Finance-Locations: Die Fintech-Hotspots der Welt

Berlin ist und bleibt die klare Nummer eins unter den Fintech-Standorten hierzulande. So lautet das Ergebnis der traditionellen Fintech-Studie der comdirect, die alljährlich gemeinsam mit dem Analysehaus Barkow Consulting durchgeführt wird. Doch wie – und vor allem wo – positioniert sich die deutsche Fintech-Szene auf den folgenden Plätzen? Welche anderen deutschen Regionen locken Tech-Gründer an? Und: Können sich diese mit den gefragtesten internationalen Standorten messen? Ein Überblick über die wichtigsten Hotspots und aufstrebende internationale New-Finance-Hubs.

Das vor wenigen Monaten vorgestellte Ergebnis der comdirect-/Barkow-Consulting-Studie fiel eindeutig aus: Die deutsche Hauptstadt bleibt mit Abstand der wichtigste und für (Fintech-)Startup-Gründer attraktivste Standort in Deutschland. Insgesamt 295 Finanz-Startups haben ihren Sitz in Berlin – mehr als jedes dritte deutsche Fintech (in Deutschland gibt es aktuell, Stand: Anfang 2020, rund 900 Fintechs). Doch die 3,8-Millionen-Metropole liegt nicht nur bei der Zahl der Fintechs ganz oben, sondern ebenso

  • beim investierten Risikokapital (über 1,7 Milliarden Euro)
  • bei den Neugründungen
  • den VC-Investitions-Runden
Quelle: comdirect.de

Berlin spielt in „eigener Liga“

Berlin spiele in Sachen Bedeutung als Fintech-Standort in „einer ganz eigenen Liga“, ließ Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirect Bank, im Zuge der Präsentation der Ergebnisse verlauten. Das zeigt sich allein schon daran, dass dort mehr Fintechs ihren Sitz haben als in München, Frankfurt und Hamburg zusammen. Diese drei Metropolen folgen hinter Berlin als wichtigste deutsche Hotspots:

  • in der Isar-Metropole München gibt es 105 Finanz-Jungunternehmen, die in den ersten zehn Monaten in 2019 (Redaktionsschluss für die Analyse: Oktober) 230 Millionen Euro eingesammelt haben
  • auf rund 40 Millionen Euro Kapital bringen es die Frankfurter Finanz-Startups. 106 der jungen, innovativen Tech-Firmen haben sich für das weltweit bedeutende Finanzzentrum als Standort entschieden
  • dahinter folgt die beliebte norddeutsche Hafenstadt: in Hamburg haben gegenwärtig 83 Fintechs ihren Sitz, die im vergangenen Jahr 189 Millionen Euro an VC-Investments einfahren konnten

Zwei neue (kleine) Hubs

Bei einer Betrachtung der Studie aus dem Jahr 2016 fällt auf: Es scheint sich in der Standort-Rangliste seit Ende 2016 nicht sonderlich viel getan zu haben. Schon damals ganz oben: Berlin, mit weitem Abstand vor München. Dahinter folgten schon vor vier Jahren Frankfurt und Hamburg. Dennoch kam es seitdem zu interessanten Veränderungen. Denn zwei neue Standorte kamen hinzu, die sich klammheimlich zu weiteren (kleinen) deutschen Fintech-Hotspots entwickeln konnten: Bremen und Essen. Gab es in diesen beiden Städten Ende 2016 noch kein einziges Finanz-Jungunternehmen, haben dort mittlerweile über zehn Finanz-Startups ihren Geschäftssitz: fünf in Bremen und sechs in der NRW-Metropole Essen.

Apropos NRW: Der Ballungsraum Rhein-Ruhr gilt nicht nur deutschland- sondern auch europaweit als einer der attraktivsten, wichtigsten Wirtschafts-standorte. Gerade auch im Bereich der Neugründungen. Eine große Startup-Szene hat sich in den vergangenen Jahren dort etabliert. Und ein gewichtiger Teil entfällt hier auf junge Firmen aus dem Segment der Finanz-technologie.

Finance-Locations: Die heißesten Fintech-Hotspots der Welt

Egal ob es um Geschäftsfelder oder Service-Bereiche wie Altersvorsorge, Finanzierung, Geldanlage, Bezahlen, Absichern oder (Finanz-) Beratung geht – über 60 Fintechs haben sich mittlerweile in der nordrhein-westfälischen Metropolregion niedergelassen. Zu den sechs Essener Fintech-Startups kommen noch 20 aus Düsseldorf sowie 35 aus Köln.

Die Standortwahl

Ob Berlin, München, Düsseldorf oder Leipzig: Die Wahl des Standorts spielt für aufstrebende Fintechs eine sehr wichtige Rolle. Einige der Fragen, die sich Junggründer bei der Wahl des Standortes in aller Regel stellen:

  • existieren Möglichkeiten vor Ort, sich mit möglichen Partnern aus der Finanzbranche (z.B. Börsen, Banken, andere Finanzdienstleister) zu vernetzen und auszutauschen?
  • besteht Nähe zu – potentiellen – Kunden?
  • bekomme ich vor Ort fähige Fachkräfte, Entwickler, Software-Developer, Finanzexperten etc.?
  • gibt es am Standort der Wahl bezahlbare Räumlichkeiten und Mitarbeiter?
  • kann ich die Anfangskosten generell gering/niedrig halten?
Finanzplatz London: Fintech-Nummer-Eins in der Welt

Diese und ähnliche Fragen stellen sich Gründer überall auf der Welt. Natürlich auch in einem (Insel-)Staat, der in den letzten Jahren vor allem mit langwierigen Beitrittsverhandlungen und EU-kritischen Positionen von sich reden machte: Großbritannien. Trotz Brexit und einem von vielen bereits befürchteten Abwandern innovativer Startups und Fintechs, liegt auf der Insel noch immer das New-Finance-Hub in der Welt: in London.

