Gesichter der Branche: Tim Weickert

Dürfen wir vorstellen: Tim Weickert von der EOS Technologies Solutions GmbH 

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe Die Gesichter der FinTech Branche  stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Tim Weickert unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen. Diesmal beantwortet Tim Weickert unsere Fragen. Tim ist Geschäftsführer der EOS Technology Solutions, dem IT Dienstleister von EOS und eines der größten Unternehmen im Forderungsmanagement Europas.

Wer bist Du, was machst Du?  

Ich bin Tim und verantworte als Geschäftsführer der EOS Technologie Solutions die Tech-Themen bei EOS in Deutschland. Als FinTech-Gesellschaft der EOS Gruppe verbinden wir das Beste aus Konzern und StartUp. Gemeinsam mit meinen Mitarbeiter*innen entwickle ich das modernste, analytische Real Time Debt-Collection-System der Welt und treibe als „Digitalisierungs-Enthusiast“ Technologie-Themen bei EOS zum Wohle der säumigen Kund*innen und auch für EOS voran.

Gesichter Tim Weickert

Wie sieht ein klassischer Tag in Deinem Leben aus? 

Seit Beginn der Pandemie ist mein Tag darauf ausgerichtet, eine andere und insbesondere digitale Form der Zusammenarbeit bei EOS zu ermöglichen, um den sozialen Klebstoff nicht zu verlieren. 90 Prozent unserer Belegschaft ist seit 14 Monaten im Homeoffice tätig. Um allen Mitarbeiter*innen einen Halt und auch eine Richtung zu geben, die ein Zusammenhaltsgefühl vermittelt, findet in One to Ones ganz viel direkter Austausch statt.

Das ist neu und anders als vor der Pandemie, man trifft sich einfach nicht mehr zufällig in der Kaffeeküche. Für mich und für EOS ist dieser persönliche Kontakt enorm wichtig. Denn mobiles Arbeiten erfordert eine ganz andere Art des Miteinanders, das wir bei EOS allerdings als Chance begreifen. Das bedeutet für mich auch zu schauen, welche Prozesse gut funktionieren, warum Prozesse funktionieren und andere nicht und diese Erkenntnisse in Tools abzubilden.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie? 

Das war, als ich als Kind mein rotes Haspa-Sparbuch bekam. Auch wenn das eine Weile her ist und es das Konto heute nicht mehr gibt, habe ich das Sparbuch immer noch. Damals bin ich mit diesem roten Sparbuch in die Filiale gelaufen und hab mein mühsam angespartes Geld aus dem Sparschwein oder auch gerne mal den Heiermann von Oma eingezahlt. Heute sind diese Abläufe nicht mehr denkbar für mich, aber es war eine tolle Erfahrung und hat wahrscheinlich den Grundstein für meine heutige Begeisterung für das Thema Payment gelegt.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?  

Das war zu Ebay-Zeiten, als dort erstmals die Zahlungsart PayPal angeboten wurde. PayPal war für mich eine absolut revolutionäre Zahlungsmöglichkeit und evolutionär in der Zahlungsverarbeitung. Zu der Zeit habe ich auch bewusst wahrgenommen, dass Banken erstmalig einen enormen Wettbewerbsdruck bekommen würden – und zwar durch Unternehmen (das Wort FinTech gab es damals noch nicht), die den/die Nutzer*in in den Fokus rücken.

Wie definierst Du FinTech?   

FinTechs sind für mich Finanz-Unternehmen, die ihren Geschäftszweck in Kundenlösungen definieren. Alle FinTechs stellen den Ease of Use in den Vordergrund. Dabei wird die Transaktionshürde niedrig gehalten, um es Kund*innen so einfach und angenehm wie möglich zu machen. So schaffen es FinTechs, die Transaktion als positives Momentum wahrzunehmen. Und z. B. Bezahlen oder Traden macht Spaß.

„Fintechs schaffen es, die Transaktion als positives Momentum wahrzunehmen.“

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?   

Langjährig etablierte Unternehmen sind Experten in ihrem Bereich. Sie sind gut in dem, was sie tun, haben – im Gegensatz zu FinTechs – einen großen Vertrauensvorschuss und strahlen durch langjährige Tätigkeiten Verlässlichkeit und Seriosität aus. Zusätzlich geben etablierte Unternehmen Kund*innen eine viel höhere Sicherheit. Innerhalb der Organisation sind Prozesse vollständiger und Verantwortungen sind klar geregelt. Zudem sind die Möglichkeiten, Schiefstände schnell zu korrigieren viel größer als bei FinTechs, schon alleine dadurch, dass man alle Experten an Bord hat.

Das sind alles enorme Vorteile, von denen etablierte Unternehmen profitieren. Aber ob all das wirklich besser und ein Unternehmen erfolgreicher macht, kann ich nicht klar mit „Ja“ beantworten. Ich denke, jede Form hat seine gewissen Vorzüge.

Was kann man von FinTechs lernen?   

