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Mit KI-Agenten Meilen sammeln?

Karten, Wallets, A2A oder Stablecoins: Anbieter stellen etablierte aber auch neuartige Zahlungslösungen auf Agenten ein. Doch welche setzen sich durch?

Silke Finken spricht als Kolumnistin über Herausforderungen bei der KI-Einführung in Unternehmen
Portrait von Silke Finken, die in ihrer Kolumne die Gründe für das Scheitern vieler KI-Piloten in Unternehmen erklärt.

Karten, Wallets, A2A oder Stablecoins: Anbieter stellen etablierte aber auch neuartige Zahlungslösungen auf Agenten ein. Doch welche setzen sich durch?

Wenn KI-Agenten autonom einkaufen sollen, müssen sie selbst bezahlen können. Klingt zunächst einfach, zieht jedoch einen Rattenschwanz an strategischen, operativen und regulatorischen Fragen nach sich: Bleibt der traditionelle E-Commerce-Payment-Mix weitgehend stabil oder kristallisieren sich dominante Instrumente heraus? Und wie gehen wir mit regulatorischen Anforderungen wie der Starken Kundenauthentifizierung (SCA) oder Fragen nach der Haftung um, wenn der Agent etwas anderes kauft, als wir eigentlich wollten?

Etablierte Instrumente mit regulatorischen Herausforderungen

Grundsätzlich sind die meisten Zahlungsinstrumente und Anbieter aus dem E-Commerce-Payment-Bereich gut positioniert. Allerdings müssen sie ihre Lösungen an die besonderen Anforderungen agentenbasierter Transaktionen anpassen. Dafür braucht es technische Lösungen wie die Protokollkompatibilität oder die Identifizierung von Agenten – KYC wird zu KYA (Know-Your-Agent). Daneben stellen sich Fragen rund um Starke Kundenauthentifizierung (SCA), Transaktionsautorisierung und Haftung. KI-Agenten können beispielsweise keine SCA mit zwei Faktoren gemäß der PSD2 durchführen. Hier sind kreative Lösungen gefragt, wie etwa analog zu A2A Variable Recurring Payments, bei denen Nutzer:innen einmalig eine SCA durchführen, um ein definiertes Mandat mit Betragsobergrenzen, Häufigkeiten und Begünstigten festzulegen.

Die Menge an Fragen zeigt: Für europäische Banken und Zahlungsdienstleister gibt es einiges zu tun. Noch sind europäische Kund:innen bei der vollständigen Delegation ihrer Einkäufe an Agenten zwar zögerlich, wie eine neue McKinsey-Studie für Europa zeigt: Es gibt zwar eine hohe Bereitschaft zur KI-Unterstützung am Anfang der Shopping-Reise, doch sinkt diese mit Blick auf das Bezahlen. So fühlten sich 56 Prozent wohl mit KI-generierten Vorschlägen, aber nur gut 30 Prozent mit dem autonomen Bezahlen selbst bei einfachen, wiederholten und Abo-basierten Käufen.[1] Doch je präziser Agenten werden, desto stärker wird mutmaßlich auch die Bereitschaft zum KI-basierten Bezahlen.

Mastercard und VISA sind bereit

Kartenorganisationen wie Mastercard und Visa haben sich bereits mit Protokollen und strategischen Allianzen auf die Ära des Agentic Shopping vorbereitet: Im April 2025 lancierte Mastercard Agent Pay mit der Identifizierung von Agenten über Netzwerk-Token. Der Ansatz ähnelt dem, den Visa fast zeitgleich veröffentlichte. Visa Intelligent Commerce sieht vordefinierte Budgets, Zahlungsvoraussetzungen und tokenisierte digitale Anmeldedaten vor, die sicherstellen, dass ein Agent tatsächlich befugt ist, im Namen des Kunden zu handeln. Den Karten steht technisch der Sprung ins Agentic Commerce soweit offen und sie sind zugleich bei Kund:innen bereits etabliert. Allerdings stehen sie laut EHI mit 12,3 Prozent Marktanteil nur auf Nummer vier der Hitliste der meistgenutzten Zahlungsinstrumente im E-Commerce.[2]

PayPal und Stripe positionieren sich mit Allianzen

Auch andere Player bringen sich in Stellung: Digitale Wallets wie PayPal oder Anbieter wie Stripe kooperieren ebenfalls mit KI-Anbietern wie Google, OpenAI oder Microsoft und entwickeln Zahlungslösungen für deren integrierte Checkouts. PayPal ist im E-Commerce auch stark etabliert und liegt in Deutschland laut EHI mit 25,8 Prozent Marktanteil auf Platz eins.[2] Mit den neuen Agentic Commerce Services [3] sowie der Übernahme des auf Agentic Commerce spezialisierten Start-Ups Cymbio festigt PayPal außerdem seine Ambitionen auf eine starke Präsenz im Agentic Commerce.

