Gesichter der Branche: Marcel Rienties

Dürfen wir vorstellen: Marcel Rienties von SurePay

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe Die Gesichter der FinTech Branche  stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Marcel Rienties unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen. Diesmal beantwortet Marcel Rienties unsere Fragen. Marcel ist Co-Founder und Chief Product Officer beim Security-Fintech SurePay.

Wer bist Du, was machst Du? 

Mein Name ist Marcel Rienties und ich bin Co-Founder und Chief Product Officer von SurePay. SurePay ist ein schnell wachsendes internationales FinTech-Unternehmen aus den Niederlanden, das seinen Geschäftsbereich gerade aktiv auf Deutschland ausweitet. Wir machen Bezahlverfahren einfacher, persönlicher und noch sicherer, indem wir dafür sorgen, dass Zahlungen immer an die richtige Person oder das richtige Unternehmen gehen. Unser bekanntestes Produkt ist der IBAN-Namenscheck.

Gesichter Marcel Rienties

Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Confirmation of Payee“ (CoP)-Lösung, die wir bereits 2017 in den Niederlanden eingeführt haben. Fast alle niederländischen Banken nutzen diesen Service bereits und bieten ihn ihren Kunden im Online und Mobile Banking Bereich an.

Wir überprüfen im Wesentlichen den Namen und die IBAN, die der Überweiser in der Banking-App eingegeben hat, und gleichen diese Angaben bei der Bank des Zahlungsempfängers ab. Wenn etwas nicht stimmt, wird eine Warnung in der Banking-App des Zahlers angezeigt. So überprüfen wir 99,7 % der Zahlungen in den Niederlanden. Das Ergebnis ist, dass wir jetzt 81 % weniger Betrug und 67 % weniger fehlgeleitete Zahlungen in den Niederlanden haben. Unser Service ist auch für Unternehmen verfügbar. Sie können unsere API implementieren, um ihre Kunden und Lieferanten in ihrem eigenen Buchhaltungs- oder ERP/CRM-System zu überprüfen.

Wie sieht ein klassischer Tag in Deinem Leben aus?

Ich bin ein Familienmensch. Also stehe ich früh auf, frühstücke mit der ganzen Familie und  helfe den Kindern bei den Schulvorbereitungen. Auch abends stelle ich sicher, dass ich für die Familie da bin und wir gemeinsam essen.

Meine Arbeitstage bestehen in der Regel aus Besprechungen, Brainstorming mit dem Team, Gesprächen mit potenziellen neuen Partnern, Kundengesprächen, Skizzen für neue Ideen usw. Wenn ich frei habe, verbringe ich die Zeit gerne mit meiner Frau und den Kindern. Oder ich unternehme andere Dinge, die ich mag, wie beispielsweise Tennis spielen,(Brett-)Spiele, die Natur genießen, mit Freunden ein besonderes Bier trinken oder Netflix schauen.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

Ich begann meine Karriere bei Capgemini als Berater für Business Intelligence, wechselte aber nach drei Jahren zur Rabobank. Dort habe ich den Bereich „User Experience“ (UX) bearbeitet, da ich schon immer extrem kundenorientiert war und in der Lage bin, komplizierte Dinge für Endbenutzer klar und einfach darzustellen. Jahrelang war ich Lead Designer für die mobilen Banking-Kanäle der Rabobank und habe viele UX-Designs für alle Arten von Apps entworfen, die die Bank in den frühen Tagen von iOS und Android auf den Markt gebracht hat.

Ende 2015 habe ich mit meinem Kollegen David-Jan Janse am Moonshot-Programm der Rabobank teilgenommen und die SurePay-Idee lanciert. Anfang 2020 haben wir uns dann erfolgreich aus der Rabobank ausgegliedert.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

Ich bin mir nicht sicher, wahrscheinlich vor sieben oder acht Jahren.

Ich war schon immer von Unternehmen wie Adyen oder in letzter Zeit auch von Mollie und Peaks fasziniert. Mir gefällt sehr, wie sie Probleme für Kunden lösen und wie einfach sie skalieren.

Wie definierst Du FinTech?

Um ehrlich zu sein, mag ich diese Art von Etiketten gar nicht. Heutzutage ist fast jedes Unternehmen ein Technologieunternehmen. Daten, Technologien, APIs, Algorithmen, KI usw. spielen im täglichen Leben eine große Rolle. Das ist bei Finanzinstituten nicht anders.

Für mich ist FinTech eher ein Synonym für Start-ups und Herausforderer im Finanzbereich.

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Etablierte Unternehmen haben in der Regel ihre Organisation und Regularien in Ordnung gebracht: Compliance, Risiko, Recht, Sicherheit usw. Diese Themen werden leicht vergessen, wenn man ein neues Unternehmen gründet. Deswegen haben wir von Anfang an besonderen Wert auf diese Bereiche gelegt. Dabei hat es uns sicherlich auch geholfen, dass wir eine Ausgründung einer großen Bank sind.

