Donut und Homer Simpson, das gehört zusammen wir Berlin und seine Startup-Szene. Keiner hat die klebrigen, runden, amerikanischen, handtellergroßen Krapfen bekannter gemacht, als die gelbe Comicfigur. Mit der klebrigen Teigmasse hat das Berliner Unternehmen Donut zwar nichts zu tun, dennoch nutzen die Gründer Neel Popat, Jordan Abderrachid, Dan Spooner und Julian Lehr das Image ganz bewusst. „Jeder mag Donuts!“, sagt Lehr, dem die Aufmerksamkeit durch die Namenswahl durchaus bewusst ist. Außerdem: „Langweilige Namen für Fintechs gibt es doch genug“, sagt er lachend. Statt einer süßen, klebrigen Angelegenheit ist das Business-Modell hinter Donut eine ziemlich trockene Materie.

Die Jungfirma, die derzeit so gut wie unter dem Radar arbeitet, will es – kurz gesagt -jedem Menschen ermöglichen, Krypto-Investor zu werden – und das auch ohne große (technischen) Vorkenntnisse.

Das Interesse in Kryptowährungen ist hoch, das Vertrauen gering

Donut richtet sich an junge Menschen, die „Geld auf dem Konto liegen haben, aber denen die Ideen fehlen, dieses anzulegen“, beschreibt Lehr seine Zielgruppe. Dem Berliner Startup spielt das aufkommende Interesse in diese Assetklasse in die Hände: „Der Krypto-Hype im Jahr 2017 hat gezeigt, dass Bitcoin eine interessante Geschichte hat. Es gibt eine große Gruppe an Menschen, die gerne investieren möchten“, ist sich der Junggründer sicher. Dennoch ist die Skepsis weiterhin groß: Krypto-währungen sind komplex und hochrisikobehaftet – sie eigenen sich wegen der hohen Kurs-schwankungen weder als Sparmaßnahme noch zur Altersvorsorge!

Krypto-Investments - so einfach wie eine Taxi-Bestellung

Man habe auch beobachtet, wie viele Leute damals unbedacht Krypto- und ICO-Investitionen getätigt haben, ohne die Anlagenklasse und die Technologien dahinter wirklich zu verstehen. Das Ergebnis: Die Verluste waren hoch – und gefakte ICO-Scams wie des Frankfurter Fintechs Savedroids haben zusätzlich zu einem Vertrauensverlust in Kryptowährungen beigetragen.

Otto-Normalverbraucher soll Investor werden können

An diesem Punkt setzt die Vision von Donut an und will die Nutzer spielerisch an das Thema heranführen. Donut will Kryptowährungen aus der nerdigen Nische herausholen und für Otto-Normalverbraucher begreiflich machen. „Das Investieren in Krypto-Währungen soll so einfach wie eine Taxibestellung sein“, sagt Lehr.

Und so funktioniert Donut: In seiner App stellt das Startup den Kunden personalisierte Krypto-Portfolios zusammen, die ihre Interessen und ihr Risikoprofil widerspiegeln. „Wir probieren derzeit noch verschiedene Modelle aus“, sagt Lehr. Denkbar wäre beispielweise eine monatliche Überweisung eines bestimmten, definierten Betrages, oder so genanntes Round-up Feature. Heißt konkret: Nutzer können beispielsweise nach einem Kauf die jeweiligen Cent-Beträge aufrunden und diese investieren, oder – und das sei in den USA schon recht populär, so Lehr – als Belohnung für die eigene Motivation, wenn die Laufstrecke wieder einmal länger ausgefallen ist.

Krypto-Investments - so einfach wie eine Taxi-Bestellung

Beratung inklusive: Donut will seinen Nutzern genau erklären, in welche Währungen und Tokens sie investieren können, wie die Technologien dahinter funktioniert und warum es zu Kurspreisschwankungen kommt. „Wir sind ein erklärender Robo-Advisor für Kryptowährungen“, so der Mit-Gründer.

Auf dieser Basis sollen die User anschließend selbstständig entscheiden, was sie in ihr Portfolio holen.

Die ersten Kapitalgeber sind schon an Bord

Der Schweizer Kapitalgeber Redalpine investierte unlängst in das Startup aus Berlin, gemeinsam mit Business Angels wie Daniel Aegerter, Andreas Bodczek und Heiko Hubertz, sowie der ehemalige N26-CMO Kelly Ford und N26-Aufsichtsrat Marcus Mosen ein. Donut-Mitgründer Abderrachid war vorher selbst bei N26. Der Company Builder Entrepreneur First unterstützte das Startup bereits zuvor in einer sechsstellige Pre-Seed Investitionsrunde.

Donut versteht sich nicht als ein reines Krypto-Startups, sondern als Türöffner zu neuen Anlageklassen. Langfristig glauben die Gründer nämlich vor allem an die Tokenisierung anderer Asstetklassen, darunter beispielsweise Aktien oder gar von Kunst. „Der Markt ist noch nicht ganz reif dafür“, sagt Lehr, „aber wenn er soweit ist, wollen wir diversifizierte Assetklassen anbieten.“

Wo und wann Donut aus der Closed-Beta im Sommer kommt, wird derzeit im Gründerteam noch diskutiert. Irgendwann im Sommer soll es aber spätestens soweit sein. Derzeit sprechen die Donut-Macher noch mit Banken und Partnern, die entsprechende Lizenzen besitzen, um etwa auf Bankkonten zugreifen zu dürfen. Zwar wünsche man sich einen Start in hierzulande, aber der ist ungewiss. „Deutschland ist definitiv ein konservativer Standort“, sagt Lehr, „aber auch hier gibt es durchaus mögliche Kooperationspartner.“ Es bleibt also spannend und für das Gründerteam gibt es noch eine Menge zu tun.

„Deutschland ist ein konservativer Standort aber auch hier gibt es durchaus mögliche Kooperationspartner.“


Autor

Christina Cassala ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Berlin und treibt sich dort seit vielen Jahren in der Gründerszene rum. Sie schreibt vor allem über Themen aus den Bereichen Private Equity, Finanzierungen, Start-ups und Fintech-Themen. mehr

Christina Cassala