Israelis – Early Adopter mit großem Gründergeist

In Israel sind Innovationen schon lange Tradition. So verwundert es nicht, dass hier die modernsten und ausgeklügeltsten Fintech-Startups der Welt entstehen. Dies ist nicht zuletzt auf die exzellente Geheimdienstausbildung der israelischen Armee zurückzuführen, die jedes Jahr unzählige technisch-versierte Talente produziert. Gekoppelt mit enormen jährlichen Ausgaben für Forschung & Entwicklung hat es Israel geschafft, ein globales & innovatives High-Tech-Zentrum zu erschaffen, welches ein optimales Umfeld für Fintech-Gründer bietet.

Israelischen Fintechs gelingt es durch die Expansion außerhalb ihres Heimatmarktes, globale Kunden zu bedienen, effektiver zu skalieren und das Interesse internationaler Co-Investoren zu wecken. So kamen allein in 2018 um die $989 Millionen an Investitionen in israelische Fintech-Startups zusammen, was einer Steigerung von +118% im Vergleich zu 2017 und damit einem Rekord für den israelischen Fintech-Markt entspricht.

In Zukunft werden wir mit Sicherheit noch eine Vielzahl neuer, innovativer Fintech-Startups aus Israel zu sehen bekommen, die sich auch auf globaler Ebene einen Namen machen.

Es lohnt sich also manchmal den Blick in ganz andere Länder zu werfen, wie z.B. nach Israel. Das finden wir so spannend, dass wir Ende Oktober eine kleine Tour nach Israel organisieren wollen. Interesse? Hier gibt es mehr Infos und auf unserer Eventseite kann man sich jetzt schon registrieren.

Ein Gastbeitrag von Maike Diehl, Geschäftsführerin Diehl Kommunikation

Wer in Israel ankommt, merkt schnell: Bargeld braucht man vielleicht noch, um mit einem Sammeltaxi durch die Stadt zu fahren. Doch ansonsten zahlen Israelis mit Kreditkarte oder nutzen Apps. Rund 90 Prozent aller Läden in Israel akzeptieren Kreditkarten. So werden auch das Päckchen Kaugummi oder die Dose Cola am Kiosk mit Kreditkarte gezahlt. Taxifahrten werden über Gett mit Kreditkarte oder Paypal abgewickelt.

Israelische Eltern sammeln das Geld für die Geschenke zum nächsten Kindergeburtstag über Paybox ein oder sie überweisen per Bit mit wenigen Klicks Geld an ihre Telefonkontakte. Parktickets werden u.a. bei Pango oder Cellopark gekauft. In Haifa und Tel Aviv hat sich darüber hinaus die App Colu etabliert und wächst weiter.

Israelis – Early Adapter mit großem Gründergeist

Mit der virtuellen Geldbörse können auch Kleinstbeträge bei teilnehmenden Bäckern, im Kiosk, Fitnessstudio, Blumenladen oder Restaurant unkompliziert mit dem Mobiltelefon bezahlt werden. Der Vorteil insbesondere für kleine Ladenbesitzer ist, dass sie sich mit der App die Gebühr der Kreditkartenfirmen sparen.

Was Geld und Zeit spart, wird auch genutzt

Israelis gehen mit technischen Innovationen ganz pragmatisch um. Was sich gut in ihren Alltag integrieren lässt, was Zeit und Geld spart oder einen anderen Nutzen bringt, probieren sie aus.

Das ist auch dann so, wenn sie z. B. bei neuen medizinischen Therapien oder Versorgungsmodellen, einwilligen müssen, dass ihre privaten Daten gesammelt und ausgewertet werden. „Ich denke, gesund zu sein, ist wichtiger, als unsere Privatsphäre zu schützen,“ kommentiert diesen Trend der israelische Chemie-Nobelpreisträger Avram Hershko.

Berufswunsch: Unternehmensgründer

Doch Israelis sind nicht nur Early Adopter, sie bringen selbst digitale Innovationen wie am Fließband hervor. Aber woher kommt das? Einer der Gründe ist sicher, dass es gesellschaftlich sehr anerkannt ist, Entrepreneur zu sein. So sagen bereits Kinder, sie wollen mal ein Unternehmen gründen. Und es gibt eine andere Kultur des Scheiterns als in Deutschland. Wenn jemand mit seinem Startup in Israel keinen Erfolg hat, bekommt er oder sie selten einen negativen Stempel aufgedrückt. Stattdessen gelten auch externe Gründe, wie die Entwicklungen im Markt als Erklärungen für einen Misserfolg.