Finance-Locations: Die heißesten Fintech-Hotspots der Welt

Dies machte jüngst die Auswertung einer Studie der in Berlin ansässigen Digitalberatung Hy deutlich. Die Digitalexperten fertigten diese Studie exklusiv für die Finanzpublikation Finance Forward an. Sie weist London klar als globalen Nummer-Eins-Standort für Fintechs  aus.

In der britischen Weltstadt gibt es die meisten Fintechs (mehr als 420) und auch im Bereich der Funding-Summen liegen die Londoner Fintech-Startups an der Spitze. Dahinter folgt New York mit 330 Fintechs. Berlin ist europaweit nach London die Nummer Zwei.

Laut der Hy-Auswertung sind die relevantesten Fintech-Hotspots in Europa:

  • Paris
  • Stockholm
  • Madrid
  • Amsterdam
  • Zürich
Digitaler Hub: Fintech-Boom in der Schweiz

Überhaupt tut sich in der Schweiz in Sachen Fintech-Neugründungen sehr viel. Im Sommer 2019 wurden allein in der Schweiz insgesamt 334 Fintech-Unternehmen gezählt. Darunter befinden sich sehr viele neu gegründete Firmen. Damit gilt das kleine Land in Zentraleuropa als einer der großen internationalen FinTech-Hotspots – rein von der Anzahl der Fintech-Firmen.

2019 gilt ohnehin als das große Jahr der Start-ups in der Schweiz. Noch nie in der Geschichte wurden in jenem Jahr so viele Fintechs und Insurtechs gegründet: weit über 3000 Neugründungen an Insurtechs und Fintechs gab es demnach. Das sind über sieben Prozent aller Neugründungen in der Schweiz. Die Botschaft ist klar: der Markt für Finanztechnologien und moderne, zukunftsfähige Lösungen im Bereich Versicherungen, Finanzen, Vorsorge, Anlage & Co. boomt nach wie vor. Und in der Schweiz mehr denn je.

Vor allem in Zürich gibt es starke Finanz- und Tech-Zentren (etwa die Region entlang des Flusses Limmat, bekannt als Limmattal mit der Limmatstadt AG), die junge Gründer anziehen. Hinzu kommt, dass der Bund und die schweizerischen Unternehmen in diesem Bereich sehr aktiv sind und viel tun, um das Startup-Ökosystem des Landes weiter zu stärken und vorantreiben.

„In Zürich gibt es starke Finanz- und Tech-Zentren, die junge Gründer anziehen.“

„Fintech-Nation“ Israel

Neben der Schweiz gibt es noch ein weiteres Land in Europa, das aufgrund seiner Dichte an Fintech-Neugründungen als (längst nicht mehr nur heimlicher) Digital- und Finance-Hub gilt: Israel. Der Wandel der Finanzdienstleistungsbranche zeigt sich in dem nicht einmal neun Millionen Einwohner zählenden, ans Mittelmeer angrenzenden Land seit vielen Jahren. Israel verfügt über die höchste Pro-Kopf-Anzahl an Jungunternehmen. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Metropole Tel Aviv.

Der Branchendienst „Startup Nation Central“ zählt aktuell fast 6500 Startups allein in Tel Aviv (obwohl die Stadt nicht einmal 500 000 Einwohner hat). Mehr als 500 dieser Unternehmen, die alle über innovative Konzepte verfügen und das Ziel des schnellen Wachstums eint, sind Fintechs. Fast 350 von ihnen sind erst im Laufe der letzten fünf Jahre entstanden. Daneben sind sie ein beliebtes Ziel von Investitionen. 1,6 Milliarden Dollar wurden im letzten Jahr in israelische Finanz-Startups investiert – jeder vierte investierte Dollar floss demnach 2019 in diese Branche. Eine Steigerung um mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr. Da verwundert es wenig, dass Beobachter und Branchenkenner bei Israel schon länger von einem der „innovativsten Länder der Welt“ sprechen.


https://finletter.de/11341/exklusiv-fintech-hubs-deutschland-2019-comdirect-ranking/

https://www.immobilienmanager.de/das-sind-die-fintech-hochburgen-in-deutschland/150/45781/

https://www.moneytoday.ch/news/disruption-in-der-finanzwelt-und-der-blick-ueber-den-tellerrand/

https://www.finews.ch/news/finanzplatz/39394-startups-2019-fintech-insurtech-rekord

https://www.focus.de/perspektiven/14-laender-14-reporter/14-reporter-14-laender-wie-israel-zu-einem-der-innovativsten-laender-der-welt-wurde_id_9962034.html

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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