Stripe lancierte im September 2025 das Agentic Commerce Protocol mit OpenAI und stellte eine Woche später die Shared Payment Tokens (SPT) vor, die auf ein bestimmtes Unternehmen beschränkt und zeitlich oder mengenmäßig begrenzt sind und jederzeit widerrufen werden können.[4] Anfang März 2026 erweiterte Stripe nun die SPT-Unterstützung um Agent Pay und Visa Intelligent Commerce sowie um BNPL-Lösungen wie Klarna.[5] Die global agierenden PSPs steigen somit stark ins Agentic Commerce ein. Sollten sich die Gerüchte über eine potenzielle Übernahme von PayPal durch Stripe bewahrheiten, könnte hier ein sehr dominanter Player entstehen.

Stablecoins und x402 als potenzielle Zukunft?

Stablecoins haben in den letzten Monaten vor allem im Kontext grenzüberschreitender Zahlungen von sich reden gemacht. Allerdings wurden Stablecoins und Kryptowährungen bereits von Anfang an in Googles Agent Payments Protocol explizit als Zahlungsinstrumente integriert, unter anderem in Form des von Coinbase entwickelten x402-Protokolls als Basis für agentenbasierte Instant-Krypto-Zahlungen.

Stablecoins bieten eine Reihe von Vorteilen für den Einsatz im Agentic Commerce: Real-time Settlement, Programmierbarkeit, Transparenz und Micro-Payments. Ähnlich wie 2025, als die Bausteine für die Agentic-Commerce-Infrastruktur entstanden sind, entstehen jetzt die Puzzlestücke für Stablecoin-Rails im Agentic Commerce. Außerdem ermöglicht Stripe Unternehmen mit Open Issuance, eigene Stablecoins auf den Markt zu bringen und zu verwalten. Und für diejenigen, die keine Liquidität in Stablecoins halten wollen, bietet Revolut eine Lösung an: Für den Umtausch zwischen Fiat-Geld und Stablecoins fällt keine Gebühr an.

Prompt-Engineering für die Einkaufsliste?

Bei allen Lösungen stellt sich jedoch immer noch die Haftungsfrage: Statt drei Parteien (Endkund:innen, Zahlungsdienstleistern und Händlern) sind nun mindestens vier involviert und die Frage nach dem Auslöser für falsche Käufe wird nicht leicht zu beantworten sein: Lag es an missverständlichen Prompts des Users, fehlerhaften oder unklaren Informationen des Händlers oder einfach daran, dass der Agent bzw. das darunterliegende LLM munter vor sich hin halluzinierte? Derzeit ist das Thema der Haftung noch weit offen, und wer auch immer es sinnvoll löst, kann sich damit sehr prominent platzieren.

Optionenraum noch offen

Perspektivisch ergeben sich für mich derzeit drei mögliche Hauptszenarien (mit diversen Varianten):

1.    Der bestehende Payment-Mix bleibt weitgehend erhalten: Voraussetzung dafür ist, dass regulatorische Herausforderungen gelöst und die Instrumente möglichst effizient an agentenspezifische Anforderungen angepasst werden. Loyalität und zusätzliche Benefits wie Kartenmeilen können die Präferenzen der Kunden und damit die Rangfolge der bevorzugten Zahlungsinstrumente weiterhin signifikant beeinflussen.

2.    Dynamische First-Mover und digitale Wallets weiten ihre Position aus und beeinflussen den Payment-Mix: Angesichts der langsameren Entwicklung des Agentic Commerce in Europa haben globale Spieler den Vorteil, früh Erfahrungen in den USA zu sammeln und dann entsprechend zu skalieren.

3.    Stablecoins werden die dominante Zahlungsmethode im Hintergrund des Agentic Commerce mit nahtloser Umwandlung in Fiat-Geld für Endkund:innen: Player wie Google, Stripe, Revolut & Co. haben die wesentlichen technischen Puzzlestücke bereits platziert – die Frage ist allerdings, wie stark Kundenpräferenzen noch den traditionellen Payment-Mix stärken.


Dieses Thema werden wir auch heute auf dem Panel besprechen. Silke ist heute auch bei der Payment Exchange (PEX) auf der Bühne – um 10:30 Uhr beim Panel „Agentic Commerce: Das Ende des eCommerce wie wir ihn kennen?“.

Karten, Wallets, A2A oder doch Stablecoins? Die Bezahllösungen für Agenten sind theoretisch vielfältig, doch welche setzen sich durch? Bleibt alles beim Alten? Oder bekommen wir einen neuen Payment-Mix im Agentic Commerce?

Autor

Silke Finken
Silke Finken

Silke Finken ist Professorin für Innovationsmanagement, Keynote-Speakerin, Buchautorin und Beirätin. Ihre Themen: KI, digitale Transformation im Banking und Embedded Finance. Zuvor leitete sie Innovation bei der DZ BANK.