FinTechs sind Meister in der Kundenorientierung. Das ist das, was sie ausmacht. FinTechs werden im Grundsatz wie ein Unternehmen in der Krise geführt und sind schnell, flexibel und mutig. Sie wagen es, auch mit nicht perfekt ausgereiften Produkten auf den Markt zu gehen und reagieren flexibel auf Kundenbedürfnisse in dem sie Feedback adaptieren.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Legacy, die Altlasten. Es gibt sie einfach nicht. So sind FinTechs extrem manövrierfähig und können spontan auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren. Etablierte Unternehmen müssen sich häufig erst von Altlasten befreien, um mit der Geschwindigkeit von FinTechs mitgehen zu können.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?   

Egal ob große oder kleine Unternehmen. Traditionelle oder Neue Challenger. Alle müssen den Weg der Digitalisierung gehen, um zukunftsfähig zu sein. Bei dem Thema Digitalisierung schwingt häufig gerade in großen Unternehmen die Angst vor Stellenabbau mit. Dabei ist es vielmehr nur eine Veränderung der täglichen Arbeit. Während der Mensch sich auf den Kunden, komplizierte Sachverhalte und die werthaltigen Arbeiten konzentriert, übernimmt die Maschine die nicht-werthaltigen und repetitiven Handschläge und unterstützt den Menschen.

Gesichter Tim Weickert

Große Unternehmen verfügen außerdem oft über Stabsstellen, die mitreden und einen Anteil an der Kontrolle des Prozesses haben wollen. Dadurch haben etablierte Unternehmen einen viel höheren Abstimmungsbedarf verglichen mit dem Pragmatismus eines FinTechs. EOS hat dies bereits vor mehreren Jahren erkannt und sich auf den Weg der Transformation gemacht. Bereits heute haben wir viel mehr Dynamik, Empowerment und Effektivität in Entscheidungsprozessen und Abläufen.

Was macht deinen Job täglich interessant? 

Das ist für mich das Ausbalancieren zwischen meinen StartUp-Erfahrungen und der gelebten EOS Konzern-Kultur. Immer wieder in den Infight zu gehen mit der Frage „Ist es sinnvoll dieses oder jenes so zu tun?“. Ebenso finde ich es absolut spannend zu sehen, dass Talente mit dem FinTech- Mindset sukzessive immer mehr werden und dass EOS eine intrinsische Veränderungsbereitschaft entwickelt. Das alles ist durchaus keine Sache für einen Tag, sondern vielmehr eine Arbeits-Lebensaufgabe. Ich finde es toll, den Fortschritt und die Zukunft bei EOS mitzugestalten und zu begleiten.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?   

Ich würde definitiv in einem digitalen Unternehmen arbeiten oder in einem Unternehmen, das den absoluten Wunsch zur Digitalisierung hat. Es gibt kein Aussitzen dieses Themas, sonst ist kein Überleben, kein Erfolg, kein Skalieren in internationalen Geschäftsmodellen möglich – sei es als Eigentümer*in, Geschäftsführer*in oder Mitarbeiter*in.

Worauf bist du stolz? 

Ich habe es geschafft, die EOS Technology Solution zu entpolitisieren. Ich konnte eine Kultur von Offenheit, Transparenz und Vertrauen etablieren und habe the most awesome Management-Team in the world. Erst vor Kurzem ist ein Mitarbeiter zu mir gekommen und hat mich deutlich kritisiert – zu recht. Das nenne ich hierarchiefreies Arbeiten, was mich unheimlich stolz macht. Keine Politik, persönlicher Impact, Tempo, Vertrauen und Spaß. Es ist Luxus, so zu arbeiten, jenseits des Erfolges, das füllt mich aus.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche? 

Das verstehe ich nicht. Bei EOS ist es anders. Die Hälfte meines Management-Teams besteht aus Frauen. Warum das in manchen Unternehmen anders ist, liegt an nicht zukunftsträchtigen Ansichten von Erfolg und New Work von zu vielen schläfrigen Männern, die den Mehrwert an Diversität nicht verstanden haben.

Gesichter Tim Weickert

Vielfältige Teams sind u. a. die Essenz für unternehmerisch richtige Entscheidungen. Dazu gehört nicht nur die Geschlechterrolle, sondern auch Nationalitäten und Mentalitäten, je „bunter“, desto besser. Das beleuchtet Entscheidungen aus vielen Blickwinkeln und vermeidet unnötige Fehlentscheidungen.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten? 

Hmmm… gute Frage… Das wäre im Bundestag. Und zwar, um zu erfahren, weshalb die Implementierung der Digitalisierung in der Politik so schwierig ist. Gerne würde ich einmal die Gründe für dieses Desaster verstehen. Glücklich würde mich diese Erfahrung sicher nicht machen und ich würde den Bundestag schreiend und aufgebracht wie ein HB-Männchen nach einem Tag wieder verlassen.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?  

Ganz klar mit allen meinen Kolleg*innen an einem unserer Thirsty Thursdays, in der Officeküche, wenn wir alle wieder gemeinsam im Büro sein können.

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Autor
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr
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