„Themen wie Sicherheit und Compliance werden leicht vergessen, wenn man ein neues Unternehmen gründet.“

Was kann man von FinTechs lernen?

Das Beste, was mir nach dem Gewinn des Rabobank Moonshot-Programms passiert ist, war, dass wir an einem dreimonatigen Accelerator-Programm beim Startup Boot Camp in Amsterdam teilnehmen durften. Wir lernten die „Lean Startup“-Methoden kennen und das war damals, im Januar 2016, ein echter Augenöffner für uns. Es machte so viel Sinn, alles, was man tut, mit einem „Wer ist der Kunde“ und „Was ist sein Problem“ Ansatz anzugehen. Man kann ein Produkt nur verkaufen, wenn es tatsächlich das Problem eines Menschen löst. Das klingt wie ein Selbstläufer, oder? In vielen großen Unternehmen wird diese Arbeitsweise jedoch immer noch nicht angewandt. Das führt viel zu häufig zu einem schlechten oder unnötigen Produkt, das die Probleme der Kunden nicht wirklich löst, sowie zu verlorener Zeit, schlechten Verkäufen, und im Grunde genommen verschwendetem Geld.

FinTechs oder Startups im Allgemeinen sind durch ihren Ansatz oft viel kundenfreundlicher und effizienter. Ich glaube, wir sollten das Beste aus beiden Welten anstreben und mit etablierten Unternehmen zusammenarbeiten.

Wir bei SurePay sehen uns nicht als Konkurrenten oder Herausforderer der etablierten Banken, sondern als „Enabler“. Wir versetzen die Banken in die Lage, ihre Zahlungen zu beschleunigen oder ihren Kunden praktische neue, sinnvolle Dienstleistungen rund um den Zahlungsverkehr anzubieten.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

Jede Veränderung ist schwierig, und im Allgemeinen mögen Menschen Veränderungen überhaupt nicht, weil wir alle Gewohnheitstiere sind. Generell denke ich, je größer ein Unternehmen ist, desto weniger agil ist es. Außerdem haben junge Start-ups wie SurePay weniger Altlasten. Daher waren wir beispielsweise von Anfang an cloudbasiert –  nicht nur was die technische Lösung von SurePay angeht, sondern auch unsere Büro-IT. So war auch die Umstellung von physischen auf rein digitale Lösungen aufgrund der Covid-19-Pandemie aus technischer Sicht überhaupt nicht schwierig. Wir hatten keine einzige Unterbrechung, als wir umgestellt haben!

Was macht deinen Job täglich interessant?

Ich arbeite gerne mit dem Team an neuen Produkten, Produktinnovationen und neuen Funktionen, um die bestehenden Herausforderungen und Probleme unserer Kunden zu lösen.

Dabei gefällt es mir besonders, dass wir an wirklich relevanten Lösungen arbeiten und das alltägliche Leben unserer Kunden positiv beeinflussen können.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

Ich würde wahrscheinlich versuchen, anderen Unternehmen mit internen Innovations- oder Moonshot-Programmen zu helfen und den Wert des Lean-Startup-Ansatzes zu verstehen, um ihnen den in ihrer Organisation erforderlichen Wandel zu erleichtern.

Worauf bist du stolz?

Gesichter Marcel Rienties

Am stolzesten bin ich auf die Tatsache, dass wir im Leben von Millionen von Menschen eine wichtige Rolle spielen: Wir machen Zahlungen sicherer, sorgen für weniger Betrug und weniger fehlgeleitete Zahlungen –  und das, ohne dass die Menschen überhaupt wissen, dass es uns gibt, weil unsere Lösungen so nahtlos im Hintergrund laufen. Mir gefällt es, diesen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu haben.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Gute Frage, ich weiß es nicht. Wenn es nach mir ginge, würde es 50/50 sein.

Wir sind immer auf der Suche nach guten weiblichen Talenten. Wir haben ziemlich viele Frauen in unserem Unternehmen, sogar in den technischen Teams, aber es können immer mehr sein, da wir Vielfalt sehr begrüßen. Derzeit haben wir 22 verschiedene Nationalitäten in unserem Unternehmen. Unterschiedliche Kulturen führen zu unterschiedlichen Perspektiven und Einsichten.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

Ich wäre daran interessiert, einen Tag bei Adyen zu arbeiten, um zu erfahren, wie sie skalieren und was sie getan haben, um so erfolgreich zu sein, wie sie es sind.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

Mit dem SurePay-Team! Nachdem wir eineinhalb Jahre größtenteils im Homeoffice gearbeitet und uns fast nur über Video-Calls gesehen haben, wäre es wirklich schön, sich endlich wieder regelmäßig im echten Leben zu begegnen und gemeinsam ein Feierabendbier zu genießen, um auf unseren Erfolg anzustoßen!

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Autor
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr
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