte Mathis Büchi gegenüber dem Handelsblatt. Taxfix bietet eine kostenpflichtige App an, die Nutzern hilft, ihre Steuererklärung am Handy zu erledigen. Aktuell arbeiten rund 200 Angestellte für das Software-Unternehmen. Im Zuge der Finanzierung will das Startup sein Team nach eigenen Angaben um 100 zusätzliche Mitarbeiter erweitern.

Vorteil für die Berliner: Niemand erledigt gerne seine Steuererklärung, doch gerade in Zeiten der Krise widmen sich die Deutschen vermutlichen mehr als sonst ihren Finanzen. Eigenen Angaben nach hat das Unternehmen bereits mehr als 270 Millionen Euro an Steuerrückerstattungen seit Start für seine hunderttausende Nutzer zurückgeholt.

Zeitgold

Zeitgold bietet eine App, die bei der Digitalisierung von Rechnungen sowie eine Software, die die Buchhaltung deutlich vereinfachen soll. Mit diesem Modell konkurrieren die Berliner mit einigen Mitbewerbern am Markt, allen voran mit dem Marktführer Datev.

Altinvestoren wie Battery Ventures, Holtzbrinck Ventures, Saban Ventures, btov Partners und  der Versicherungskonzern AXA Deutschland sowie Vintage Investment Partners glauben trotz des Konkurrenzdrucks an das Unternehmen und investieren 27 Millionen Euro in Zeitgold. Insgesamt flossen nun schon über 50 Millionen in das Buchhaltungssoftware-Unternehmen. Zeitgold wurde 2015 von Stefan Jeschonnek, Jan Deepen und Kobi Eldar gegründet.

Dass die Finanzierungsrunde so positiv für das Startup verlief, sei ein Stück weit auch Glück gewesen, sagte Zeitgold-CEO Stefan Jeschonnek im Interview mit „t3n“. Denn die ersten Gespräche mit Investoren für die Finanzierungsrunde hätten bereits im vierten Quartal 2019 stattgefunden — also noch vor der Corona-Krise. Das Unternehmen beschäftigt derzeit in Berlin und Tel Aviv 120 Mitarbeiter.

–Update–

Die dpa meldete vor wenigen Tagen zudem eine erhöhte Finanzierungsrunde der Smartphone-Bank N26. Die Meldung im Wortlaut:

„Die Smartphone-Bank N26 setzt auf einen schnelleren Wandel der Branche durch die Corona-Krise und stockt ihre jüngste Finanzierungsrunde um mehr als 100 Millionen Dollar auf. Das Geld von bestehenden Wagniskapitalgebern solle für Produkt-Innovationen und den Ausbau des Geschäfts in den Kernmärkten in Europa sowie den USA verwendet werden, teilte das Berliner Unternehmen am Dienstag mit. Die Finanzierungsrunde wurde damit auf 570 Millionen Dollar (523 Mio Euro) erhöht.

N26 wolle sich für Wachstum nach der Krise rüsten, sagte Deutschlandchef Georg Hauer der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sehen, dass die Nachfrage nach digitalen Produkten gerade massiv steigt.“ N26 stelle sich auf einen dauerhaften Effekt ein: „Mobile Banking wird in der Zukunft einfach zum Standard im Banking.“ Das Ziel von N26 sei, eine der relevantesten Banken in Europa und den USA zu werden.

Durch den geringeren Konsum in der aktuellen Situation gingen zwar auch bei N26 die Transaktionserlöse zurück, die Firma sehe aber zugleich seit Monaten Wachstum bei den Premium-Kunden. Das zeige, dass immer mehr Menschen ihr Hauptkonto bei N26 führten, sagte Hauer. Die in Deutschland traditionelle Treue zur langjährigen Hausbank nehme ab: „Covid-19 schafft es gerade, Gewohnheiten zu ändern, die sich lange nicht geändert haben.“ In der Anfangszeit vor fünf Jahren sei der durchschnittliche N26-Kunde Mitte 20 gewesen – inzwischen sei das Durchschnittsalter auf Mitte 30 gestiegen, „mit Trend nach oben“.

N26 habe in der Corona-Zeit an Werbung gespart – da weniger Menschen sie aktuell gesehen hätten. Der Marktstart in Brasilien verzögere sich unterdessen bis 2021 nicht wegen der Krise, sondern weil N26 beschlossen habe, eine eigene Banklizenz zu beantragen, sagte Hauer.“

Autor
Christina Cassala ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Berlin und treibt sich dort seit vielen Jahren in der Gründerszene rum. Sie schreibt vor allem über Themen aus den Bereichen Private Equity, Finanzierungen, Start-ups und Fintech-Themen. mehr

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