Darüber hinaus heißt es immer wieder, dass Deutsche abwarten, bis ihr Produkt perfekt ist, um es auf den Markt zu bringen. Für Israelis ist hingegen oft die zweitbeste Lösung bereits okay. Auch hier ist es wieder ein großer Pragmatismus, der bei ihnen oft das Handeln bestimmt, nach dem Motto: Ist das Produkt auf dem Markt, kann immer noch optimiert und verbessert werden.

„Ist das Produkt auf dem Markt, kann immer noch optimiert und verbessert werden.“

Mit Chuzpe den Weltmarkt erobern

Da der israelische Markt sehr begrenzt ist, richten israelische Gründer ihre Unternehmen in der Regel von Anfang global aus. Gehen sie in die USA, nach Asien oder Europa wird deutlich, wie sich die Arbeitskultur unterscheidet. Israelis treten oft selbstbewusst auf, werden von Europäern dabei manchmal als sehr direkt oder mitunter gar als unhöflich wahrgenommen.

Es heißt dann immer mal wieder, dass Israelis mit Chuzpe agieren. Doch was ist das eigentlich? Chuzpe ist so etwas wie „soziale Unerschrockenheit“, auf die oftmals auch mit einer gewissen Bewunderung geschaut wird. In der Startup-Welt kann das zum Beispiel heißen: Wenn ein Israeli bei einem potenziellen Kunden oder Investoren eine Absage erhält, geht er zur Vordertüre raus und kommt zur Hintertüre wieder rein.

Kurze Wege, enge persönliche Kontakte, flache Hierarchien

Die Wege in Israel sind kurz. Von Tel Aviv nach Jerusalem sind es zum Beispiel nur 70 Kilometer. Es scheint, dass jeder jeden kennt und irgendwie alle miteinander vernetzt sind. Das wichtigste berufliche Netzwerk sind dabei die Kontakte aus der Armee. Männer leisten in der Regel drei Jahre Militärdienst, Frauen zwei Jahre. Eine lange Zeit, in der man zusammenwächst.

Wer später im Beruf eine Stelle zu besetzten hat, oder wer eine Geschäfts-idee in den Markt bringen will und Partner sucht, weiß genau, wer, was kann und vor allem, wem er vertrauen kann. Überhaupt ist der persönliche Kontakt zwischen Kollegen in Unternehmen sehr eng.

Fängt ein neuer Mitarbeiter im Unternehmen an, wissen meist am Ende des ersten Arbeitstages die anderen schon, wo er wohnt, ob und mit wem er verheiratet ist und wie viele Kinder er hat. Wichtig sind dabei auch die niedrigen Hierarchien. Ob Geschäftsführer, Professor oder Berufsanfänger – alle sprechen sich mit Vornamen an. Und wer eine Idee hat, für ein neues Produkt oder einen veränderten Prozess, kann diese vorbringen – unabhängig davon, ob man einer der Top-Manager ist oder gerade erst in dem Unternehmen begonnen hat.

Israel gilt als einer der führenden Innovationstreiber der digitalen Welt. Neben den wichtigen strukturellen Begebenheiten seines Ökosystems, tragen zahlreiche kulturelle Aspekte dazu bei, dass Israel diese Erfolgsgeschichte seit einigen Jahren fortschreibt.

Die komplette Grafik zum Download

Das Thema Israel werden wir dieses Jahr nicht nur in unser geplanten Tour aufgreifen, zu der ihr euch gerne anmelden könnt, sondern auch auf unseren Veranstaltungen. Auf der Banking Exchange wird Kilian ein Panel geben zum Thema: China, Indien und Israel: Was im Banking ausserhalb der EU passiert. Als Gäste werden u.a. Tal Sharon dabei sein.

Zur Autorin:

Zuerst waren es Reisen mit dem Rucksack, dann zwei Semester „Middle Eastern Studies“ an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 2005 ist Maike Diehl mit ihrer Agentur Diehl Kommunikation GmbH u.a. für israelische Unternehmen und Organisationen im deutschen Markt tätig; dabei geht es meist um Innovationsthemen. 

Seit 2014 engagiert sie sich für die deutsch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen und hat  Delegationsreisen konzeptioniert und begleitet sowie mehrere Veranstaltungen umgesetzt; u. a. 2017 den Tel Aviv-FrankfurtRheinMain Fintech Summit. Maike verbringt mehrere Wochen im Jahr in Israel und hat ein breites Netzwerk in der israelischen Startup-Szene.

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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